Olaf Schubert über „LOL“, Humor und den Mythos „Olaf Jagger“
Olaf Schubert spricht über „LOL“, Humor, politische Erwartungen und den Mythos rund um „Olaf Jagger“.
„LOL: Last One Laughing“ geht in die siebte Staffel – und mit Olaf Schubert ist erneut einer der gefährlichsten Nicht-Lacher der Show dabei. Der Dresdner Humorist gehört mittlerweile zu den Veteranen des Formats und weiß genau, wie man Kollegen an den Rand des Zusammenbruchs bringt, ohne selbst die Fassung zu verlieren. „LOL: Last One Laughing“ Staffel 7 läuft bei Prime Video. Die neue Staffel ist am 14. Mai 2026 gestartet. Wir trafen Olaf Schubert zum Gespräch.
Wer war in „LOL“ bisher dein härster Gegner?
Ich würde sagen, es sind zwei: Teddy Teclebrhan und Thorsten Sträter. Die treffen mein Humorzentrum am härtesten. Die gehen sozusagen richtig rein. Man kennt das ja aus der Schule: Ich darf eigentlich nicht lachen und dann erzählt einer aber irgendwas oder irgendein Lehrer sagt genau das – und dann geht das bis ins Mark und man muss sich zusammenreißen, nur dass es eben leider nicht immer funktioniert. Und so ist das bei den beiden. Die wissen irgendwie, wie es geht.
Zu deinem Konzept gehört die unfreiwillige Lustigkeit. Glaubst Du, es ist schwieriger, damit andere zum Lachen zu bringen, als wenn man, wie etwa Otto, ständig hampelt?
Ich glaube, im Endeffekt macht halt jeder das, was er am besten kann – und versucht irgendwie damit irgendjemanden zum Lachen zu kriegen. Und man versucht natürlich selber auch noch, trotz des Nichtlachen-Dürfens, Spaß dabei zu haben. Denn wenn man den nicht hätte, würde man ja bei „LOL“ nicht teilnehmen! Für mich ist das immer so etwas wie ein großer Kindergeburtstag, wo man glücklicherweise eingeladen ist und man darf dort irgendwelchen Blödsinn machen. Also ja: Das ist eine dankenswerte Veranstaltung.
Humor unter Hochspannung
Welche Art von Witz bringt dich am meisten zum Lachen?
Das sind immer die unverhofften, also irgendwas, womit man nicht rechnet. Der Witz, den man nicht kommen sieht, ist sozusagen immer der gefährlichste. Denn wenn man die Pointe schon kommen sieht, dann kann man sich ja darauf vorbereiten und kann sich wappnen und kann in Deckung gehen.
Was ist deine Taktik für diese „LOL“-Staffel?
Die Taktik ist stets dieselbe: dass ich mir vornehme, so lustig zu sein wie möglich und – in den entsprechenden Stimmungen – so ernst eben auch wie möglich. Was Besseres ist mir bis jetzt nicht eingefallen.
Die Veteranenrunde bei „LOL“
Gibt es eigentlich irgendjemanden bei „LOL“, vor dem Du Angst hast, wenn der mitmacht, weil der zu lustig ist? Oder gibt es irgendjemanden, mit dem Du unbedingt gerne mal zusammenarbeiten würdest, der bisher noch nicht dran war?
Da gibt es schon einige, die ich gerne nochmal begegnen würde. Wer fällt mir da spontan ein? Ich bin zum Beispiel leider noch nie Kurt Krömer begegnet, der war immer dabei, wenn ich nicht dabei war. Helge Schneider dürfte auch gerne mal teilnehmen.
Was war das Witzigste für dich bisher in „LOL“?
Das ist natürlich schwierig zu beantworten – die Sendung geht ja immer sechs Stunden, das ist eine ewige Zeit. Aber für mich sehr lustig fand ich meist so diese kleinen Spiele. Also ich erinnere mich, einmal haben wir Scharade gespielt. Und das ging so absurd schnell hin und her, dass man sich wirklich konzentrieren musste. Dann als es darum ging, verschiedene Synonyme für Geschlechtsverkehr zu finden – das war mit Hazel Brugger und Caroline Kebekus – das fand ich auch sehr lustig. Da gibt es viele Highlights.
Humor kennt kaum Tabus
Gibt es irgendetwas, über das Du kategorisch keine Witze machen würdest?
Nichts Kategorisches. Aber wie heißt es so schön? Bei Bedarf einfach mal Klappe halten.
Warum wolltest Du eigentlich Komiker werden?
Das war bei mir anders geplant. Eigentlich hatte ich eine Band und habe Schlagzeug gespielt, und wir wollten alle Rockstars werden. Wir wollten die neuen Rolling Stones oder sowas sein. Aber das hat dann eben nicht so geklappt. Unsere Musik wollte niemand hören. Aber bei unseren Auftritten habe ich dann am Schlagzeug kurz was erzählt. Am Anfang waren das bloß so ein, zwei Sätze, dann wurde das eine Minute, dann wurden das fünf Minuten. Und dann irgendwann hat Bernd Stephan, der Chef der Band, gesagt: Ich rufe jetzt an in Dresden in so einem Club und du machst das jetzt den ganzen Abend. Da habe ich gesagt: Hilfe! Aber dann hatten wir uns was ausgedacht und unseren ersten Auftritt gleich vor vielleicht 300 Leuten. Wir dachten: Das ist eine gute Mischung, da machen wir mal so weiter.
Der Mythos „Olaf Jagger“
Das Interessante an deiner Kunstfigur „Olaf Jagger“ ist ja, dass sich das als urbaner Mythos auch etabliert hat. Manche halten es für glaubhaft, dass Mick Jagger der Vater von Olaf Schubert ist.
Olaf Jagger war ja nicht meine Idee, sondern die Idee der Drehbuchautorin Heike Fink. Und ich habe so gedacht, naja, klingt ja eigentlich ganz schräg — aber wer soll sich dafür interessieren? Aber wie es so ist, es war Corona, wir hatten Zeit und dann haben wir uns mit Freude in das Projekt gestürzt. Die Reaktion hat mich doch eher erstaunt. Es hätte mich nicht gewundert, wenn alle nach einer Viertelstunde aus dem Kino rausrennen und sagen würden: Was ist denn das für eine Grütze. Aber ich glaube, das ist die Kraft der Bilder oder die Intensität so einer Suggestion. Wenn man nur felsenfest genug irgendwas behauptet, wird sich schon irgendwas verfangen. Das ist faszinierend und erschreckend zugleich.
Du bist seit Ende der 90er ein Comedian. Wie geht man mit der Erwartungshaltung um, dass jemand, der aus Dresden kommt, auch die politische Situation so reflektiert, dass man sich äußert – gegen die AfD etwa?
Ich bin Humorist — und insofern ist es meine Aufgabe, die Dinge humoristisch anzugehen. Ansonsten hätte ich, sage ich mal, Politiker werden sollen. Schubert bleib bei deinen Leisten! Der Hochspringer soll ja auch hochspringen und nicht plötzlich weit springen. Das, was ich da sagen will, habe ich als Humorist gefälligst in Humor zu packen.
Zwischen Unterhaltung und Haltung
Du hast mal gesagt: „Ich sage nur, was die Leute hören wollen.“ In deinem Programm geht es auch mal um Trump und dann um das E-Auto. Gehst Du aktiv auf Themensuche: Das bewegt die Gesellschaft?
Der ganze Satz geht so: Manche unterstellen mir, ich sei populistisch, aber da sage ich: nein. Ich sage nur das, was die Leute hören wollen. Und – wie sagt man so schön – Konflikte bieten ja immer Humorpotenzial. Mein Bestreben ist aber weniger, Öl ins Feuer zu gießen, auch wenn polarisieren leichter ist, als Leute wieder ein bisschen zusammenzuführen. Das heißt ja nicht, dass man sich armumlegend fraternisieren muss, aber gewisse Dinge von unterschiedlichen Seiten beleuchten holt ja schon mal mehr Leute ab, als immer nur die gleichen aus einer Richtung. Also wenn Menschen trotz unterschiedlicher Ansichten in einer Veranstaltung mal wieder gemeinsam lachen, kann das ja nicht schaden.