Florida-Senator fordert Absage von Kanye Wests Konzerten wegen „anhaltender antisemitischer Angriffe“
„Wests Äußerungen sind widerwärtig und eine Ohrfeige für die jüdische Gemeinschaft unseres Bundesstaates“, schrieb Rick Scott in einem Brief an die Tampa Sports Authority.
Floridas Senator Rick Scott drängt die Tampa Sports Authority, Kanye Wests bevorstehende Headline-Konzerte im Raymond James Stadium abzusagen. In einem Brief an den Stadionbetreiber, den er auf seiner offiziellen Website in voller Länge veröffentlichte, argumentierte Scott, es sei eine „Ohrfeige“, wenn die Auftritte des Musikers mit Steuergeldern finanziert würden – angesichts von Wests Vorgeschichte „ständiger antisemitischer Angriffe“.
„Es ist beunruhigend, dass ein Stadion, das von Steuergeldern getragen wird, offen eine Veranstaltung subventionieren würde, die von einem Künstler angeführt wird, der für das Verbreiten dieser gefährlichen, hasserfüllten Rhetorik bekannt ist – zumal Florida eine der größten jüdischen Bevölkerungen des Landes hat“, schrieb Scott in dem Brief.
Der Senator verweist konkret auf Vorfälle, bei denen West „offen Nazis lobte, sich selbst als einen bezeichnete und Juden auf der ganzen Welt verleumdete“, sowie auf eine Super-Bowl-Werbeanzeige von 2025, die Zuschauer auf eine Website leitete, die ein weißes T-Shirt mit einem schwarzen Hakenkreuz verkaufte. „Wests Äußerungen sind widerwärtig und eine Ohrfeige für die jüdische Gemeinschaft unseres Bundesstaates“, sagte Scott.
Konzertverbote in Europa
Scott verwies außerdem auf die jüngsten Reaktionen auf Wests Rückkehr auf die Bühne als weiteren Grund, weshalb das Raymond James Stadium ihn nicht für seine Auftritte am 26. und 29. Juni empfangen sollte. „West ist von politischen Persönlichkeiten quer durch alle Lager verurteilt worden. Seine Ausbrüche und sein Hass haben dazu beigetragen, Antisemitismus salonfähig zu machen“, sagte Scott. „Er wurde kürzlich aufgrund beleidigender antisemitischer Äußerungen mit einem Auftrittsverbot im Vereinigten Königreich belegt.“
Im April hatte das Wireless Festival, das im Londoner Stadtbezirk Finsbury Park stattfinden sollte und mit West als Headliner geplant war, die diesjährige Ausgabe abgesagt, nachdem das Land ihm die Einreise verweigerte. Kurz darauf wurde auch sein geplantes Konzert in Polen im Zusammenhang mit seinen antisemitischen Äußerungen und der Verherrlichung des Nationalsozialismus gestrichen.
Im Januar hatte West im „Wall Street Journal“ eine ganzseitige Anzeige geschaltet, in der er sich für jahrelange antisemitische und andere umstrittene Äußerungen entschuldigte. Der Rapper führte seine Ausbrüche auf eine lange Geschichte psychischer Erkrankungen zurück, die ihn in einen „zerrissenen Zustand“ versetzt hätten, in dem „ich mich dem zerstörerischsten Symbol zuwandte, das ich finden konnte – dem Hakenkreuz – und sogar T-Shirts damit verkaufte“, wie er schrieb. „Ich bereue meine Handlungen in diesem Zustand zutiefst und schäme mich dafür. Ich verpflichte mich zur Verantwortungsübernahme, zur Behandlung und zu einem echten Wandel. Das rechtfertigt jedoch nicht, was ich getan habe. Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.“
Stadion beruft sich auf Redefreiheit
Die Entschuldigung hat West keinen Neustart ermöglicht. „Ich bin zuversichtlich, dass die Tampa Sports Authority weiterhin eine sichere und inklusive Gemeinschaft fördern wird – gerade für jüdische Floridaner“, schrieb Scott. „Kein Steuergeld sollte dazu verwendet werden, einem erklärten Antisemiten in Florida eine Bühne zu bieten, und ich bin sicher, dass Sie geeignete Maßnahmen ergreifen werden, um das zu verhindern.“
Dennoch könnte die Show weitergehen. Laut WFLA veröffentlichte die Tampa Sports Authority folgende Stellungnahme als Reaktion auf Scotts Appell: „Wir nehmen die Bedenken und Standpunkte zur Kenntnis, die im Zusammenhang mit den bevorstehenden Veranstaltungen im Raymond James Stadium geäußert werden. Als öffentliche Behörde orientieren wir uns beim Betrieb unserer Veranstaltungsstätte an den Grundsätzen der freien Meinungsäußerung, auch wenn wir Äußerungen oder Handlungen von Künstlern, die beleidigend und spaltend sind, nicht gutheißen.“