Atze Schröder rechnet mit Gottschalk ab: Das steckt dahinter

Warum Atze Schröder sagt, Gottschalks Problem liege an dem, was er denkt – und wie Schröder selbst dem Klischee des alten weißen Komikers entkam.

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Seit seinem endgültigen Abschied aus dem TV-Rampenlicht ist Thomas Gottschalk, der Mitte Mai 76 Jahre alt wird, im wohl verdienten Ruhestand. Dennoch bleibt er auch aus dem Off ein Thema in der Popkultur und Medienszene.

Etwa bei der Comedy-Figur Atze Schröder, die mittlerweile seit drei Jahrzehnten ihr Unwesen treibt – als liebenswerter Proll aus dem Ruhrpott. Der aus dem münsterländischen Emsdetten stammende Hubertus Albers (60), so sein Taufname, hat selbst erlebt, wie sich Humor und gesellschaftliche Sensibilitäten im Laufe der Zeit verändert haben.

In einem Gespräch mit der Kölner WDR-Moderatorin Bettina Böttinger im Podcast „Zwischen den Zeilen“ sprach der Dauerwellen-Comedian über den Umgang seiner Generation mit diesem Wandel. Dabei nahm er auch Kollegen Thomas Gottschalk ins Visier.

Albers alias Schröder führt aus, dass sich einige ältere Unterhaltungskünstler schwer damit tun, den gesellschaftlichen Ton der Gegenwart zu akzeptieren. „Klar sagen einige, man dürfe nicht mehr sagen, was man denkt. Unter anderem Thomas Gottschalk – wo man dann selbst für sich denkt: Vielleicht liegt es daran, was du so denkst“, sagte er. Er bezog sich dabei auf die zahlreichen Debatten, die „Tommy“ in den vergangenen Jahren ausgelöst hatte, etwa über „politische Korrektheit“ oder „gesellschaftliche Sensibilität“.

Ende 2025 zog sich der bayerische Multi-Entertainer aus der Öffentlichkeit zurück, um sich auf seine Genesung von einer komplexen Krebserkrankung zu konzentrieren.

Bewusster Abschied vom alten Material

Im Gespräch mit Böttinger ging es auch um die Frage, wie Schröder selbst verhindert hat, zum Sinnbild des „alten weißen Mannes“ zu werden. Der Comedian erklärte, dass er sich bewusst von einem Teil seines früheren Materials verabschiedet habe.

„Wenn ich jetzt die ganzen Sprüche von früher noch kloppen würde wie vor 25, 30 Jahren, dann wäre ich der älteste weiße Komiker, den es überhaupt nur gibt“, sagte er. Dem Zeitgeist habe er sich zwar nie „gebeugt“, aber immer interessiert beobachtet: „Und wie uninteressant wäre mein Job, wenn ich immer die alten Kamellen weitermachen würde.“

Rau und empfindlich zugleich

Auch über den aktuellen gesellschaftlichen Ton sprachen die beiden. Böttinger stellte fest, dass Comedy heute sensibler mit Themen umgehe, während die Gesellschaft insgesamt rauer wirke. Schröder formulierte das Spannungsfeld so: „Auf der einen Seite wird es super rau, auf der anderen Seite sehr empfindlich.“

Für ihn als Comedian sei genau das Teil der Arbeit: „Es macht mir Spaß, auf solche Sachen einzugehen und mal so den Finger in den Wind zu halten, wie die Gesellschaft gerade so tickt.“

Im Rückblick räumte Schröder ein, dass seine frühere Sitcom „Alles Atze“ sinngemäß RTL-Schnee von gestern sei. „Bei manchen Szenen würde ich heute auch sagen: Das mache ich nicht“, erklärte er. Bei einigen Sketchen „gäbe es einen Aufschrei – zu Recht“.

Gleichzeitig betonte er, dass seine Malocher-Bühnenfigur immer bewusst mit Klischees gearbeitet habe: „Darum ging es ja immer in meiner öffentlichen Figur, dass ich allerlei Dinge aufs Korn nehmen wollte.“

Auch andere Branchenstimmen meldeten sich zuletzt kritisch über Gottschalks Umgang mit gesellschaftlichen Debatten. So sagte Moderatorin Barbara Schöneberger über den langjährigen Showmaster, er sei in manchen Situationen eben „nicht gut beraten“ gewesen.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.