Trumps Social-Media-Ausraster werden immer schlimmer

Der Präsident flüchtet sich in Truth Social und seine Bauprojekte – während die Lebenshaltungskrise wächst und der Irankrieg weitergeht.

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Donald Trump steckt gerade in der Klemme. Die Lebenshaltungskrise drückt seine Zustimmungswerte in den Keller, das Konzert zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit droht zu platzen, und der Krieg gegen den Iran läuft weiter – obwohl der Präsident immer wieder beteuert, ein Abkommen zur Beendigung des Konflikts stehe unmittelbar bevor.

Dem ist ganz offensichtlich nicht so. Der Iran soll am Montag die Gespräche mit den USA ausgesetzt haben. „Das ist mir wirklich egal, ich könnte nicht weniger interessiert sein“, reagierte Trump und fügte hinzu, er finde die Verhandlungen mittlerweile „sehr langweilig“.

Wie Trump das alles persönlich verarbeitet, bleibt unklar. Einerseits scheint es ihm wirklich, aufrichtig egal zu sein. Andererseits – nun ja, man scrolle einmal durch seinen Truth-Social-Account: Über das Wochenende entlud er dort eine Salve an Angriffen gegen seine vermeintlichen Feinde, vor allem Joe Biden, garniert mit einer beeindruckenden Kollektion selbstbeweihräuchernden KI-Schrotts. Darunter: Bilder von sich selbst, in den Mount Rushmore gemeißelt, als Marinekommandant in vergoldeter Rüstung an der Spitze einer Flotte – und als Mitglied der New York Knicks, der New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul abdunkt.

Größer als Elvis

Trump kündigte außerdem an, er erwäge, das Konzert zum Jubiläum durch eine Rede zu ersetzen, und bezeichnete sich dabei als größer als Elvis. „Ich will nur von glücklichen Menschen umgeben sein, klugen Menschen, erfolgreichen Menschen und Menschen, die wissen, wie man GEWINNT“, schrieb der Präsident. In einem weiteren Post griff er die Künstler an, die aus dem Konzert ausgestiegen waren, und plädierte dafür, die Veranstaltung ganz abzusagen: „Absagen, genau wie ich mein Engagement mit dem gescheiterten und unsicheren Kennedy Center abgesagt habe, weil ein hochgradig befangener, korrupter Bundesrichter sagte, ich dürfe meine Zeit und mein Geld nicht dafür einsetzen, DAS CENTER WIEDER GROSSARTIG ZU MACHEN – ja, sogar großartiger als je zuvor!“

Wirtschaft, Außenpolitik und die anderen langweiligen Seiten des Präsidentenamts mögen lästig sein – Trump sucht Zuflucht in seinen diversen Eitelkeitsprojekten rund um Washington, D.C. Seine Bemühungen, das Kennedy Center zu übernehmen, hängen in der Luft, aber da wären noch der Reflecting Pool, der Triumphbogen, der UFC-Käfig, der gerade auf dem South Lawn errichtet wird, sowie der prunkvolle Ballsaal, der auf dem ehemaligen Gelände des Ostflügels des Weißen Hauses entsteht. Auch darüber postete Trump reichlich, unter anderem ein KI-Bild des angeblichen „Drohnen-Ports“ auf dem Dach des Ballsaals. (Trump behauptet, der Ballsaal werde als eine Art Militäranlage dienen – offenkundig um das juristische Argument zu stützen, einen erheblichen Teil des Weißen Hauses ohne Zustimmung des Kongresses abreißen und durch einen üppigen Veranstaltungsraum ersetzen zu dürfen.)

Später am Samstag führte Trump Fox News – konkret seine Schwiegertochter Lara Trump – auf eine Tour durch einige seiner Bauprojekte, spazierte ums Weiße Haus und schwärmte von der historischen Bedeutung des Ballsaals. „Es wird die sicherste Anlage werden, die je gebaut wurde“, sagte er und fantasierte davon, im Weißen Haus Cocktails zu servieren, bevor er Staatsgäste zum Dinner in den Ballsaal geleite. Dann lobte er den Triumphbogen: Der werde wie der Arc de Triomphe in Paris werden – nur größer und „schöner“.

Messiaspose statt Krisenpolitik

Derweil kämpfen die Amerikaner darum, über die Runden zu kommen – mitten in einem Krieg gegen den Iran, den Trump allem Anschein nach nicht beenden will, nicht beenden kann oder – am wahrscheinlichsten – beides zugleich. Stattdessen verbringt er immer mehr Zeit damit, auf Social Media zu posten, Demokraten mit KI-Memes zu verhöhnen und sich selbst als messianischen Gottkaiser zu inszenieren. Um den Geisteszustand des Präsidenten muss man sich allerdings keine Sorgen machen. Er war letzte Woche erneut zur Vorsorgeuntersuchung im Krankenhaus und hat seinen Demenztest mit Bravour bestanden. „Sind die Dumokraten wirklich überrascht?“, schrieb er auf Truth Social und behauptete, der Test sei „extrem schwierig“ gewesen.

Ryan Bort schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil