Grammys: Fab Morvan (Milli Vanilli) tritt gegen Dalai Lama an
Fab Morvan von Milli Vanilli tritt bei den Grammys 2026 gegen den Dalai Lama und Ketanji Brown Jackson an
Die Geschichte der modernen Musik ist voller Rivalitäten – freundlicher und weniger freundlicher Art. Die Beatles gegen die Rolling Stones. Britney gegen Christina. Iggy Pop gegen Hemden. Doch mit den diesjährigen Grammy-Nominierungen hat sich eine neue, geradezu absurde Fehde aufgetan. Fab Morvan von Milli Vanilli gegen den Dalai Lama und US-Verfassungsrichterin Ketanji Brown Jackson.
Jede Nominierungsliste der Grammys bringt einige überraschende Namen hervor – siehe Bernie Sanders’ oder Alex Trebeks Grammy-Seiten – doch die wohl unterhaltsamste Kategorie ist stets die für Best Audio Book, Narration, and Storytelling Recording.
Frühere Gewinner waren etwa Edward R. Murrow, Dudley Moore, zwei Burns (George und Ken), Betty White – und sage und schreibe zehnmal Jimmy Carter.
Fab Morvan gegen den Dalai Lama
In diesem Jahr lohnt es sich, nach den großen Musiker-Kategorien bis zu „Kategorie 70“ zu scrollen. Dort kämpfen Jackson und der Dalai Lama um die Grammy-Krone – gegen eine Hälfte des berüchtigten Pop-Duos der Neunziger.
Ketanji Brown Jackson ist mit ihren Memoiren „Lovely One“ nominiert, die laut „New York Times“ „tief persönlich und hoffnungsvoll“ seien. „Meditations: The Reflection of His Holiness the Dalai Lama“ kombiniert die Gedanken des Dalai Lama mit indischer Klassik sowie Stücken von Maggie Rogers und Rufus Wainwright. (Trevor Noah und Schauspielerin Kathy Garver komplettieren das Feld.)
Doch wenn jemand für Schlagzeilen sorgen wird, dann Fab Morvan mit seiner Autobiografie „You Know It’s True“. Die Grammy-Geschichte von Milli Vanilli ist berüchtigt. 1990 gewann das Duo den Preis als Best New Artist, der ihnen jedoch aberkannt wurde, als bekannt wurde, dass sie ihre Songs nicht selbst eingesungen hatten. (Rob Pilatus, der zweite Teil des Duos, starb 1998.)
Vom Skandal zur möglichen Erlösung
„Fab erlebte einen der dramatischsten und surrealsten Aufstiege der Musikgeschichte“, heißt es in der Buchbeschreibung. „Auf dem Höhepunkt des Ruhms, mit Nummer-eins-Hits und kreischenden Fans auf der ganzen Welt, brach alles zusammen.“
(Nebenbei bemerkt: Wenn ein Künstler einen Grammy gewinnt, ihn wieder verliert und später erneut gewinnt – gilt das dann als erster Grammy? ROLLING STONE ermittelt.)
Sollte Morvan tatsächlich gewinnen, wäre das der Höhepunkt einer bemerkenswerten Erlösungsgeschichte – vom Symbol des größten Musikskandals der Neunziger zum mahnenden Beispiel einer Industrie, die sich heute selbst mit KI-Stimmen und halbsynthetischen Songs konfrontiert sieht.
Produzent Jermaine Dupri brachte es vor der Nominierungsverkündung auf den Punkt: „Moment mal – Milli Vanilli verloren ihren Grammy, weil sie nicht selbst gesungen haben. Jetzt akzeptieren wir Songs, die von künstlichen Stimmen stammen? Wie ist das anders?“
Die Grammys also – man kann sich über sie lustig machen, so viel man will. Aber nur dort (und vielleicht in einem schlechten 90er-Jahre-Comedy-Act) kann ein Satz beginnen mit: „Ein in Ungnade gefallener Popstar, eine Richterin des Obersten Gerichtshofs und der Dalai Lama …“