14 Jahre Haft für Pras Michel: Der tiefe Fall einer Hip-Hop-Legende
Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Fugees. Nun wurde er zu 14 Jahren Haft verurteilt.
Es ist ein kühler Donnerstagmorgen in Washington, D.C., als Prakazrel “Pras” Michel, einst gefeierter Creator des Soul-HipHop-Sounds des Trios Fugees, endgültig mit seiner jüngsten Vergangenheit konfrontiert wird.
Ein Bundesrichter hat den Rapper zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein hartes Verdikt, das für die Musikwelt ebenso schockierend wirkt wie für jene, die seine Karriere vom rasanten Aufstieg bis zu seinem abrupten Absturz verfolgt haben. Eine Sprecherin bestätigt das Urteil gegenüber dem US-amerikanischen Rolling Stone.
Warum Pras Michel verurteilt wurde
Damit setzt sich ein juristisches Drama fort, das bereits 2023 einen vorläufigen Höhepunkt hatte: Damals erklärte eine Jury Michel für schuldig – wegen Verschwörung, Geldwäsche und illegaler „Lobbyarbeit“. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von mehreren Jahrzehnten gefordert, während Michels Anwälte lediglich drei Jahre einräumten. Nun sind es immerhin 14, gefolgt von drei Jahren auf Bewährung. Obwohl seine Verteidiger Berufung gegen Urteil und Schuldspruch einlegen wollen, steht fest: Am 27. Januar 2026 muss sich Michel den Behörden stellen.
Seine Sprecherin Erica Dumas versucht weiterhin, Zuversicht zu bewahren. „Pras hat in seiner Karriere immer wieder Grenzen gesprengt“, sagt sie. „Das hier ist nicht das Ende seiner Geschichte. Die Unterstützung, die er jetzt erhält, bedeutet ihm viel.“ Worte, die wie das berühmte Pfeifen im Wald wirken, während sich die Schwere der erhobenen Vorwürfe über Michels Lebenswerk legt.
Klage der US-Regierung
Die Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 2019, als die US-Regierung den Musiker erstmals anklagte – wegen illegaler Wahlkampfspenden für Barack Obamas Wiederwahlkampagne 2012. Zwei Jahre später wurde die Anklage ausgeweitet: Bankenbetrug, das Verschweigen wesentlicher Informationen, versuchte Zeugenbeeinflussung, Verstöße gegen das FARA-Gesetz und die Tätigkeit als nicht registrierter Agent der Volksrepublik China.
Im Zentrum all dieser Vorwürfe steht Michels Verbindung zum malaysischen Geschäftsmann Low Taek Jho, der 4,5 Milliarden Dollar aus dem Staatsfonds „1MDB“ abgezweigt haben soll.
Die Ermittler behaupten, Michel habe geholfen, Gelder aus dem Fonds zu bewegen – und später an einer Lobby-Kampagne mitgewirkt, um die Trump-Administration dazu zu bringen, die Ermittlungen gegen Taek Jho einzustellen und auch einen chinesischen Dissidenten auszuliefern. Michel selbst zeigte sich im Interview mit dem amerikanischen Rolling Stone seinerzeit fassungslos über die Vorwürfe:
„Welchen Vorteil hätte ich davon, Gesetze zu brechen? Das ist es nicht wert für mich. Ich bin jetzt wie ein Paria. Manche meiner Freunde reden nicht mehr mit mir, weil sie glauben, ein Satellit höre uns ab.“
Seine Verteidigung wiederum sorgte nach dem Schuldspruch für ein Medienbeben: Michel forderte ein neues Verfahren, weil sein Anwalt David Kenner angeblich auf KI-generierte Plädoyers gesetzt habe – ein Vorwurf, den der zuständige Richter jedoch zurückwies.
Zu vorbelastet für ein Comeback mit den Fugees
Mitten in all dem juristischen Chaos erwachte 2023 kurzzeitig ein Hauch von Nostalgie. Eine kurze Fugees-Reunion ließ Fans weltweit aufhorchen, die Rückkehr einer der einflussreichsten Hip-Hop-Crews der Neunziger.
Doch bereits 2024 distanzierte sich Michel wieder von erneuten Projekten mit Lauryn Hill und Wyclef Jean – zu belastet war bereits sein Umfeld, zu turbulent die eigene Realität. Nun steht er erneut an einem Wendepunkt. Ob Michel jemals wieder an jene musikalische Magie anknüpfen kann, welche die Fugees weltweit erfolgreich gemacht hat, bleibt ungewiss.
Sicher ist nur: Seine nächsten Kapitel schreibt er nicht auf der Bühne, sondern hinter Gefängnismauern – im einsamen Kampf mit seiner eigene Version der Wahrheit.