Festivalbericht

Drei gewinnt: Diese Acts dominieren den Samstag bei Rock am Ring 2026

Einfach gute Unterhaltung – mit Acts wie Volbeat, Electric Callboy, Bad Omens und Ice Nine Kills.

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Nach dem großen Nullerjahre-Klassentreffen am Freitag (05.06.) mit Linkin Park, Papa Roach und Limp Bizkit gehört der zweite Festivaltag den zukünftigen Legenden. Im Mittelpunkt stehen die Headliner Volbeat und Bad Omens, aber auch Electric Callboy und Marteria haben als Festival-Anheizer für einen ausgelassenen Abend gesorgt. Der Samstag liefert damit drei sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie das Publikum im Jahr 2026 tickt.

Discofox zum Sonnenuntergang

Electric Callboy
Electric Callboy

Electric Callboy gelingt das Kunststück, die Utopia Stage bei Sonnenuntergang in einen ultraspaßigen Moshpit mit Dorfdisco-Seele zu verwandeln. Schon als Secret Act im vergangenen Jahr haben sie eindrucksvoll bewiesen, dass es bei Metalcore, Eurodance und Meme-Kultur keiner Trennschärfe bedarf. Am Ring wirken Schulterpolster, Perücken oder neonfarbene Trainingsanzüge gar nicht mehr zwangsläufig wie ein bierlauniger Gag, der zufällig viral gegangen ist – die Band bombardiert die Zuschauer mittlerweile mit einer perfekt einstudierten Show und satten Pyroeffekten. Perfekt also für alle, die am Ring ausgelassen moshen, springen, lachen und Discofox tanzen wollen. Marteria verlängert die gute Laune nach Electric Callboy anschließend auf die Mandora Stage und verschiebt den Fokus kurz in Richtung partytauglichen Deutschrap.

Die große Rockshow bei Volbeat

Volbeat
Volbeat

Volbeat fahren dagegen das klassische Kontrastprogramm, das man von Rock am Ring erwartet – eine große Rockshow mit solidem Fundament. Die dänische Band hat sich am Nürburgring schon öfter bewiesen und ist ein Headliner mit eigener Sprache. Ihre Metal-Riffs, Stadionrefrains und vor allem die Stimme von Michael Poulsen sind unverwechselbar. Volbeat macht all das vielleicht nicht zur überraschendsten Band des Tages, ihre musikalischen Stärken spielen sie im Festivalformat aber voll aus, ohne um Aufmerksamkeit betteln zu müssen.

Bad Omens: Der Hype ist real

Indes entfaltet sich auf der Mandora Stage der von vielen am stärksten herbeigesehnte Moment des Wochenendes. Bad Omens lassen harten Metalcore mit radiotauglichen Melodien, elektronischen Beats und R&B-Einflüssen verschmelzen. Die Show selbst ist genial orchestriert: Bad Omens präsentieren statt eines losen Setlist-Durchlaufs ein in mehrere Abschnitte gegliedertes Gesamtkonzept. Atmosphärische Tape-Intros markieren dabei die einzelnen Kapitel.

Ihre steile Karriere ist vielleicht das Paradebeispiel von „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Nicht zuletzt der virale Erfolg auf TikTok (insbesondere mit dem Song „Just Pretend“) machten Noah Sebastian und seine Mitmusiker in kürzester Zeit zu globalen Superstars der modernen alternativen Musikszene.

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Ein kleines bisschen Horrorshow

Ice Nine Kills
Ice Nine Kills

Der Samstag hat aber auch abseits dieser drei großen Musikgeschmacks-Achsen starke Momente. Tom Morello zettelt auf der Utopia Stage ein antifaschistisches Erdbeben an und changiert unter anderem zwischen Songs von Audioslave und Rage Against the Machine. Ice Nine Kills, die Meister des Slashercore, spielen auf der Mandora Stage dagegen ein kleines bisschen Horrorshow. Bei der überdrehten Performance kommen Messer, Kettensägen und Hackebeile zum Einsatz, „abgetrennte Arme“ werden triumphierend in die Luft gehalten. Ein überdrehtes Set für Splatter-Fans, das zu dem passt, was man von einem Festivalsamstag erwarten kann: einfach gut unterhalten zu werden.

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Dieter Jakob
Dieter Jakob
Dieter Jakob

Kristina Baum schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.