YouTube vs. GEMA: Das Internet schlägt zurück


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Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte (GEMA) macht sich in letzter Zeit immer unbeliebter. Nun wettern nicht nur auch die großen Labels, die eigentlich von einer Einigung profitieren würden, gegen die Autorengesellschaft.

„Man darf sich die Frage stellen, warum eine Einigung zwischen Verwertungsgesellschaften und YouTube in vielen Musikmärkten möglicht ist, nicht aber in Deutschland, dem wichtigsten Markt Europas.“, so der deutsche Universal-Chef Frank Briegmann, zu SPIEGEL ONLINE. Auch sein Kollege Edgar Berger, der Deutschland-Chef von Sony Music, ließ die Autorengesellschaft in einem SPIEGEL-Interview seinen Unmut spüren: „Alles muss durch ein Nadelöhr, den GEMA-Aufsichtsrat. Einige Mitglieder scheinen noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sein.“

Mittlerweile sehen auch die Plattenfirmen den hohen Marketingwert der Streamingplattform ein – was auch nicht immer so gewesen ist. Warner Music forderte  im Dezember 2008 YouTube auf, sämtliche illegal hochgeladenen Videos zu löschen. Heute stehen die Plattenfirma und der Internetkonzern allerdings wieder in Verhandlungen und es sieht so aus, als ob sie bald eine Einigung finden können.

Dabei hätte es alles so gut laufen können mit YouTube und der GEMA. Im Jahr 2007 schlossen beide Parteien einen Vertrag ab, in dem die Autorengesellschaft der Videoplattform erlaubte, musikalische Werke zu veröffentlichen.

Seit März 2009 ist dieser vorübergehende Vertrag zwischen den beiden Parteien allerdings abgelaufen. Man konnte sich nicht einigen. Die Forderungen der GEMA sollen 12 Cent pro Stream betragen haben. Das schien dem Internetkonzern überteuert und auch die weiteren Vorschläge, die Summe zunächst auf 0,2 Cent beziehungsweise 0,002 Cent herunterzusetzen, stellten den Konzern nicht zufrieden.

Inzwischen hat die GEMA YouTube verklagt – was dazu führte, dass die Google-Tochter die Verhandlungen abbrach. Aus Unmut über den schleppenden Prozess hat sich aber nun auch eine dritte Partei ins Spiel gebracht: Die Hackergruppe Anonymous. Diese veröffentlichte ein Video, in der eine Computerstimme einen Text vorliest, der die Sorge um die Entwicklungen der Verhandlungen äußert. Anstatt Forderungen zu stellen und erst einmal abzuwarten, droht Anonymous sogleich mit Taten: In der Beschreibung des Videos befinden sich Tools, die die GEMA-Sperre auf YouTube umgehen können sollen. So will Anonymous die Verhandlungen vorantrieben. Dabei blieb es allerdings nicht, denn am vergangenen Wochenende versuchten sie Hacker die GEMA-Webseite auszuschalten, was allerdings fehlschlug.

Die GEMA präsentiert sich nach diesem Angriff nonchalant, aber auch etwas bissig: Alexander Wolf, Syndikus für internationale Rechtsfragen bei der GEMA, äußerte sich in einem Presseschreiben: „Von einer plötzlichen Eskalation zwischen YouTube und der GEMA kann nicht die Rede sein. Die Lage ist seit Monaten unverändert, denn die Klage wurde bereits Ende 2010 eingereicht.“

Des weiteren suggeriere der Text, der die Sperrung des Videos kennzeichnet, dass die GEMA YouTube die Verlagsrechte nicht eingeräumt habe. Das stimme so nicht, da der Konzern die Rechte schlichtweg noch nicht erworben habe.

Weiterhin sagt die GEMA in ihrem Presseschreiben, dass noch in diesem Sommer mit einem Sondierungsgespräch zu rechnen sei. Sollten sie die Klage jedoch nicht zurückziehen oder auch Google nicht aufhören zu bocken, sieht es in der Beziehung allerdings nicht nach einem baldigen Ende des Prozesses aus, obwohl dies ja durchaus möglich ist – bestes Beispiel wäre hier Großbritannien.

Die Autorengesellschaft sollte nicht vergessen, dass YouTube nur die Spitze des Eisberges ist: Schließlich gibt es ja auch noch die Plattformen Soundcloud, Vimeo, Spotify und unzählige mehr, die sich noch alle nicht im Fadenkreuz der Gesellschaft, also quasi unter Wasser befinden. Das bedeutet für die GEMA: Ran an die Tauchausrüstung und rein ins kalte Wasser. Besser jetzt einen guten Deal machen als sich störrisch stellen und alles verlieren. Denn wie wir in der letzten Zeit erfahren konnten: Am Ende gewinnt eh immer Google.