ESC 2026 Wien: Eurovision Village, Kontroversen und Ausblick
Der ESC 2026 in Wien startet mit dem Eurovision Village am Rathausplatz. „Choke Me“, Israels Beitrag und ESC Asia – alle Themen im Überblick.
Der ESC 2026 nimmt eine Woche vor dem ersten Halbfinale Fahrt auf. Vom 10. bis 17. Mai verwandelt sich der Platz vor dem markanten Rathaus an der Ringstraße in das „Eurovision Village“ – eine bunte Zone, die als Treffpunkt für Fans aus aller Welt dient, mit Gastronomie und Programm bei freiem Eintritt.
Neben täglichen Veranstaltungen locken vor allem die Public Viewings der beiden Halbfinals am 12. und 14. Mai sowie das Finale am 16. Mai auf großen Leinwänden. Den Auftakt bildet die „Opening Ceremony“ am Sonntag, dem 10. Mai, mit dem traditionellen „Turquoise Carpet“: dem türkisen Teppich, auf dem die Delegationen vom benachbarten Burgtheater zum Rathausplatz ziehen.
Die Tageszeitung „Die Presse“ titelt: „Man wird dem Song Contest nicht entkommen.“
Würge-Sex oder „erdrückende Liebe“
Musikalisch und inhaltlich sorgt der diesjährige Wettbewerb bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff. Besonders Rumäniens Beitrag „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu steht seit einiger Zeit in der Kritik. Aktivisten werfen dem Song vor, sexuelle Strangulation zu romantisieren – eine nicht ungefährliche Praxis, wie der tragische Tod von INXS-Sänger Michael Hutchence im Jahr 1997 gezeigt hat.
Die Sängerin selbst widerspricht und betont, es gehe vielmehr „um die Intensität einer überwältigenden Liebe“. Konsequenzen seitens der European Broadcasting Union (EBU) blieben bislang aus. Aktuell flaut die Debatte im allgemeinen Aufbau-Rummel etwas ab.
Israel: Mehr als ein Herzschmerz-Popsong?
Weniger grell, aber nicht minder kontrovers ist der Beitrag aus Israel. Nach zwei politisch aufgeladenen Balladen rund um das Hamas-Massaker 2023 setzt Noam Bettan mit „Michelle“ diesmal auf einen gewöhnlichen Herzschmerz-Popsong – so könnte man meinen.
Eine Analyse des Textes legt jedoch nahe, dass zwischen den Zeilen weit mehr mitschwingen könnte. Das mehrsprachige Liebeslied mit Beatles-Songtitel-Verweis behandelt Themen wie Identität und europäische Kultur. Geschrieben von einem Team um Yuval Raphael, wird das Werk trotz persönlicher Anfeindungen gegen den Interpreten in den Medien „als hoffnungsvoller Beitrag in einem politisierten Umfeld verstanden“. Dennoch wird es wieder massive Proteste und Buh-Rufe gegen die Teilnahme Israels am ESC geben.
Georgien: Bienen-Nostalgie und ein Comeback
Für nostalgische Gefühle sorgt Georgien: Das Trio Bzikebi, das 2008 den Junior Eurovision Song Contest mit einem legendären Auftritt in gelb-schwarzen Bienenkostümen gewann, kehrt zurück. Mit „On Replay“ wollen sie nun auch beim großen ESC punkten. Ob ihnen das gelingt, bleibt abzuwarten – traditionell ist Georgien beim Junior-Format erfolgreicher als bei den Erwachsenen.
Blick nach Asien: Eurovision Song Contest Asia
Während Europa sich auf Wien konzentriert, richtet sich der Blick nach Asien: Mit dem geplanten Start des Eurovision Song Contest Asia am 14. November in Bangkok könnte ein lang gehegter Plan Realität werden. Zehn Länder, darunter die Philippinen, Südkorea und Vietnam, haben bereits zugesagt.
Welche Auswirkungen dieser Wettbewerb auf die ESC-Landschaft haben wird – auch auf „alternative“ Formate wie Wladimir Putins „Intervision“-Contest – bleibt eine spannende Frage im internationalen Schlager-Kosmos.