Fleetwood Mac: Das „Stranger Things“-Paralleluniversum verhilft zum Comeback

Fleetwood Mac schaffen mit „Landslide“ 51 Jahre nach Veröffentlichung den Chart-Einstieg. Wie „Stranger Things“ und TikTok den Klassiker wiederbeleben.

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Fleetwood Mac erleben einmal mehr, wie zeitloses Songwriting in der Jetztzeit „neu“ entdeckt wird.Bereits vor über fünf Jahren sorgte ein scheinbar beiläufiges TikTok-Video für einen überraschenden Chart-Impuls: Der US-Amerikaner Nathan Apodaca filmte sich beim Skateboarden, Cranberry-Saft in der Hand, unterlegt mit Fleetwood Macs „Dreams“. Der Clip ging viral – und katapultierte den im Prä-Punk-Jahr 1975 veröffentlichten Song mehr als vier Jahrzehnte später erneut in die US-Billboard-Charts.

Nun wiederholt sich dieses Phänomen in abgewandelter Form. Nach der Verwendung von „Landslide“ im Serienfinale von „Stranger Things“ hat der Song erstmals den Sprung in die Billboard Hot 100 geschafft.

Das ist insofern bemerkenswert, als „Landslide“ seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Stücken von Fleetwood Mac zählt. Der Track hatte es bislang jedoch nie als Studioaufnahme in die offiziellen US-Single-Charts geschafft.

Stevie Nicks‘ autobiografische Momentaufnahme

„Landslide“, geschrieben von Stevie Nicks (die sich jetzt auf fette Royalties freuen darf), erschien erstmals 1975 auf dem selbstbetitelten Fleetwood-Mac-Album, das zugleich die Erfolgsbesetzung mit Nicks und Lindsey Buckingham einführte. Der Song gilt als autobiografische Momentaufnahme: Nicks reflektiert darin ihre berufliche Unsicherheit und private Umbrüche.

Ein Thema, das offenbar auch heutige Generationen anspricht.Eine Live-Version aus dem Jahr 1997 konnte zwar damals bereits erste Chart-Erfolge verbuchen. Doch erst 51 Jahre später erzielt die Originalaufnahme relevante Zahlen, freilich im damals noch nicht existenten Streaming-Sektor. Parallel dazu erlebt der Song auch auf dem Tanzvideo-Imperium TikTok eine neue Hochphase.

Zahlreiche Nutzer unterlegen persönliche, oft nostalgisch gefärbte Videos mit „Landslide“.Dass das Stück zudem immer wieder neu interpretiert wurde – unter anderem von The Chicks oder den Smashing Pumpkins – hat seinen Status als moderner Folk-Rock-Klassiker manifestiert.

Von „Dreams“ bis „Silver Springs“

Die aktuelle Wiederentdeckung fügt sich nahtlos in eine Reihe ähnlicher Revivals ein. Neben „Dreams“, das mehrfach durch Social-Media-Trends eine Frischzellenkur erfuhr, kursiert seit einiger Zeit ein Archiv-Video von Stevie Nicks, in dem sie „Silver Springs“ singt und dabei Lindsey Buckingham fixiert. Ein Moment, der aufgrund der pikanten Bandgeschichte besondere emotionale Wucht entfaltet und millionenfach auf TikTok geteilt wurde.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass sich der Hype nicht auf digitale Plattformen beschränkt. Das 1977er-Album „Rumours“ – entstanden in einer Phase persönlicher Spannungen und kreativer Höchstleistung – gehört weiterhin zu den meistverkauften Rockalben der Gegenwart und behauptet sich Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung in internationalen Charts.Fleetwood Mac profitieren damit von einem kulturübergreifenden Effekt: Serien, soziale Medien und Streaming-Dienste fungieren als neue Vermittler musikalischer Geschichte.

Für eine Band, deren zentrale Werke in den 1970er-Jahren entstanden, ist das weniger ein nostalgischer Rückblick als vielmehr der Beweis nachhaltiger Relevanz.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.