Glen Matlocks Doku „I Was a Teenage Sex Pistol“ erzählt seine Version der Punk-Geschichte

Der Sex-Pistols-Bassist präsentiert seine Sicht auf die Entstehung des britischen Punk – ab 26. Mai auf digitalen Plattformen verfügbar.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Vier Jahre nachdem Gitarrist Steve Jones gemeinsam mit Regisseur Danny Boyle die Geschichte der Sex Pistols in der FX-Miniserie „Pistol“ aus seiner Perspektive erzählte – mit einem eher lockeren Verhältnis zu den Fakten – hat Gründungsbassist Glen Matlock nun mit den Regisseuren Andre Relis und Nick Mead zusammengetan, um die Geschichte der Band so zu erzählen, wie er sie erlebt hat. Das Ergebnis ist der neue Dokumentarfilm „I Was a Teenage Sex Pistol“.

Der Film enthält neue Interviews mit Matlock, Jones, Sex-Pistols-Schlagzeuger Paul Cook, Billy Idol, Debbie Harry und vielen weiteren Schlüsselfiguren der Punk-Szene. Ab dem 26. Mai ist er auf digitalen Streaming-Plattformen zum Kaufen oder Leihen erhältlich. Vorbestellungen starten am 12. Mai auf Apple TV. In einem exklusiven Clip spricht Matlock über das Co-Writing von „God Save the Queen“.

„I Was a Teenage Sex Pistol“ basiert lose auf Matlocks gleichnamigen Memoiren von 1996. „Das Buch entstand als eine Art Verarbeitung der Nachwirkungen des ersten Ruhms der Sex Pistols – und als Möglichkeit, damit umzugehen, dass ich mich in der Musikgeschichte übergangen fühlte“, sagt er in einem Statement. „Es erzählt von meinem Beitrag zur Band, ohne den die Gruppe meiner Überzeugung nach nie diesen Erfolg gehabt hätte. Es geht um Geschichten hinter den Kulissen, um interne Machtkämpfe und Intrigen, und darum, als junger Mann in dem Strudel, der sich da zusammenbraute, überhaupt Gehör zu finden.“

Matlocks Seite der Geschichte

„Im Film helfen mir eine ganze Reihe von Weggefährten und Zeitgenossen, meine Sicht der Dinge zu vermitteln“, fährt er fort. „Die Band hat sich seitdem in verschiedenen Konstellationen neu formiert, und jetzt, da ich wieder dabei bin, fühle ich mich mehr als ein bisschen rehabilitiert. Als ich damals den Prozess des Aufschreibens dieser frühen Tage durchmachte, entwickelte sich eine Art kathartisches Selbstbewusstsein, das mir half, die Dinge einzuordnen und zu sehen, wohin das führen könnte. Für alle, die sich für die Geburt des britischen Punk und seinen Einfluss auf die damalige Musikszene interessieren, würde ich sagen: Das muss man gesehen haben – aber das würde ich natürlich sagen!“

Matlock war an einem Großteil des Materials für das 1977er Album „Never Mind the Bollocks! Here’s the Sex Pistols“ beteiligt – das einzige reguläre Studioalbum der Gruppe –, wurde jedoch gefeuert, bevor die Band den Großteil davon aufnahm. Er ist nur auf „Anarchy in the UK“ zu hören. Die FX-Serie „Pistol“ zeichnet ihn als privilegiert und vom echten Punk-Geist entfremdet. Außerdem zeigt sie, wie Jones ihn auf Betreiben von Manager Malcolm McLaren auf der Toilette eines Pubs rauswirft.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Laut Matlock war das eine grobe Verfälschung der Wahrheit. Er hat stets behauptet, selbst die Entscheidung getroffen zu haben, die Band zu verlassen – zermürbt von den endlosen Auseinandersetzungen mit John Lydon und McLaren. „Ich habe Danny Boyle erzählt, was wirklich passiert ist, und er hat mich komplett ignoriert“, sagte Matlock 2025 gegenüber ROLLING STONE. „Vielleicht ist das keine große Sache, aber für mich ist es wichtig. Das Ganze wirkt wie eine Art Quasi-Dokumentation, und die Leute werden es nicht besser wissen.“

Jones verteidigt Boyles Version

Jones versteht Matlocks Standpunkt durchaus. „Glen und ich haben darüber gesprochen, aber er wird damit nie zufrieden sein“, sagte der Gitarrist 2025 zu ROLLING STONE. „Ja, er kam ein bisschen wie ein Sündenbock rüber, schätze ich. Danny Boyle wollte das so, aber ich war zufrieden damit, weil es um mein Buch ging, und ich fand es großartig. Schau: Das ist kein Dokumentarfilm. Das ist ein Biopic.“

Nun ja – „I Was a Teenage Sex Pistol“ ist ein Dokumentarfilm. Nur sollte man kein neues Interview mit Lydon erwarten. Er hat sich vollständig von seinen ehemaligen Bandkollegen entfremdet, die heute mit dem Punkmusiker Frank Carter an der Spitze auf Tour gehen. Pläne für eine US-Tournee wurden im vergangenen Jahr verschoben, nachdem Jones sich das Handgelenk gebrochen hatte. Inzwischen ist er aber wieder fit, und im Herbst kommen sie in die Staaten.

Andy Greene schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil