Alben

Phillip Boa And The Voodooclub 2.5 Stars

Loyalty

VÖ: 10. August 2012 - Label: Cargo

Phillip Boa And The Voodooclub - Foto: Cargo Phillip Boa And The Voodooclub - "Loyalty" Das sehr inszenierte Kontrastprogramm Boas aus Avantgarde-Getue, Filmscore-Schmonz, flirrenden Postpunk-Gitarren und Elektronik war immer schon für eine Kontroverse gut. Und auch seine ausgesucht ausdruckslose, immer ganz leicht an der allzu schönen Harmonie vorbeigeraunte Intonation, durchwirkt und hintertrieben von den Märchenmelodien der alraunenhaften Pia Lund, musste man nicht unbedingt lieben. Aber die Konsequenz und qualitative Kontinuität, mit der er alle Jahre wieder eins seiner Alben macht, kann einem auch durchaus sympathisch sein.

Auf "Loyalty" zeigt sich die geheimnislose Voodooclub-Ästhetik wieder mal mit ganz dickem Pinsel. Schon im großartigen Opener "Black Symphony" gibt es nach einer eher schlichten, aber kickenden Schrabbelgitarrenpop-Strophe den großen Aufgalopp der schmachtenden Strings. Anders als es uns der Titel weismachen will, kommen die aber eher aus einem Fifties-Hollywood-Melodram und nicht aus dem Film noir. Auch der Titelsong konterkariert alten Wave mit einem Breitwand-Soundtrack. Hier lässt Boa seine gespielte Harmonieverweigerung einmal fahren und hängt sich richtig rein. Fette Chöre, alles inklusive.

Wie funktional und gut austariert sein Kontrast-Prinzip mittlerweile ist, zeigt sich vor allem an den weniger gelungenen Songs. "Lobster In The Fog" zum Beispiel, das in seiner ausgestellten Elektro-Coolness eher enervierende als hypnotische Wirkung zeitigt. Da wird die artifizielle Geste einmal nicht aufgewogen von simplem Schönklang, und schon bekommt das eine ungute Konnotation – von Kunstkacke. Auch bei "My Name Is Lemon" stimmen die Verhältnisse nicht. Der Song basiert auf einer grauenvollen Synth-Figur – das waren die miesen Achtziger! –, sodass selbst der hübsche, wieder eine ganze Kinoleinwand einnehmende Chorus nicht mehr dagegen ankommt. "Under A Bombay Moon Soon" hingegen schafft die Balance noch einmal spielend. Ein fulminantes Staccato-Riff liefert die Erdung und bereitet den Gassenhauer-Chorus vor, ein paar Sitar-Schleifen im Fond und der gelangweilte Sprechgesang sorgen dafür, dass sich nicht alles so leicht wegkonsumieren lässt.

Auf der Tour will Boa "Loyalty" angeblich fast durchspielen. Das soll er ruhig mal versuchen.

Beste Songs: "Black Symphony", "Under A Bombay Moon Soon"

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Kommentare (2)
"Wissen Sie: Fuck Off!"

Ich hielt Musikkritiker vom Rolling Stone schon immer für borniert. Immer mit dem "art"ifiziellen Drang alles kaputtzuschreiben. So auch der gute Frank Schäfer - ein echter Schlaumeier, der wahrscheinlich jede Synkope aller Alben der vergangenen 20 Jahre Musikgeschichte locker bei Wetten Dass? raushören kann. Ich habe mich schon über die grenzdebile Kritik des neuen Garbage Albums im Stone geärgert. Ständig wird hier jedem Künstler, der mehr als 10 Jahre auf dem Buckel hat, eine gewisse musikalische Langeweile und Stagnation unterstellt. Schon mal von Wiederkennungswert gehört, ihr Flachflöten ...??? ... Sollte er auch mal "versuchen" :P Ich zitiere mal den Herrn Boa aus einem seiner letzten Interviews, bringt es auf den Punkt: "Wissen Sie: Fuck Off!"

@Snake - BLEIB LOCKER, MANN

Auch einige Mitglieder von Zeitschriften-Foren neigen scheinbar zu einer gewissen Borniertheit.
Auch gibt es einen gekünstelten, hochgestochenen (Artifiziellen) Drang immer dann beleidigt zu sein, wenn ein Kritiker das neueste Werk des jeweiligen Lieblingskünstlers nicht in den Himmel hebt. Unter diesen Zeitgenossen gibt es viele, die von jeder Synkope ihres Lieblingskünstlers in Exstase verfallen, ist ja auch OK... Musik-Kritiken sind nun mal immer subjektiv, das liegt in der Natur der Sache. Interessant ist, dass Du den gleichen Kommentar innerhalb von 4 Minuten sowohl bei RS als auch im Musikexpress-Forum gepostet hast. Kleiner Online-Amoklauf, oder wie oder was?
Beide Kritiker haben sich ja noch nicht einmal grundsätzlich negativ geäußert, haben lediglich Ihre Meinung zum Ausdruck gebracht, dass BOA schon mal bessere Platten gemacht hat (Tatsache) und dass er immer schon eine sehr spezielle Art von Musik gemacht hat (ebenfalls Tatsache). BOA ist nun mal nicht jedermanns Sache, freu dich doch einfach, dass er was neues am Start hat, genieß die Platte und lass anderen das Rech,t anderer Meinung zu sein!

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