Serie der Woche: „Down Cemetery Road“

Emma Thompson und Ruth Wilson wären genug, aber der verstörende Thriller hat noch mehr zu bieten

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Da ist Ruth Wilson als Sarah, die als Restauratorin einen Blick für all die Details hat, die andere übersehen, die aber im Umgang mit Menschen so unbeholfen ist, dass sie, wenn sie den Mann beschreiben soll, der in ihr Haus eingedrungen ist, vergisst, seine Hautfarbe zu erwähnen: „Ich dachte, das wäre irgendwie nicht angemessen.“ Und da ist Emma Thompson, die Zoë spielt, ein toughe Privatdetektivin mit schnittiger Frisur und coolem Mantel, die sich zynisch gibt, so tut, als ob sie alles weiß und alles gesehen hat – bis sie, als sie gerade im Bett eines Liebhabers aufgewacht ist, feststellen muss, dass sie viele, viele Anrufe verpasst hat.

Diese beiden Ausnahmeschauspielerinnen könnte man auch einen großen Quatsch spielen lassen, und sie würden daraus Kunst machen. Es ist trotzdem schön, dass „Down Cemetery Road“ eben kein Quatsch, sondern ein verstörender Thriller ist. Die Vorlage stammt von Mick Herron, dem Mann, der Jackson Lamb, River Cartwright und all die anderen in Ungnade gefallenen MI5-Agenten erfunden hat, die die Erfolgsserie „Slow Horses“ bevölkern. Dass sich Apple auch die Rechte an den Büchern der anderen Krimireihe Mick Herrons gesichert hat, in deren Mittelpunkt die Privatdetektivin Zoë Boehm steht, kommt nicht überraschend.

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Die Figuren in „Down Cemetery Road“ sind ähnlich spröde wie die in „Slow Horses“. Und auch hier lauern überall Verschwörungen, Geheimnisse und Tristesse: Nach einer an Antonionis „Blow Up“ erinnernden Bildbetrachtungsszene ist Sarah davon überzeugt, dass sich hinter einer spektakulären Explosion in einem verschlafenen Vorort Oxfords eine Entführung verbirgt. Eher widerwillig finden die beiden Frauen zusammen, legen sich erst mit der Polizei und bald mit weitaus mächtigeren Menschen an, die es gewohnt sind, Probleme einfach verschwinden zu lassen. Der Rest ist Schauspielkunst. (AppleTV+)