Jack White vs. Taylor Swift: Wie schätzt er ihre Qualitäten ein?

Jack White wehrt sich gegen aus dem Kontext gerissene Zitate: „Ich habe nicht gesagt, dass ich Taylors Musik ‚langweilig' finde.“

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Jack White veröffentlichte Montagabend ein Statement auf Instagram, nachdem zahlreiche Medien seine Aussagen in einem Interview mit dem Guardian aus dem Kontext gerissen hatten. Im Gespräch über Lyrik und Songwriting erwähnte White seine Musikerkollegin Taylor Swift und deren Art zu schreiben – und erklärte seinen eigenen Ansatz beim Erzählen von Geschichten in der Musik. Online-Portale rahmten seine Worte jedoch als Kritik an der „Tortured Poets“-Künstlerin ein, vor allem durch Schlagzeilen, die sich schnell im Netz verbreiteten.

„Ich stelle das für einen Tag online und nehme es dann wieder runter, nur um die Sache zu begraben“, schrieb White in dem inzwischen gelöschten Post. „Ich habe nicht gesagt, dass ich Taylor Swifts Musik ‚langweilig‘ finde oder was auch immer für Clickbait das Netz gerade zusammenzukratzen versucht. Was ich in einem Interview über Lyrik und Poetik sagen wollte, war, dass es für MICH überhaupt nicht interessant ist, in meinen eigenen Texten und Gedichten über MICH SELBST zu schreiben – weil es für MICH repetitiv sein könnte, immer über mich selbst zu schreiben, und weil es für die Menschen, die meine Musik hören, uninteressant sein könnte, das zu vertiefen. Imaginäre Figuren sind für mich als Autor einfach attraktiver.“

White erkannte außerdem den „enormen Erfolg“ von Swift und anderen Songwritern an, die ihren eigenen Prozess haben, und betonte, dass allein „weil ich sage, dass ich eine bestimmte Arbeitsweise habe, das nicht bedeutet, dass ich denke, dass ALLE es genauso machen sollten“. Er fügte hinzu: „Sie sollten tun, was für sie funktioniert. Und das tun sie, und es spricht offensichtlich viele Menschen an, und das freut mich zu hören.“

Das Original-Zitat im „Guardian“

Auf die Frage des Guardian in einem am Sonntag erschienenen Artikel, ob einer seiner Songs vollständig autobiografisch sei, antwortete White: „Nicht wirklich. Inzwischen ist es sehr populär geworden, auf die Taylor-Swift-Art Pop-Sänger zu sein, die über alle ihre öffentlich ausgetragenen Trennungen schreiben – das finde ich überhaupt nicht interessant. Ich finde es ein bisschen langweilig, über mich selbst zu schreiben.“

White erläuterte weiter: „Selbst wenn ich einen wirklich interessanten Tag hatte, habe ich den ja schon erlebt – ich muss ihn nicht jedes Mal wieder durchleben, wenn ich diesen Song singe. Wenn etwas wirklich schmerzhaft ist, werde ich dieses wichtige, schmerzhafte Erlebnis nicht da draußen irgendeinem Idioten im Internet zum Zertrampeln hinwerfen. Also packe ich einen gewissen Anteil davon in das, was ich mache, und verwandle es in den Charakter von jemand anderem. Ich kann wirklich nur etwas über mich selbst lernen, wenn ich es in die Schuhe von jemand anderem stecke.“

In seinem Statement vom Montag sagte der Rock and Roll Hall of Fame-Inductee, dass ihn das „Zeitalter dieser massiven Nachfrage nach Clickbait und Content“ zunehmend „immer weniger an Interviews interessiert“ habe lassen. Jedes „Fünkchen an etwas Interessantem“ könne als Drama genutzt und „als Köder ausgespuckt werden“, so White weiter – was ihn dazu bringe, „keine Fragen mehr mit irgendwelcher Romantik, Leidenschaft oder Reflexion beantworten zu wollen, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt bin, mir Sorgen zu machen, versehentlich solchen Unsinn auszulösen wie diesen hier von sogenannten ‚Journalisten‘ und ‚Redakteuren‘.“

Whites Kritik am Clickbait-Journalismus

Er beendete seine Reaktion auf die Welle von Kritik nach dem Interview mit den Worten: „Das war schon immer ein Problem, weil es Künstler dazu ermutigt, auf jede Frage ‚sichere‘ Antworten zu geben, und künstlerische Vision und Vorstellungskraft erstickt und uns alle dazu drängt, nichts Interessantes zu teilen – was übrigens einer der Punkte war, den ich über das Privat-Halten privater Dinge in demselben Interview gemacht habe. Aber ja. Content.“

White veröffentlichte kürzlich „Jack White: Collected Lyrics & Selected Writing Volume 1“, eine Sammlung von Texten aus seinen Solo-Aufnahmen, darunter „No Name“, „The Raconteurs“ und mehr, plus ausgewählte Gedichte und Texte von White sowie Essays des Dichters Adrian Matejka.

Charisma Madarang schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil