Bad Bunnys erstes Konzert in Asien war ein triumphaler Hit-Marathon
Benito landete in Japan für die vierte Ausgabe von Spotifys „Billions Club“ – und bewies einmal mehr, wie global der „Tití Me Preguntó“-Hitmaker längst ist.
Über 13.000 Kilometer von Bad Bunnys historischer 31-Show-Residency in San Juan, Puerto Rico entfernt, bewies Benito in Japan einmal mehr seinen globalen Superstar-Status – mit einem intimen, nur auf Einladung zugänglichen Showcase seiner Streaming-Schwergewichte beim vierten Live-Event von Spotifys „Billions Club“.
Vor weniger als 2.000 seiner größten Fans plus einigen Dutzend VIPs – Blackpinks Lisa war während „Dákiti“ kaum zu bremsen, und der Gegenwartsküntler Takashi Murakami hatte die Hände öfter in der Luft als an seiner Seite – arbeitete sich Benito von Hit zu Hit und begeisterte die Menge im Tipstar Dome Chiba, rund eine Stunde östlich von Tokios Shibuya Crossing.
Insgesamt hat Bad Bunny 29 Songs, die auf Spotify die Milliarden-Marke geknackt haben – aber für Benito geht es längst nicht nur um Zahlen: „Muchos números, pero no son números. Sino personas con las que he conectado a través de todos estos años con mi música, entonces por eso estamos aquí con ustedes“, sagte er dem Publikum und betonte, dass hinter jedem Stream eine Verbindung zu einem Menschen steckt, die er durch seine Musik geknüpft hat.
Kirschblüten statt La Casita
Auf der Bühne tauschte Benito ein Rosa gegen ein anderes: Statt der La Casita – jenem hausförmigen Bühnenelement im Stil eines traditionellen puerto-ricanischen Hauses, das auf seiner aktuellen Tour zum Markenzeichen geworden ist – flankierten zwei mächtige Kirschblütenbäume die Hauptbühne. Als die Lichter erloschen und das Intro von „EoO“ aus den Boxen dröhnte, brach auf dem Hallenboden eine Party los, die noch lange nach Bad Bunnys 90-minütigem Set anhielt. Wie der Star selbst spielte auch das Publikum die Hits: Überall pavas (traditionelle geflochtene Strohhüte), Puerto-Rico-Fahnen über den Schultern, und aus allen Ecken der Arena brachen spontane Tanzkreise auf.
Beim mitreißenden „Baile Inolvidable“ – dem Salsa-Highlight von „Debí Tirar Más Fotos“ – begannen ein Mann im aquablauen Jumpsuit und eine Frau im schwarzen Anzug miteinander zu tanzen, vollführten sogar ein, zwei Drehungen. Die beiden, offenbar völlig Fremde, umarmten sich anschließend und kehrten zu ihren jeweiligen Gruppen auf der Tanzfläche zurück. Die Kraft von Bad Bunny.
Gelegentlich schien Benito das Publikum zu necken: Mit breitem Grinsen fragte er „¿quieres más?“ und lobte die Menge dafür, dass sie immer noch so viel Energie hatte. Die ersten Akkorde von „Tití Me Preguntó“ erklangen aus den Boxen – und brachen dann jäh ab, was die Menge in einen Freudentaumel versetzte, während Bad Bunny vom Mittelpodium der Bühne aus das Chaos genoss. Endlich setzte der Song ein, violettes Licht tauchte die Kirschblüten auf der Bühne ein, während orange und blaue Lichtstrahlen über die aufgewühlte Menge tanzten.
Tokyo auf dem Rücken
Benito tanzte, lief und wiegte sich die kurze Catwalk-Verlängerung der Bühne rauf und runter – in einem weißen Hemd mit breiten Manschetten (fast wie eine Dichterbluse), Weste und Hose. Später tauschte er die Weste gegen eine Jacke, auf deren Rücken „Tokyo“ in japanischen Schriftzeichen stand: „東京“.
Bad Bunnys Verbindung zur SalsaMusic, vor allem im Zusammenhang mit „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“, ist inzwischen gut dokumentiert. Vor gut einem Jahr sprach er mit ROLLING STONEs Julyssa Lopez über die Entstehung von „BAILE INoLVIDABLE“ und Salsamusik: „Es ist ein Traum, der wahr wird, weil ich diesen Song so lange im Kopf hatte. Den Synth, den man am Anfang hört, habe ich zum ersten Mal gehört, als ich [mein 2022er Album] ‚Un Verano Sin Ti‘ machte, und ich dachte: ‚Das ist ein Salsasong.’“
Im Tipstar Dome Chiba in Tokio legte Bad Bunny noch einen drauf. Zum allerersten Mal performte er seinen 2018er Hit „MIA“ – ursprünglich eine Kollaboration mit Drake – in einer Salsa-Version.
Botschaft der Einheit
Knapp einen Monat zuvor stand Benito mit seinen Hits auf einer anderen Bühne, vor einem weitaus größeren Publikum: jenseits des Pazifiks beim Super Bowl LX. Bevor er den finalen Refrain lieferte, predigte er ähnliche Botschaften wie damals in Santa Clara, Kalifornien – von Zusammenhalt, Einheit und Liebe.
„No pierdan su tiempo en lo negativo. No pierdan su tiempo haciéndole caso a comentarios de personas que no te conocen, sé tú mismo, sin importar lo que digan los demás, no“, sagte Benito dem Publikum und rief alle dazu auf, sie selbst zu sein und Kritiker zu ignorieren, die sie nicht kennen.
Zum Abschluss des Abends performte Bad Bunny eine eindrucksvolle Version von „DtMF“ – ein würdiger Schlusspunkt für die Feier der globalen Reichweite eines außergewöhnlichen Künstlers, von einer Insel in der Karibik zu einer anderen im nördlichen Pazifik. Die Schwere des Moments schien auch Bad Bunny selbst zu berühren: Er ließ sich bei mehreren Pausen Zeit, das Publikum, den Abend und die Errungenschaften auf sich wirken zu lassen, die 29 seiner Songs die Milliarden-Marke auf dem Streamingdienst beschert haben.
Tanz ohne Angst, Tokio
„Este show se trata de la unión de Puerto Rico con Tokio y todos los latinos que estamos aquí“, sagte Bad Bunny und rief das Publikum auf, ohne Hemmungen zu tanzen: „Baila sin miedo, Tokio.“
Auf dem Weg nach draußen bestaunten Dutzende Fans Benitos Spotify-Milliarden-Streams-Plaketten, die im Tipstar Dome Chiba ausgestellt waren – und schossen dabei so viele Fotos mit ihren Liebsten, dass es den Hitmaker hinter „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ stolz gemacht hätte.