Serie der Woche: „The Chair Company“
Ein normaler Tag in einem beliebigen Büro wächst sich zu einem absurden Thriller aus ....
Zunächst scheint es ein normaler Tag im Büro in einer beliebigen Kleinstadt in Ohio zu sein, aber dann … bricht William Ronald Trospers Stuhl zusammen, ausgerechnet auf einer Bühne, kurz nach einer großen Präsentation. Das wäre an sich noch keine Katastrophe, nur ein bisschen peinlich halt. Kennen wir alle. Doch Ron steckt das nicht so leicht weg, er dreht durch und will Gerechtigkeit oder wenigstens eine stabilere Sitzgelegenheit. Und damit beginnt eine große Verschwörungsgeschichte – oder etwas Ähnliches. Die Serie „The Chair Company“ muss sich nicht entscheiden zwischen Sitcom, Satire und Thriller, sie erlaubt sich einfach alles Mögliche.
Der HBO-Achtteiler von Tim Robinson („Saturday Night Live“) and Zach Kanin lebt vor allem von Robinsons Darstellung des Karrieristen Trosper – er sieht aus wie ein noch biederer Bill Gates, nichts an ihm wirkt überdurchschnittlich, und sogar seine Witze im Kollegenkreis klingen kalkuliert. Trospers Wut auf die Stuhl-Firma ist so lustig, weil sie dagegen so unverhältnismäßig wirkt – und so viele Irrwege und Paranoia nach sich zieht. Endlich etwas Aufregung im tristen Büro-Alltag! (Und wenn in den absurdesten Situationen plötzlich ein sanfter Song von Jim Croce ertönt, ist das natürlich ein geschickter Kontrast.)
Bald kommen Trospers Ehefrau Barb (Lake Bell) und Tochter Natalie (Sophia Lillis) bei aller Liebe nicht mehr mit, und auch diesen Konflikt zwischen relativer Vernunft und Wahnwitz stellt die Serie unterhaltsam aus, ein bisschen Mitleid fühlt man allerdings schon. Wenn dann auch noch Lou Diamond Phillips als schmieriger Motivator auftritt, fragt man sich doch: Ist nicht vielleicht die Angestellten-Welt an sich verrückt – und Trosper nur genauso krank wie sie? Just asking. (Sky)