Zum Tode von Mark Linkous alias Sparklehorse


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Da sitzt man nun und hört sein liebstes Sparklehorse-Album. „It’s A Wonderful Life“ heißt es und fängt mit eben diesem Lied an. Ein Rauschen und Knistern im Hintergrund, ein hallendes Klavier im Walzertakt, ein entferntes, schleppendes Schlagzeug – und dann Linkous‘ Stimme, dieses Mehr-Hauchen-als-Singen, das die kruden Zeilen singt: I am / the only one / can ride that horse / th’yonder / I’m full of bees / who died at sea / it’s a wonderful life / it’s a wonderful life“.

Was man natürlich schon diesem – seinem dritten Album mit Sparklehorse – anhörte: So wundervoll kann das Leben manchmal nicht für ihn gewesen sein. Schon 1996 wäre Linkous beinahe gestorben, als er sich auf der U.K.-Tour zu seinem Debüt „Vivadixiesubmarinetransmissionplot“ eine gefährliche Mixtur aus Antidepressiva und Valium einflößte. Er verlor für 14 Stunden das Bewusstsein und war nach Angaben der Ärzte gar für ein paar Minuten klinisch tot. Dem Rolling Stone erzählte er 1999 in einem Interview: „Einen fürchterlichen Augenblick dachte ich, dass dieser kurze Tod – denn technisch gesehen war ich für ein paar Minuten tot – den Teil meines Gehirn beschädigen könnte, dem ich meine Fähigkeit, Songs zu schreiben, verdanke.“

Diese Fähigkeit hat Linkous zwar nicht eingebüßt, aber der Zwischenfall hinterließ ihn mit gelähmten Beinen. Es brauchte mehrere Operationen, um die Lähmung wieder in den rückgängig zu machen. Bei der ersten Operation erlitt er zudem einen Herzinfarkt. Ab 1999 arbeitete er dann wieder an Sparklehorse-Alben, veröffentlichte 1999 „Good Morning Spider“, 2001 „It’s A Wonderful Life“ und 2006’s „Dreamt for Light Years in the Belly of a Mountain.“

Im Jahre 2009 wurde dann die gemeinsame Arbeit mit Danger Mouse und David Lynch veröffentlicht, die mit ihrem Titel und mit ihrer Grundstimmung wohl eher zu Mark Linkous Gemütsstimmung passte als der sonnige Titel vom wundervollen Leben: „Dark Night Of The Soul“, hieß das dunkle Meisterwerk, bei dem die beiden Kreativköpfe mit Gaststars wie Wayne Coyne, Julian Casablancas, Iggy Pop, Vic Chesnutt und Nina Persson (an deren Solodebüt unter dem Namen A Camp er auch mitgewirkt hatte) von den Cardigans zusammenarbeiteten. Das Artwork dazu stammte von David Lynch. Nach massiven Rechtsstreitigkeiten mit der EMI kam es erst in der vergangenen Woche, wenige Tage vor seinem Tod, zu einer Einigung um eine reguläre Veröffentlichung. Danger Mouse und Linkous hatten zuvor lediglich den Bildband zum Projekt angebot und einen CD-Rohling beigelegt. Auf wundersame Weise fanden auch die Songs zur selben Zeit ihren Weg in die Blogwelt.

Mark Linkous nahm sich am 06. März das Leben, in dem er sich in der Nähe des Hauses eines Freundes mit seiner eigenen Pistole ins Herz schoss. Das bestätigte seine Managerin Shelby Meade der New York Times. Laut Meade hatte Linkous die Arbeit an einem neuen Sparklehorse-Album fast abgeschlossen. Er sei gerade dabei gewesen, nach Knoxville zu ziehen, wo er ein Studio einrichten ließ, in dem er die Arbeit abschließen wollte. Linkous, der aus seinem offiziellen Alter stets ein Gehmeinnis machte, starb nach Angaben der New York Times im Alter von 47 Jahren.

Seine Frau Teresa Linkous, seine Mutter Gloria Hughes Thacker, sein Vater Frederick Linkous und seine drei Brüder Matt, Paul und Daniel Linkous veröffentlichten ein gemeinsames Statement auf seiner Website, in dem es heißt: „Mit großer Trauer teilen wir die Nachricht, dass unser Freund und Verwandter Mark Linkous sich heute das Leben genommen hat. Wir sind dankbar für unsere gemeinsame Zeit und werden ihn ewig in unserem Herzen tragen. Möge seine Reise friedlich, glücklich und frei sein. Es gibt einen Himmel und einen Stern für Dich.“

Was nun mit besagtem fast fertigen Material geschieht? Man weiß es noch nicht. Man will es noch nicht fragen.

Mit Mark Linkous ist ein weiterer großartiger Songwriter von uns gegangen. Man hätte ihn gerne noch 40 Jahre und fünf Alben bei sich gehabt. Mindestens.

Sparklehorse – „It’s A Wonderful Life“

Sparklehorse – „Little Fat Baby“

Sparklehorse – „Saturday“ (live)

Sparklehorse – „Sick“

A Camp (Nina Persson und Mark Linkous) – „I Can Buy You“