Video-Interview



Yann Tiersen im Video-Interview: „Meine Musik ist wie die Sprache der Pilze“


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Den Bretonen Yann Tiersen kennen wohl viele vor allem durch seine Soundtracks zu Filmen wie „Goodbye, Lenin“ (2003) oder auch „Die fabelhafte Welt der Amelie“ (2001). In seiner Diskografie wird jedoch ersichtlich, dass Tiersen längst weitergezogen ist und ein Experiment das nächste jagt. 

Statt Klaviaturen nun Kabelsalat und Visuals 

Der Multiinstrumentalist hat sich von Klaviermusik, Rock, Punk und Filmmusik hin zu elektronischen Spielereien bewegt: In Vorbereitung auf Live-Sets mit Elektronik experimentierte er im Studio. Daraus entstanden die Songs seines neuen Albums „11 5 18 2 5 18“, die auf einer neuen Kompositionstechnik basieren. Ausgangsmaterial sind dabei kaum identifizierbare und verfremdete Samples und Sound-Collagen, verarbeitet durch analoge Synthesizer und Modularsysteme. Hier wird Tiersens Freude am Ausloten kreativer Grenzen bemerkbar. Seit „All“ (2019) treten vor allem die typischen Klaviersounds merklich in den Hintergrund. 

Ein Konzert von Yann Tiersen 2022

„Wenn ich eins nicht will, dann stehen bleiben“

Yann Tiersen sagt dem ROLLING STONE im Interview, es läge ihm fern, in seiner Kunst oder seinem Leben stehenzubleiben. Bei den Live-Auftritten seiner Tour entdeckt man den 52-Jährigen heute also nicht mehr hinter dem Klavier, sondern hinter Synthesizern und Laptops. Um sich baut er Schallwellen auf, die er auf Instrumenten erzeugt, einfängt und bearbeitet. Man sieht den Tiersen hinter gigantischen Leinwänden vor der Bühne, auf die experimentelle Visuals projiziert sind. Gelegentlich unterstützt ihn auf der Bühne gesanglich seine Frau Emilie, die auch als Support Act unter dem Namen Quinquis auftritt. 

Seht hier das Videointerview

Der Musiker lebt heute auf Ouessant, einer französischen Insel mit 833 Einwohnern vor der bretonischen Atlantikküste. Er möge es, von Natur umgeben zu sein, erzählt er im Interview. Das schließe aber elektronische Modularsysteme nicht aus – seien diese immerhin hochkomplexe, verkabelte Maschinen, die – „wie Pilze unter der Erde“ – netzartig miteinander kommunizieren.

Das neue Album „11 5 18 2 5 18“ entstand aus Studio-Experimenten im Vorfeld eines Auftritts auf dem Berliner Modular- und Synthesizer-Festival „Superbooth“ und erschien im Juni 2022.

Gari Garaialde Redferns