Madonna: „Bedtime Stories – The Untold Chapter“

Madonnas „Bedtime Stories“-Reissue: Hits und Langweiler, vereint auf einem Album

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Madonnas bereits vor vier (!) Jahren von ihrem Label angekündigte Riesenreissue-Reihe offenbart Planlosigkeit. Anstatt chronologisch alle Madonna-Alben zu veröffentlichen, erschienen bislang erratische, neu zusammengestellte Konzept-Werke. Eine Compilation mit Hits aus den Billboard-Dance-Charts sowie eine „Ray of Light“-Demoplatte mit schlechteren Versionen der Albumsongs. Nun also „Bedtime Stories“ mit dem Zusatz „The Untold Chapter“. Acht Remixe, die bescheiden als E.P. beworben werden. Aber als eigene, alternative LP-Version von „Bedtime Stories“ funktionieren würden.

Das Original erschien 1994 in einer für Madonna schwierigen Zeit. Für ihren „Sex“-Bildband wäre sie heute gefeiert worden (die „Selbstermächtigung“!). Anfang der Neunziger aber wurde sie fast dafür gecancelt. Und da war ihr schwachsinniger „Erotik-Thriller“ namens „Body of Evidence“ noch nicht mal erschienen. Nach einem Letterman-Interview voller Obszönitäten hatte man genug von ihr.

Mit 36 Jahren, einem Albumtitel zum Einschlafen und zwei Jahre vor ihrer Rolle im „Evita“-Musikfilm (und als Rollenvorbild für Lady Gaga) versuchte Madonna sich nun als Grande Dame der sanftmütigen Popmusik.

„Take a Bow“ – eine Nummer eins

„Bedtime Stories“ galt als Okay-Erfolg (Top 5 in den wichtigsten Ländern), aber für ihre Singles erhielt sie großen Respekt. Die Ballade „Take a Bow“ mit dem schönen Matador-Video und dem für Madonna geradezu unironisch unterwürfigen Ton würde für viele Jahre ihre letzte Nummer-eins-Single in den amerikanischen Charts sein.

„Secret“ zählt heute zu den Fan-Favoriten, innig auf Konzerten gefeiert, Madonna nimmt dann meistens auf einem Barhocker Platz („schwummrige Atmo“!); gleichzeitig das Lied, das den schlecht gealterten Clubswing-Sound der Produzenten Dallas Austin und Nellee Hooper am stärksten herausstellt.