Die ganze Rock- und Popgeschichte auf einem Klick!
von Oliver Hüttmann
Foto:
capelight pictures
Leb wohl, meine Königin
Der Ausspruch, das hungernde Volk solle Kuchen essen, wenn es
kein Brot gebe, wurde ihr zwar angedichtet. Als Gemahlin des Königs
Ludwig XVI. war Marie Antoinette in den Tagen der französischen
Revolution aber eine Reizfigur, die über ihre historische Bedeutung
hinaus noch heute fasziniert. Regisseur Benoît Jacquot blickt aus
der Perspektive der jungen Zofe Sidonie (Léa Seydoux) hinter die
Fassade von Versailles, das er als abgeschotteten, irrealen, ebenso
pompösen wie düsteren Moloch zeigt. Am Abend vor dem Aufstand lässt
Marie-Antoinette (Diane Kruger) sich von ihr aus Modemagazinen
vorlesen, ein Fest wird abgehalten, in den verwinkelten Gängen
treiben es die Hofdamen mit ihren Günstlingen zwischen toten
Ratten, die den Untergang ankündigen. Der Sturm auf die Bastille,
die als uneinnehmbar gilt, dräut als Gerücht durch das Schloss, die
Tragweite des Ereignisses ist nicht vorstellbar. Als die Königin zu
fliehen gedenkt und sich ihr Hochmut in Panik auflöst, bittet sie
Sidonie, mit ihrer geliebten Freundin Gabrielle (Virginie Ledoyen)
die Rollen zu tauschen. Die Dienerin erweist sich bei dem
gefährlichen Täuschungsmanöver als willensstarke Persönlichkeit.
Ein zuweilen zu laszives, aber spannendes Drama, das in kleinen
Gesten eine große Wucht entfaltet.

