Rex Heuermann zu dreifach lebenslanger Haft für die Morde des Long-Island-Serienmörders verurteilt

Die Familien von sieben Opfern sprachen vor Gericht – manche fanden Frieden, andere schworen Rache. Richter Mazzei ließ kein gutes Haar an Heuermann.

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Nach knapp zwei Stunden Aussagen der Angehörigen von Melissa Barthelemy, 24, Megan Waterman, 22, Amber Costello, 27, Maureen Brainard-Barnes, 25, Jessica Taylor, 20, Valerie Mack, 24, und Sandra Costilla, 28, wurde Rex Heuermann für deren Morde zu drei lebenslangen Haftstrafen verurteilt, die nacheinander abzusitzen sind. Hinzu kamen 25 Jahre bis lebenslang für vier weitere Anklagepunkte wegen Mordes zweiten Grades. Heuermann, auch bekannt als der Long-Island-Serienmörder, zeigte sich während der Opferaussagen weitgehend teilnahmslos.

Der 62-jährige Bewohner von Massapequa, Long Island, hatte am 8. April 2026 im Rahmen eines Deals sieben Morde gestanden, der ihm mehrere lebenslange Strafen ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung einbrachte. Er räumte außerdem ein, die 34-jährige Karen Vergata getötet zu haben – eine Anklage wegen ihres Todes wurde im Zuge des Deals jedoch fallen gelassen. Heuermann verzichtete auf sein Berufungsrecht und stimmte im Gegenzug zu, nicht wegen der acht Opfer weiter strafrechtlich verfolgt zu werden. Zudem erklärte er sich bereit, sich von der Behavioral Analysis Unit des FBI befragen zu lassen.

Richter Timothy Mazzei eröffnete die Urteilsverkündung um 9:30 Uhr morgens im Arthur M. Cromarty Court Complex in Suffolk County, New York. Heuermann betrat den Saal laut dem Dokumentarfilmer Josh Zeman mit zwei Paar Handschellen – seiner Statur geschuldet.

Familien der Opfer sprechen

Einer nach dem anderen traten die Angehörigen der Opfer vor, um Heuermann direkt anzusprechen. Laut Zeman sagte Valeries Adoptivmutter JoAnn Mack zu ihm: „Was Sie getan haben, übersteigt jede Beschreibung … aber Sie haben ihre Seele niemals berühren können.“ Taylors Cousine Violet Swager rechnete schonungslos mit Heuermann ab, nannte ihn einen Versager und Verlierer, während ihre andere Cousine Jasmine Robinson von einem höhnischen Anruf berichtete, den sie nach Jessicas Tod vom Mörder erhalten hatte. „Ich kann den zerfleischenden Hass, den ich für Sie empfinde, nicht in Worte fassen“, sagte sie laut ABC 7. „Sie erfüllen mich mit so viel Abscheu.“

Brainard-Barnes‘ Schwester Missy Cann ergriff dann das Wort und schilderte jahrzehntelange Überlebensschuldgefühle, die sie inzwischen akzeptiert hat – nicht als ihre eigene Last, sondern als Heuermanns Schuld. In gewisser Weise, sagte sie, sei auch sie sein Opfer. „Sie wurde nicht einfach ermordet. Sie war das Opfer eines Raubtiers, eines Serienmörders“, fügte Cann hinzu. „Sie sind ein Feigling, der wehrlose, unschuldige Frauen zur Beute machte.“

Amanda Funderburg, Barthelémys Schwester, wetterte gegen den Mann, der ihr die Liebste genommen hatte, schwor ihm Rache und rief ihm entgegen, er solle ihr „einen Platz in der Hölle freihalten, denn ich werde dich dort treffen“, so Zeman. Megan Watermans Familie appellierte derweil daran, Asian Doe und Shannan Gilbert nicht zu vergessen – ebenfalls im selben Gebiet tot aufgefunden, aber bis heute nicht offiziell mit Heuermann in Verbindung gebracht.

Richter verurteilt ohne Milde

Das Gericht verlas anschließend eine Erklärung von Amber Costellos Schwester Kimberly Overstreet, die nach dem Mord an ihrer Schwester in Gott und einer neuen Richtung Halt gefunden habe. Sandra Costillas Schwester Ruth Ramos reichte ebenfalls eine Stellungnahme ein, in der sie dem Staatsanwalt von Suffolk County, Ray Tierney, dafür dankte, ihr nach jahrzehntelanger Ungewissheit endlich Frieden gebracht zu haben. Tierney wandte sich daraufhin an den Richter und forderte die Höchststrafe für Heuermann. „[Sie sind] ein reueloser und sadistischer Serienmörder“, sagte Tierney zu Heuermann.

Heuermann sagte daraufhin schlicht: „Die Worte, die ich sagen würde, haben keine Bedeutung, und dabei lasse ich es.“

Richter Mazzei ließ das nicht gelten. „Ich weiß, dass es Ihnen leid tut, erwischt worden zu sein – tut es Ihnen auch ein bisschen leid, was Sie getan haben?“, fragte er. Heuermann bejahte, doch Mazzei ließ nicht locker. „Sie sind ein widerlicher, verabscheuungswürdiger kleiner Mann – wenn Sie überhaupt ein Mann sind.“ Der Richter verurteilte ihn anschließend zu lebenslanger Haft ohne Bewährungsmöglichkeit und wies die Gerichtsvollzieher mit den Worten „Schaffen Sie ihn raus“ an – begleitet von Applaus im Saal.

Jahrzehntelange Jagd nach dem Killer

Jahrzehntelang wurde New York von einer schattenhaften Gestalt heimgesucht, die als Long-Island-Serienmörder bekannt war und für eine Reihe ungeklärter Morde zwischen 1993 und 2011 verantwortlich gemacht wurde. Die sogenannten „Gilgo Four“ – benannt nach dem Strand, an dem die Leichen gefunden wurden – wurden 2010 während der Suche nach Shannan Gilbert entdeckt, die nach Einschätzung der Polizei einen Unfalltod starb. Zu diesen Frauen zählten Brainard-Barnes, Barthelemy, Waterman und Costello, die laut Polizei allesamt in tarnfarbenem Jute-Stoff eingewickelt in derselben Gegend aufgefunden wurden. Jede von ihnen war eine kleingewachsene Frau in ihren Zwanzigern, die Sexarbeit über Craigslist angeboten hatte. Die Polizei arbeitete über ein Jahrzehnt daran, den Täter zu finden – doch die Ermittlungen versandeten im Sumpf aus Skandalen.

2022 setzte Staatsanwalt Tierney eine neue Task Force ein, um den Fall neu aufzurollen. Im Juli 2023 wurde der frühere Architekt Heuermann vor seinem Büro in Manhattan festgenommen. Zunächst wurde er wegen der Morde an Barthelemy, Waterman und Costello angeklagt – später folgten Anklagen wegen Brainard-Barnes, Taylor, Mack und Costilla. Aufgrund eines 32-seitigen Gerichtsdokuments, das die Fülle der Beweise darlegte, die zu seiner Festnahme geführt hatten, wurde er ohne Kaution in Haft gehalten.

Im Verlauf der Ermittlungen fanden die Staatsanwälte DNA-Beweise, die Heuermann mit Tatorten in Verbindung brachten, schriftliche Pläne für vergangene und künftige Morde sowie mehr als 300 Schusswaffen in seinem Haus. Ermittler glichen DNA aus einem am Tatort gefundenen Haar mit DNA ab, die von einer weggeworfenen Pizzakruste stammte – entsorgt in Midtown Manhattan, nahe seinem Büro. Auf Heuermann waren die Behörden zunächst aufmerksam geworden, weil er mit einem Truck in Verbindung gebracht werden konnte, der 2010 eines der Opfer aufgenommen hatte. Handydaten halfen zudem dabei, Heuermann mit den Familien der Opfer zu verknüpfen: Er hatte sie von einem Prepaid-Handy aus angerufen, um ihren Schmerz zu verhöhnen – gekauft mit seiner eigenen Kreditkarte.

Brenna Ehrlich schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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