Linkin Park: Ihr Konzert in Hamburg zeigt, wie mächtig sie geworden sind

Gebietsschutz-Klauseln gelten nicht für Linkin Park. Warum die Band trotz Rock-am-Ring-Headliner-Status weitere Konzerte in Deutschland spielen darf.

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Die Auftritte von Linkin Park im Hamburg Volksparkstadion (1. und 3. Juni) zeigen, wie lebhaft die Konzertsaison in deutschen Großarenen ausfällt. Erst Metallica, nun der nächste US-Rockgigant.

Eine lange Freiluft-Musik-Saison liegt vor uns. Der Liga-Fußball endete früh im Jahr. Danach werden Stadion-Kapazitäten frei – Städte konkurrieren um Event-Bookings. Die Bundesliga-Saison startet erst wieder Ende August.

Wenn die Kalifornier heute in Hamburg die Bühne betreten, schließt sich damit ein Kreis. Aus der Band, die Anfang der 2000er-Jahre auf deutschen Festivals noch am hellen Nachmittag am „Katzentisch“ spielte, ist ein internationaler Headliner geworden.

Die Stimme ist eine andere als damals, doch viele Songs sind geblieben. Ein großer Teil des Publikums dürfte die Nu-Metal-Crossover-Truppe seit ihren ersten europäischen Auftritten begleiten.

Gebietsschutz-Klauseln gelten nicht für Linkin Park

Die neu gewonnene Größe von Linkin Park zeigt sich nicht nur in ihren Solo-Shows. Viele Festivals vereinbaren mit Headlinern strenge Gebietsschutz-Klauseln. Diese sogenannten „Radius Clauses“ verhindern, dass ein Headliner weitere Konzerte in derselben Region – oder sogar bundesweit – gibt. Dies soll Ticketverkäufe sichern.

Für Linkin Park gelten nun andere Regeln. Die US-Band schaut zeitnah auch in anderen deutschen Städten vorbei, obwohl sie bei Rock am Ring und Rock im Park als Headliner figuriert. Zum Solo-Doppel-Konzert im Norden kommen noch zwei Shows in München hinzu.

Das unterstreicht die enorme Nachfrage und zeigt: Linkin Park hat heute eine Position erreicht, die es ermöglicht, Bedingungen zu stellen. Für Fans eine gute Nachricht – statt quer durchs Land zu reisen, können sie mehrere Möglichkeiten nutzen. Deutschland zählte schon früh zu den wichtigsten Märkten der Band.

Sieben Jahre Stille, dann ein spektakuläres Comeback

Nach dem Tod von Sänger Chester Bennington im Jahr 2017 zog sich Linkin Park weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. In den Folgejahren erschienen zwar Jubiläums-Alben, ein Best-of-Album sowie 2024 die Single „Friendly Fire“, die aus den Aufnahmen zu „One More Light“ stammte. An ein Comeback als aktive Band glaubten viele Fans jedoch nicht mehr.

Das änderte sich am 5. September 2024: Bei einem vielbeachteten Auftritt in Los Angeles präsentierte sich Linkin Park erstmals seit sieben Jahren wieder live. Am Mikrofon die neue Sängerin Emily Armstrong, die zuvor bei der Rockband Dead Sara tätig war. Sie stellte die neue Single „The Emptiness Machine“ vor. Das Comeback-Album „From Zero“ wurde angekündigt.

Neben Armstrong gehört nun Schlagzeuger Colin Brittain zur festen Besetzung. Originalmitglieder bleiben Mike Shinoda, Joe Hahn, Dave Farrell und Brad Delson. Delson konzentriert sich auf Studioarbeit und wird bei Konzerten von Alex Feder vertreten.

Armstrong kam laut Mike Shinoda nicht über ein klassisches Casting zur Band. Vielmehr entwickelte sich die Zusammenarbeit organisch über Jahre hinweg. Bereits 2019 hatten Shinoda und Armstrong gemeinsam Musik gemacht, später stießen auch die übrigen Bandmitglieder dazu. Mit Schlagzeuger Colin Brittain kam zudem ein weiterer Neuzugang, nachdem Gründungsmitglied Rob Bourdon sich zurückzog.

Gezielte Marketing-Kampagne für die Rückkehr

Im Vorfeld des Comebacks lief eine komplexe Marketing-Kampagne. So spielten sie im November 2024 ihre neue Single „Heavy Is The Crown“ beim „League of Legends World Championship“ in der Docklands Arena in London. Das Event war Mercedes gesponsert.

Neben dem Zusatzverdienst bei dieser Gaming-Weltmeisterschaft hatte das Management wohl auch neue, jüngere Zielgruppen im Visier. Die musikalische und geschäftliche Metamorphose zeigt sich seit heute im Stadtteil Stellingen.

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Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.