Wireless Festival abgesagt: Kanye West scheitert am Visum
Das dreitägige Festival sollte im Juli stattfinden – nun ist es nach der Einreisesperre für Kanye West Geschichte.
Das Wireless Festival, das in diesem Sommer im Londoner Stadtteil Finsbury Park stattfinden sollte, wird nicht mehr ausgetragen – nachdem dem Headliner Kanye West ein britisches Visum verweigert wurde. „Infolge des Einreiseverbots des Home Office für YE in das Vereinigte Königreich war das Wireless Festival zur Absage gezwungen“, heißt es in einem Statement auf den Social-Media-Kanälen des Festivals. „Alle Ticketkäufer erhalten automatisch eine vollständige Rückerstattung.“ Die Regierung habe entschieden, dass ein Auftritt von West, der in den vergangenen Jahren wiederholt antisemitische Äußerungen gemacht hatte, dem öffentlichen Wohl nicht zuträglich sei, berichtete die BBC.
Das Wireless Festival war für den 10. bis 12. Juli geplant. West, der zuletzt vor elf Jahren in Großbritannien aufgetreten war, sollte an allen drei Festivalabenden als Headliner auftreten. Weitere Acts waren noch nicht bekanntgegeben worden, jedoch wurde eigens die Website YeWireless.com eingerichtet, um Informationen für den Vorverkauf zu sammeln, der am Dienstag gestartet war.
Vertreter von West und dem Wireless Festival reagierten zunächst nicht auf eine Anfrage des ROLLING STONE.
Wests Entschuldigungsoffensive
Im Januar startete West mit einer ganzseitigen Anzeige im „Wall Street Journal“ eine Entschuldigungsoffensive für sein vergangenes Verhalten. „Ich schulde erneut eine große Entschuldigung für alles, was ich gesagt habe und das insbesondere die jüdische und die schwarze Community verletzt hat“, hieß es darin. „Das alles ist zu weit gegangen.“ Die Anzeige sollte den Weg für ein Comeback ebnen – und für Wests Album „Bully“, das im März erschien. „In gewisser Weise ist es sein bisher menschlichstes Album, insofern als es beweist, dass selbst Sterne, die so hell leuchten wie Ye, mit der Zeit zu verblassen beginnen“, schrieb der ROLLING STONE in seiner Rezension. Trotz mangelnder Qualität und Wests fragwürdigem Verhalten debütierte das Album auf Platz zwei der „Billboard“-Charts.
Am 2. April versuchte West mit einem Konzert in Los Angeles sein Comeback auf der Bühne – eine Performance, die laut ROLLING STONE von Pannen geprägt war. Zudem plante er Konzerte in Mexiko und Frankreich.
Als das Wireless Festival angekündigt wurde, verurteilte Londons Bürgermeister Sadiq Khan Wests Headliner-Booking. „Wir sind der klaren Meinung, dass die vergangenen Äußerungen und Handlungen dieses Künstlers beleidigend und falsch sind und schlicht nicht die Werte Londons widerspiegeln“, sagte ein Sprecher Khans am 1. April gegenüber dem ROLLING STONE. Die Buchung löste auch scharfe Kritik vom Jewish Leadership Council, dem Sänger und Schauspieler Benjamin Haim-Isaac sowie dem Schauspieler David Schwimmer aus.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
„Es ist zutiefst beunruhigend, dass Kanye West trotz seiner früheren antisemitischen Äußerungen und seiner Verherrlichung des Nationalsozialismus für das Wireless Festival gebucht wurde“, erklärte der britische Premierminister Keir Starmer am 5. April. „Antisemitismus in jeder Form ist abscheulich und muss überall, wo er auftritt, klar und entschieden bekämpft werden. Jeder trägt Verantwortung dafür, dass Großbritannien ein Ort ist, an dem sich jüdische Menschen sicher und geborgen fühlen.“ Pepsi zog sich daraufhin als Sponsor zurück.
Melvin Benn, der das Wireless Festival leitet, bezeichnete Wests Antisemitismus als „abscheulich“, bat jedoch alle Empörten darum, „etwas Vergebung aufzubringen“. West bot daraufhin an, sich mit Londons jüdischer Gemeinschaft zu treffen. „Wenn ihr offen dafür seid, bin ich da“, sagte er in einem Statement. Wenige Stunden später wurde das Festival abgesagt.