„Secret Service“: Der Wahnsinn zwischen Paranoia und Familienalltag
Gemma Arterton zeigt in der Serie „Secret Service“, wie irre der Alltag einer Agentin sein kann
Inzwischen kann man sich ja fast alles vorstellen, also auch das: Pflegt ein britischer Minister vielleicht innige Verbindungen zum russischen Geheimdienst, von 10 Downing Street aus? Die MI6-Agentin Kate Henderson soll es herausfinden. Leider läuft es dann wie so oft in Spionage-Serien: Die Gute muss um ihre Karriere fürchten, um ihr Leben und eigentlich um die ganze Welt. So passt „Secret Service““ natürlich perfekt in diese paranoide Zeit, da es keine sicheren Bündnisse mehr zu geben scheint. (Aber dass die Russen in solchen Verschwörungsszenarien immer die unsympathischeren Figuren sind, wird sich wohl niemals ändern.)
Schon der schlichte Titel deutet es an: „Secret Service“ ist eine solide Serie, makellos inszeniert von James Marsh („Die Entdeckung der Unendlichkeit“), mit attraktiven Schauplätzen, spannenden Showdowns und einem tollen Ensemble. Gemma Arterton, die 2008 das Bond-Girl Strawberry Fields in „Ein Quantum Trost“ war, spielt Henderson mit einer souveränen Zurückhaltung, bei der ihre innere Anspannung nur hin und wieder durchscheint. Britischer geht es kaum. Rafe Spall hat als ihr Ehemann ebenfalls einiges zu überstehen. Vor allem die Geheimniskrämerei und die renitenten Kinder sind schon stressig (und die Frau ist möglicherweise auch nicht völlig treu).
Die Diskrepanz zwischen dem Familienalltag und dem sehr anders aufregenden Job ist ein geschickter Zusatzaspekt in „Secret Service“ . So wird der Wahnsinn des Agentendaseins noch deutlicher. Wenn Kate sagt, sie sei „Expertin für Schadensbegrenzung“, dann gilt das für beide Bereiche – und ein richtiges Happy End ist weder hier noch dort in Sicht. Als eine ihrer wenigen Verbündeten ist endlich mal wieder Alex Kingston zu sehen (einst Dr. Corday in „ER“). (MagentaTV)