Kim Gordon in Paris: Grandios, kompromisslos, großartig

Kim Gordon begeistert im Pariser Théâtre Le Trianon. arte überträgt das Konzert: Sonic-Youth-Legende mit „Play Me“ auf der Bühne. Jetzt kostenlos ansehen.

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Auch mit 73 Jahren denkt Kim Gordon nicht daran, sich in ein lauschiges Landhaus in den Hamptons zurückzuziehen.

Ganz im Gegenteil. Mitte April 2026 spielte sie ein gefeiertes Konzert im Pariser Théâtre Le Trianon – eine Art Fake-Schlösschen im Nachtleben-Viertel Pigalle.

Neben Songs aus den früheren Soloalben „The Collective“ und „No Home Record“ präsentierte Kim Gordon erstmals das neue Opus „Play Me“ in voller Länge. Das Konzert wurde vom französisch-deutschen TV-Sender arte mitgeschnitten und ist ab sofort in der Mediathek abrufbar.

Kompromisslos, souverän, großartig

Ein eindrucksvolles Dokument aus Gordons aktueller musikalischer Schaffensphase. Auf der Bühne wurde sie von Emily Retsas (Bass), Madi Voigt (Drums) und Sarah Register (Gitarre) begleitet. Über einen Auftritt in London schrieb der britische Observer: „Man vermisst Sonic Youth an diesem Abend überhaupt nicht. Diese Kim-Gordon-Version ist kompromisslos, souverän und schlicht großartig.“

Im Sommer 2026 führt Kim Gordon ihre Live-Shows zunächst in Nordamerika fort.

„Play Me“: Politisch, persönlich, körperlich

„Play Me“, Gordons drittes Soloalbum, erschien im März. Auf eigene Art setzt sie sich darin mit den „Deformationen durch die Milliardärs-Klasse“ auseinander: dem Abbau demokratischer Strukturen, technokratischem Endzeit-Faschismus und einer durch KI befeuerten Plattmachung der (Sub-)Kultur.

Schwarzer Humor trifft auf die Absurditäten der Gegenwart. Trotz dieses politischen Blicks bleibt es eine persönliche Angelegenheit – eine emotionale, körperlich getriebene Jam-Session. Das letzte Album erweitert zudem die klangliche Bandbreite um melodischere Beats, wie die Single-Kopplung „Not Today“ zeigt.

Vier Shows, große Wirkung

Bei ihrer letzten Europa-Stippvisite machte sie sich rar. Ganze vier Shows waren es: Neben London, Brüssel und Berlin schaute sie zum arte-Gig in der französischen Hauptstadt vorbei.

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Im Jahr 2011, nach 30 Jahren intensiver Band- und Ehearbeit, trennten sich Sonic Youth bekanntlich infolge der Scheidung von Gordon und Mastermind Thurston Moore. Das ikonische Paar der US-Post-Punk-Szenerie war history.

Seitdem verfolgen die Mitglieder verschiedene Soloprojekte. Der charakteristische Gordon-Stil bleibt dabei erhalten.

Frankreich als Herzensdestination

Frankreich wurde für Gordon in den letzten Jahren zu einer Art Herzensdestination. Nach einem Auftritt im Bois de Vincennes beim „We Love Green“-Festival 2024 sowie einer Show im Élysée Montmartre im Oktober desselben Jahres – anlässlich des 25. Jubiläums des Festivals Les Femmes s’en Mêlent – folgte nun der Triumph aus dem Herzen von Pigalle.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.