Gorillaz
„The Mountain“ – Grenzenlos
Kong/The Orchard (VÖ: 27.2.)
Eine eindrucksvolle Expedition mit Damon Albarn in höhere Sphären.
Das Ende ist nicht das Ende, und die Stimmen der Verstorbenen singen aus dem Grab. Zwischen Leben und Tod, zwischen hier und dort, gibt es keine Grenze, sondern eine Brücke. Vielleicht erreicht man die über den titelgebenden „Mountain“. Die vier Cartoonfiguren der Gorillaz sind jedenfalls – wie vor ihnen die Fab Four – nach Indien gepilgert, um auf den Berg zu steigen und die Brücke zu finden. (Im grauen England lässt sich nicht so gut transzendieren wie im farbenfrohen Varanasi.) Sie sind dort auf Anoushka Shankar getroffen, auf die Brüder Amaan und Ayaan Ali Bangash, deren Sitar-, Flöten- und Tabla-Klänge das Album eröffnen und seine epische, psychedelische Größe markieren.
Eine eindrucksvolle musikalische und thematische Expedition
Bald sprechen die Toten – Bobby Womack, Mark E. Smith, Tony Allen – zu den Lebenden. Und doch kann ihre Abwesenheit nicht geleugnet werden: „The hardest thing is to say goodbye to someone you love.“ Die Reise führt von Indien in die Levante, nach „Damascus“, wo in kultureller Fusion mitreißend getanzt wird und der syrische Sänger Omar Souleyman auf Yasiin Bey aka Mos Def aus Brooklyn trifft – zweifellos der Gipfel des Berges.
Eine beeindruckende Gruppe aus internationalen Artists also, die Damon Albarn, das Mastermind hinter den Cartoonfiguren, hier wieder einmal zusammenführt. Diese Vielfalt, diese Freude am kulturellen Austausch, gepaart mit der thematischen Größe dieser epischen Reise, geht ein bisschen auf Kosten der Kohärenz und der Klarheit – einen „Happy Dictator“ gibt es auch noch sowie einen „Sweet Prince“ und einen „Plastic Guru“ –, und ein, zwei Banger mehr hätten sicher nicht geschadet. Dennoch: Eine eindrucksvolle musikalische und thematische Expedition, an deren Ende man auf den traurigen Schöpfer, den „Sad God“, trifft. Er habe uns alles gegeben – und was haben wir daraus gemacht?
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.