„The Testaments – Die Zeuginnen“: Perfide Frömmigkeit, kühle Optik

Auch die Fortsetzung von „The Handmaid's Tale“ wirkt wie ein Stillleben – mit ein bisschen Hoffnung

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Am Ende geistert Miley Cyrus’ Stimme durch den alt-J-Song „Hunger Of The Pine“: „I’m a female rebel“, singt sie, während auf einem Brief, der nach Kanada geschmuggelt wurde, der Satz steht: „Nothing can be more powerful than a teenage girl!“ Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren im religiös-fundamentalistischen Staat Gilead, in den sich die USA in Margaret Atwood dystopischen Romanen „Der Report der Magd“ (1983) und „Die Zeuginnen“ (2019) verwandelt hat. Das wäre auch im wirklichen Leben ein Trost, weil Trumps Amerika dem totalitären Regime, das sich Atwood ausgedacht hat, immer ähnlicher wird.

Bruce Miller, der schon Showrunner der Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ (2017-2025) war, hat sich jetzt auch der Adaption der Fortsetzung angenommen. „The Testaments – Die Zeuginnen“ spielt 15 Jahre später: Im autokratischen Gottesstaat, in dem die weibliche Fruchtbarkeit das höchste Gut ist, hat sich Agnes mit ihrem Schicksal abgefunden, lässt sich feiern, als sie ihre erste Periode bekommt, feuert mit all den anderen Eliteschulen-Mädchen enthemmt die Folterer an, als einem jungen Mann, der sich unsittlich verhalten haben soll, ein Schauprozess gemacht wird. Doch dann trifft Agnes auf die Konvertitin Daisy, die jenseits der Grenzen Gileads aufgewachsen ist – und die nicht die ist, die sie vorgibt zu sein.

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Was „The Testaments“ so sehenswert macht, ist, dass hier, wie schon in „The Handmaid’s Tale“, eine ganz außergewöhnliche cleane Ästhetik erschaffen wird. Wenn von Repression und Widerstand erzählt wird, ahmt die Serie mit ihrer Vorliebe für geometrische Muster, symmetrischen Bildaufbau und Einstellungen, die wie Stillleben wirken, mit ihrer klaren, kühlen Optik perfide die puritanische Frömmigkeit der Welt nach, in der sie spielt. (Disney+)