Serie der Woche: „Welcome To Derry“
Das Prequel zu Stephen Kings "Es" verbreitet Angst und Schrecken - auf ungewöhnliche Weise ....
Ein von seinem Vater misshandelter Junge sitzt traumatisiert im Kino, nuckelt an einem Schnuller und kauert sich in seinem Sitz zusammen. Auf der Leinwand läuft „The Music Man“. Robert Preston singt gerade „Oh, we got trouble!“, und die blauen Flecken im Gesicht des Jungen verraten, dass auch er in sehr großen Schwierigkeiten steckt. Sein Albtraum beginnt aber erst richtig, als er ausreißt und frierend auf der einzigen Straße, die rausführt aus dieser scheinbar so putzigen Kleinstadt, in ein Auto steigt. Denn so leicht entkommt man Derry/Maine und Pennywise nicht.
Richtig: Derry ist die Stadt, in der Stephen Kings „Es“ spielt – jener Roman, der uns allen die Angst vor Clowns gelehrt hat. Andy Muschietti, Barbara Muschietti und Jason Fuchs, die auch für die beiden „Es“-Filme aus den Jahren 2017 und 2019 verantwortlich waren, inszenieren „Welcome To Derry“ als Prequel zum Buch. Und auch Bill Skarsgård ist wieder als Horrorclown Pennywise dabei. Diesem Monster, das sich von den Ängsten seiner Opfer ernährt, wollen Anfang der 1960er-Jahre sowohl der Stamm der Wabanaki als auch das Militär den Garaus machen. Aber am Ende sind es dann doch wieder Kinder, die sich dem in der Kanalisation hausenden Bösen entgegenstellen.
Auch wenn der Plot den Verdacht nahelegt, ist „Welcome To Derry“ keine bloße Sixties-Version von „Stranger Things“. Dazu sind die Splatter- und Ekelszenen zu explizit und die Charaktere der Kinder zu ungenau ausgearbeitet. Was die Serie aber gut macht, ist, wie sie dem übernatürlichen Grauen die alltägliche Brutalität gegenüberstellt: Da sind die schwarzen Soldaten, für die Rassismus allgegenwärtig ist, und da ist der Junge aus dem Kino, der, als er scheinbar doch Pennywise entwischt ist, auf keinen Fall zu seinem Vater will: „Ehe ich wieder nach Hause gehe, kehre ich lieber zurück in die Kanalisation.“ (Sky)