Grammys 2026: Warum Mode und Style die Musik oft überstrahlen
Stundenlang in der Garderobe: Auch dieses Jahr gab es bei den Grammys ein Schaulaufen der Musik-Stars. Dabei geht es um mehr als Style-Trends.
Die Verleihung der Grammys war am Sonntag (01. Februar) politischer als in den Jahren zuvor, Donald Trump und den Umtreiben der ICE-Truppen sei „Dank“.
Einmal mehr wurde auch deutlich: Der rote Teppich vor der Crypto Arena (vormals Staples Center) in Downtown Los Angeles ist mehr als ein Schaulaufen schöner und zumeist gesponserter Outfits. Er ist Bühne, Botschaft und Verlängerung der Musik selbst.
Zwischen High Fashion, bewusster Inszenierung und schrillen Performance-Momenten präsentierten sich viele Musiker und Musikerinnen mit extravaganten Klamotten, die so manch dünne Performance überstrahlten. Als hätten sie sich auf einen geheimen Dresscode geeinigt, betraten etwa das Soulster-Trio Pusha T, Malice und Pharrell Williams Seite an Seite den roten Teppich. Alle drei in perfekt geschnittenen, altrosa Samt-Anzügen. Der Look wirkte wie eine Reminiszenz auf die großen Soul-Formationen der 1960er und 1970er. High Fashion trifft auf Crew-Energie und von der Foto-Meute hundertfach abgeschossen wurde.

Justin Bieber: Red-Carpet-Klassik trifft auf Performance-Provokation
Justin Bieber lieferte gleich zwei der meist diskutierten (Anti-)Fashion-Moment. Auf dem Teppich zeigte er sich zunächst überraschend klassisch: ein schwarzer Anzug von Balenciaga, reduziert und elegant, perfekt abgestimmt auf Hailey Bieber, die in einer dramatischen schwarzen Alaïa-Robe erschien. Auf der Bühne dann der Bruch: Bieber spielte den Song „Yukon“ hemdlos, lediglich in Boxer-Shorts und Socken. Ob er wohl eine Vereinbarung mit seinem Tattoo-Studio hatte. Jedenfalls ein minimalistischer Anti-Look, der Social Media noch im selben Moment rotieren ließ.

Und Lady Gaga!? Sie bleibt „die Künstlerin, die Mode erzählt“, so das Magazin „Esquire“. Draußen vor der Tür erschien sie in einem schwarzen Feder-Couture-Etwas von Designer Matières Fécales – eine skulpturale Gothic-Glamour-Komposition aus Textur, Dunkelheit und Bewegung.
Der Look war weniger Kleid als Inszenierung, mehr Kunstobjekt als Outfit. In ihrer Performance setzte sie dieses, wie sagt man so schön, Narrativ fort: Eine schwarzer Gehstock wurde zum Requisit der Fürstin der Finsternis, mit dem sie dem Zeitgeist die Flossen klopfte.
Spektakulär: Laufey
Einen Kontrapunkt dazu setzte die isländische Soul-Jazz-Lady Laufey. In einem lila Flapper-Dress von Miu Miu, verziert mit funkelnden Kristallen und ergänzt durch farblich abgestimmten Lidschatten, changierte zwischen Weimarer Republik und Jazz Age. Ohne dabei nostalgisch zu wirken, wie die Fachpresse anerkennend vermerkte.

Natürlich gab es auch kernig-grundsolide Rocker-Kluft, wie beim Tribute to Ozzy Osbourne, standesgemäß weggebrettert von Post Malone, Chad Smith, Andrew Watt und „Gunner“ Slash.