ROLLING STONE-Ausgabe 07/2019 MIT EXKLUSIVER PHIL COLLINS 7-INCH SINGLE

ZDF löscht Böhmermanns Erdogan-Gedicht aus Mediathek

Jan Böhmermann hatte mit einem Schmähgedicht gegen den türkischen Staatspräsidenten Erdogan in seiner Sendung von „Neo Magazin Royale“ am Donnerstag (31. März) nach der gewitzten Rammstein-Parodie einen weiteren Viral-Hit im Programm, der sich rasend schnell im Internet verbreitete und direkt an die Diskussion um den von der Türkei gerügten Satire-Beitrag des NDR-Formats „Extra 3“ anschloss.

Der Moderator nahm die Erdogan-Satire der Kollegen zur Vorlage, um dem türkischen Präsidenten den Unterschied zwischen Kunstfreiheit, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit zu erklären – inklusive türkischer Untertitel.

„Haben Sie das verstanden, Herr Erdogan?“, fragte Böhmermann provokativ. „Vielleicht erklären wir es an einem praktischen Beispiel mal ganz kurz. Ich habe ein Gedicht, das heißt ‚Schmähkritik‘ (…) Und das, was jetzt kommt, das darf man NICHT machen. Wenn das öffentlich aufgeführt wird – das wäre in Deutschland verboten.“ Mehrmals empfiehlt Böhmermann der türkischen Regierung, juristisch gegen die ‚Schmähkritik‘ vorzugehen.

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Qualität: ungenügend

Doch inzwischen ist der Beitrag nicht mehr in der Mediathek zu finden. Das ZDF hat ihn ganz bewusst gelöscht, wie es auf Nachfrage einer großen Boulevardzeitung bestätigte: „Die Parodie im NEO MAGAZIN ROYALE vom 31. März zum Umgang des türkischen Ministerpräsidenten mit Satire entspricht nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt. Aus diesem Grund wurde die Passage aus der Sendung entfernt.“

Muss der toughe Böhmermann sich nun beim ZDF-Intendanten für seine ‚Schmähkritik‘ an Erdogan entschuldigen – oder ist die Löschung nur ein geschickter Schachzug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen?


So hat sich die Ibiza-Geheimnistuerei für Jan Böhmermann gelohnt

Jan Böhmermann weiß, wie man aus einer Situation Kapital schlagen kann. Nach der Ibiza-Affäre, die auch ganz konkret mit seinem Namen verbunden wurde (sogar der involvierte und inzwischen zurückgetretene Vizekanzler Österreichs, Hans-Christian Strache, erwähnte seinen Namen in einer ersten Reaktion auf den Presse-Coup), platzierte er im Netz einen Countdown, ließ Fans Rätsel raten, was er für neues Material unter dem Namen „Dotheyknowitseurope“ präsentieren würde. Die durchaus schlichte, wenn auch komische Antwort: Nichts Neues zu Ibiza, dafür ein Europa-Song. Zum Teil Wahlaufforderung für die Kreuzchenverweigerer, zum Teil ESC-Parodie. Zum Teil der Versuch, Europas heterogene Comedyszene zu einen. In der aktuellen Sendung…
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