Spotify-Universal-Deal zeigt: Labels sehen die Zukunft von KI-Musik darin, Fans mit ihrem Katalog spielen zu lassen
Universal Music Group und Spotify entwickeln gemeinsam ein KI-Tool, mit dem Fans Covers und Remixe ihrer Lieblingssongs erstellen können.
Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Major-Labels dem Aufstieg KI-generierter Musik begegnen, indem sie ihn umarmen und monetarisieren – Fans sollen sorgfältig kontrollierte Versionen der Technologie nutzen dürfen, um Variationen von Songs zu erstellen, die den Labels gehören. Dabei hoffen sie, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Der jüngste Beleg dafür ist ein gerade angekündigter Deal zwischen dem weltgrößten Musikkonzern Universal Music Group und Spotify, um „ein neues Tool zu launchen, mit dem Fans Covers und Remixe ihrer Lieblingssongs von teilnehmenden Künstlern und Songwritern erstellen können“.
Die Strategie, die das Werk von Künstlern im Grunde zu einer Art digitalem Knetmasse-Spielzeug macht, wurde Ende letzten Jahres erstmals sichtbar: Universal und Warner Music einigten sich damals jeweils außergerichtlich mit dem KI-Dienst Udio und schlossen Vereinbarungen zur Entwicklung eines Abonnementdienstes mit eben solchen Song-Morphing-Funktionen. Der Spotify-Deal überträgt dieses Modell nun auf die meistgenutzte Streaming-Plattform – und wie bei den vorangegangenen Ankündigungen betonte Universal, dass Künstler selbst entscheiden können, ob ihre Songs Teil davon werden.
Ein Starttermin für das Tool steht noch nicht fest, doch laut der Ankündigung soll es ein „kostenpflichtiges Add-on für Spotify-Premium-Abonnenten“ werden, an dessen Erlösen teilnehmende Künstler und Songwriter beteiligt werden. Spotify-Co-CEO Alex Norström erklärte in einem Statement, das Produkt basiere auf „Einwilligung, Anerkennung und Vergütung“ für alle beteiligten Künstler und Songwriter. Universal-Chairman und CEO Sir Lucian Grainge bezeichnete die Initiative als „konsequent künstlerzentriert und in verantwortungsvoller KI verwurzelt“.
Wertvolle Daten als Nebeneffekt
Udio-CEO Andrew Sanchez wies gegenüber ROLLING STONE 2025 darauf hin, dass diese Deals auch wertvolle Daten liefern könnten. „Vielleicht bin ich ein Country-Sänger, aber die Leute versuchen, mich für Hip-Hop zu nutzen“, sagte Sanchez. „Das ist großartig. Vielleicht will ich genau das aufgreifen.“
Michael Nash, Universals Chief Digital Officer, erklärte ROLLING STONE 2025, das Ziel des Unternehmens im Bereich KI sei es, „das Gespräch auf die Künstler zu fokussieren, ihre Rechte und Interessen zu verteidigen und von dieser Grundlage aus die kreativen und kommerziellen Möglichkeiten zu entwickeln“. Als Beleg für die Nachfrage nach den Diensten, die das Unternehmen aufbaut, verwies er auf Studien, wonach ein großer Teil der auf Social Media hochgeladenen Musik „beschleunigt, verlangsamt, zusammengemischt oder geremixt“ worden sei.
Künstler, die sich für diese Modelle entscheiden, „werden die Möglichkeit haben, mit Fans auf einer Plattform in Kontakt zu treten, auf der sie enormen Einfluss auf die Parameter dieser Interaktion haben – und dann eine erhebliche wirtschaftliche Beteiligung“, sagte er, „im Gegensatz zur aktuellen Situation, in der es keine Kontrolle und kaum wirtschaftliche Beteiligung gibt“.
Klagen gegen Suno laufen weiter
Die Urheberrechtsklagen von Universal und Sony Music gegen den populärsten KI-Musikdienst Suno sind weiterhin anhängig. Warner Bros. einigte sich im November außergerichtlich mit Suno.