Hiss Golden Messenger

„I’m People“

Chrysalis (VÖ: 1.5.)

Überbordende Americana auf der Suche nach Verbindung.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

In der Mitte landet das Album bei Seneca. Hiss-Golden-Messenger-Kopf MC Taylor zitiert den antiken Philosophen nicht in der sämig-süffigen Westcoast-Ballade „Seneca (Time Is A Mother, Baby)“. Vielmehr soll er einfach für einen Songwriter stehen, der sich selbst verloren hat und „Who owns the world I was given?“ fragt. Wie allein man sein kann, zumal in einer Zeit, die auch politisch die Isolation forciert, ist eine Frage, die Taylor auf „I’m People“ weiterhin umtreibt, von Josh Kaufman in Woodstock produziert, mit prominenten Gästen wie Sam Beam, Bruce Hornsby oder den Goldsmith-Brüdern (Dawes). Fast lustig variiert er das Thema im Titelsong, der eine Handleserin bemüht, die ihm bescheinigt, er sei „in solitary flight, you may be the first true unknown“.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Auch schaut Taylor erkenntnisreif zurück. „Last Orders“ rekapituliert die Zeit, da er die Gibson SG in einer Teenage-Hardcore-Band schwang – um verblüfft festzustellen, dass er im Prinzip immer noch in diesem Universum zu Hause ist. „Mercy Avenue“ ist reiner Seventies-Van-Morrison-Pastiche und gedenkt seiner Oma Lucy, die bis weit über die 70 im Disneyland Hotel bediente. „Lucy’s living in her Cadillac, it smells like ‚Slow Hand‘.“ Gemeint ist der Conway-Twitty-Song, nicht Eric Clapton.

Anfangs überfällt einen diese Platte mit einem Fade-in, vor lauter Impetus, „In The Middle Of It“ sein zu wollen. Ein Highway-Song, high auch von sich selbst. Die California-Reminiszenz „Shaky Eyes“ macht sich auch über Jesus keine Illusionen mehr. „You got nothing to match my nothing“, resümiert MC Taylor. Wie gut, dass er allerhand parat hat, um dem Nichts zu trotzen – und nicht nur mit „Alright And Then Some“ jene zu ermutigen, deren „softness“ ein Geschenk sei, „that they don’t want you to believe in“.