Ofarim-Anwalt: Aber „bei Tötungsdelikten ist die Empörung gleich null“
„Kollektive Dauervernichtung ist pervers“: Alexander Stevens verteidigt Gil Ofarim mit drastischen Vergleichen. Auch Ofarim sei „Opfer eines Lynchmobs“. Kommentiert hat auch ein BossHoss-Musiker.
Noch immer scheint Deutschland zweigeteilt: Ist es in Ordnung, dass Gil Ofarim das Dschungelcamp 2026 gewonnen hat? Hat er für seine Falschbeschuldigung gegen den Westin-Grand-Mitarbeiter ausreichend gesühnt?
Im Camp deutete Ofarim eine mögliche Ungerechtigkeit an, da das Hotelvideo mit ihm angeblich nicht alles zeige. Den Fall können Sie hier nachlesen. Mittlerweile hat sich auch Markus W., den Ofarim fälschlicherweise des Antisemitismus bezichtigt hatte, zu Wort gemeldet.
In einem Interview mit der „Zeit“ beschreibt W. erstmals die massiven persönlichen Folgen der falschen Antisemitismus-Vorwürfe aus dem Jahr 2021. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass Ofarim den Fall erneut infrage stellt.
Hotelmitarbeiter spricht über die Folgen
„Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin“, so W.„Es macht mich fassungslos“, sagt W. Verschiedene Gutachter hätten die Echtheit der Videoaufnahmen bestätigt. Ein „Schweigedeal“, wie von Ofarim angedeutet, existiere nicht. Das Einzige, was ihm untersagt sei, sei „die Unwahrheit über mich zu wiederholen“.
Das Interview macht deutlich, wie stark die Anschuldigungen W. persönlich trafen: Morddrohungen, Polizeischutz, soziale Isolation und die Angst um seine berufliche Existenz.
Ofarims Anwalt meldet sich zu Wort
Auch Alexander Stevens, der Gil Ofarim vertrat, meldet sich auf Instagram regelmäßig zu Wort – vor allem, seit Camp-Bewohnerin Ariel Hedinger Ofarim als „Verbrecher“ bezeichnet hat. ROLLING STONE verwies als erstes Medium darauf, dass sich Ariel mit dieser Aussage möglicherweise strafbar macht.
Alexander Stevens hat am heutigen Dienstag (10. Februar) auf Instagram einen in Versalien gehämmerten Kachel-Aufsatz zum Thema Sühne und Gerechtigkeit vorgelegt, der bisweilen an Whataboutism grenzt. Der Rechtsanwalt zieht wuchtige Vergleiche: „Während wir uns kollektiv an einem Fall abarbeiten, der Jahre zurückliegt, bleiben schwerste Verbrechen aktuell ohne öffentlichen Aufschrei.“ Und: „Während des Dschungelcamps 2026 gab es allein in Deutschland etwa 40 Tötungsdelikte. Der öffentliche Diskurs und die Empörung darüber: gleich null. Ca. 100 Mörder werden in Deutschland jährlich entlassen, einige davon ohne jegliche Reue für ihre Opfer. Wen interessiert das? Niemanden.“ Öffentliche, kollektive Dauervernichtung sei „pervers“ und „zivilisatorisch regressiv“.
Medien und Öffentlichkeit merken an, dass Gil Ofarim sich während seines Camp-Aufenthalts als Opfer inszeniert habe. Auch dazu hat Alexander Stevens eine Meinung: Gil Ofarim habe sich entschuldigt und er stehe weiterhin dazu. „Denn ja, der Hotelmanager ist Opfer einer Straftat geworden, das steht außer Frage. Aber auch Gil Ofarim ist Opfer geworden, und zwar eines Lynchmobs, der eine rechtsstaatliche Entscheidung nicht akzeptiert und digitale Selbstjustiz übt.“
Die Kommentare unter dem Posting verdeutlichen die unterschiedlichen Auffassungen. Es gibt Zuspruch und Widerspruch zur Einschätzung des Juristen. Ein prominenterer, kluger Kommentar stammt von BossHoss-Musiker Alec Völkel: „Es geht explizit nur um seinen eigenen Umgang damit. Das ist es was viele wirklich irritiert.“