Hegseth führt Krieg gegen Fotografen, die schlechte Bilder von ihm machen

Währenddessen soll eine vorläufige Untersuchung ergeben haben, dass die USA für den Bombenangriff auf eine iranische Grundschule verantwortlich sind.

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Pressefotografen wurden offenbar von Pentagon-Pressekonferenzen ausgesperrt, nachdem Mitarbeiter von Pete Hegseth sich über unvorteilhafte Fotos des Verteidigungsministers geärgert hatten. Das Büro des notorisch eitlen Kabinettsmitglieds – ein ehemaliger Fox-News-Moderator, der sich kurz nach seiner Bestätigung ein Haar- und Make-up-Studio im Pentagon einrichten ließ – hat eigentlich Wichtigeres zu tun, allen voran der Krieg in Iran und, vielleicht, die Grundschule dort, die die USA offenbar bombardiert haben.

Einem Bericht der „Washington Post“ vom Mittwoch zufolge wurden Pressepoolfotografen am 4. und 10. März von Briefings ausgeschlossen, nachdem sie Bilder aufgenommen und veröffentlicht hatten, die Quellen als „unvorteilhaft“ für Hegseth beschrieben. Die „Post“ merkte an, dass das Weiße Haus es abgelehnt habe, die Entscheidung zu kommentieren. Das Weiße Haus widersprach – Deputy Press Secretary Anna Kelly teilte eine E-Mail-Antwort an die Zeitung mit einem themenfremden Seitenhieb auf die jüngsten Entlassungen von über 300 Journalisten bei dem Blatt –, lieferte aber keine tatsächliche Antwort auf die Frage der „Post“ zur Sorge um Hegseths öffentliches Bild.

Hegseth und das Pentagon führen derzeit eine chaotische Offensive gegen Iran, die auf weite Teile der Golfregion übergegriffen hat und die globalen Finanzmärkte erschüttert.

Schule bombardiert, Verantwortung unklar

Am Mittwoch berichtete die „New York Times“, dass eine vorläufige Militäruntersuchung eines mutmaßlichen „Double Tap“-Bombenangriffs auf eine Mädchengrundschule, bei dem im Süden Irans mindestens 175 Menschen getötet wurden, die Vereinigten Staaten als verantwortlich identifiziert hat. Unabhängige Untersuchungen der „Times“, von BBC Verify und der Canadian Broadcasting Corporation kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass die Angriffe wahrscheinlich amerikanischen Ursprungs waren. Sie sollen mit zwei Tomahawk-Raketen durchgeführt worden sein – amerikanische Produkte, die nur an eine kleine Auswahl von Verbündeten verkauft werden.

Trotz einer Fülle von Informationen, die darauf hindeuteten, dass die Schule infolge veralteter oder falscher Geheimdienstinformationen von den USA getroffen wurde, hatte Trump eine eigene Erklärung parat: Iran habe sich selbst bombardiert. In einem Interview an Bord der Air Force One am Wochenende sagte Trump zu Reportern, „basierend auf dem“, was er gesehen habe, sei es „von Iran durchgeführt worden. Sie sind sehr ungenau mit ihren Munition.“ Hegseth, der ebenfalls an Bord war, sagte, das Pentagon „untersuche“ die Sache.

Am Montag wurde Trump von Reportern gedrängt, zu erklären, wie er zu dieser Schlussfolgerung gelangt sei – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die beim Angriff eingesetzte amerikanische Munition Iran gar nicht zur Verfügung stehe. Trump ruderte zurück, aber nur minimal, und sagte, er wisse einfach „nicht genug darüber. Das ist etwas, von dem mir gesagt wurde, dass es untersucht wird.“ Das Weiße Haus ergänzte später, Trump werde die Ergebnisse einer Untersuchung des Vorfalls „akzeptieren“.

Trump: „Ich weiß nichts davon“

Als die „Times“ am Mittwoch über die vorläufigen Ergebnisse der Pentagon-Untersuchung berichtete, sagte Trump, er wisse nichts davon. Der Austausch verlief so:

Reporter: Ein neuer Bericht besagt, dass eine Militäruntersuchung zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es die USA waren, die die Schule in Iran getroffen haben. Übernehmen Sie als Oberbefehlshaber die Verantwortung?

Trump: Wofür?

Reporter: Für einen Angriff auf eine Schule in Iran.

Trump: Ich weiß nichts davon.

Hegseths Umgang mit Zivilisten

Hegseth hat sich zu den Erkenntnissen aus seinem eigenen Ministerium noch nicht geäußert, schimpfte aber Anfang des Monats auf Reporter im Pentagon, die „den Präsidenten schlecht dastehen lassen“ wollten, indem sie über amerikanische Kriegsopfer berichteten und Fragen dazu stellten. Einem Bericht von „Politico“ zufolge hat Hegseths Auflösung des Civilian Protection Center of Excellence – einer 200-köpfigen Abteilung, die einen derart schwerwiegenden Fehler mit zivilen Opfern untersucht hätte – zum schlampigen Umgang des Pentagons mit der Offensive beigetragen.

Am Dienstag sagte Hegseth Reportern, „keine Nation treffe mehr Vorkehrungen, um sicherzustellen, dass Zivilisten niemals ins Visier genommen werden, als die Vereinigten Staaten von Amerika.“ Der Verteidigungsminister und seine Mitarbeiter scheinen mehr Energie in den Schutz seines öffentlichen Images zu stecken als in den Schutz amerikanischer Soldaten und iranischer Grundschüler.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil