Das Komplott gegen das UFC-Event im Weißen Haus war kein Einzelfall

„Massenschießereien werden immer Teil der Massengewalt in den USA bleiben – aber das Drohnenelement kommt.“

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Das UFC-Event im Weißen Haus war das perfekte Ziel für einen Terroranschlag: Amerikas Elite, stundenlang um ein kleines Oktagon im Freien versammelt. Ein chaotisches, überfülltes Stadtzentrum. Jede Menge Cops und Soldaten, gewiss – aber gegen eine schnelle, tödliche Drohne gibt es kaum Schutz. Als ich letztes Wochenende bei der Veranstaltung saß, rechnete ich halb damit, dass etwas schiefgehen würde. Wir wirkten wie lebende Zielscheiben, in einem Land, das sich an jeder Ecke für politische Gewalt aufgeheizt hat.

Anfang dieser Woche erklärte das FBI, genau ein solches Komplott vereitelt zu haben. Am Dienstag erhob das Justizministerium gegen fünf Personen Anklage wegen verschiedener Vergehen im Zusammenhang mit einem geplanten Angriff auf das UFC-Event. Agenten des Secret Service gaben an, das Komplott könnte noch andauern und weitere Verdächtige könnten sich noch auf freiem Fuß befinden – doch FBI-Direktor Kash Patel preschte vor und verkündete die Festnahmen, ohne ihr Wissen.

Die Bundesbehörden werfen mindestens fünf Männern vor, das UFC-Event im Weißen Haus mit einer Kombination aus sprengstoffbeladenen Drohnen und Gewehren angreifen zu wollen – mit Schützenpositionen in der Innenstadt von Washington, D.C., um fliehende Zivilisten ins Visier zu nehmen. Ob die Verdächtigen tatsächlich in der Lage gewesen wären, ein solches Vorhaben umzusetzen, ist unklar. Doch der politische Moment, der sie zu einer derart extremen Gewaltfantasie getrieben hat, ist höchst real – so ein Extremismusexperte. Und das nächste Komplott, das Drohnen und Sprengstoff gegen ein politisches Ziel einsetzen will, könnte weitaus weniger stümperhaft sein.

Drohnen als neue Bedrohung

„Massenschießereien werden immer Teil der Massengewalt in den USA bleiben – aber das Drohnenelement kommt“, sagt Joshua Fisher-Birch, Forscher beim Counter Extremism Project, gegenüber ROLLING STONE. Fisher-Birch ist spezialisiert auf die Beobachtung und Analyse von Online-Posts extremistischer Akteure, die Auswertung von Trends und die Prognose, woher Gewalt als Nächstes drohen könnte.

In den Unterlagen des Justizministeriums wird ein 19-jähriger namens Tycen Proper als eines der Schlüsselmitglieder der Gruppe beschrieben, der Waffen und Tausende von Schuss Munition angehäuft hatte. Proper und die „ernsthafteren“ Mitglieder der Gruppe verlegten ihre Kommunikation auf eine verschlüsselte Messaging-App, über die sie einen Angriff mit sprengstoffbeladenen Drohnen und die Einrichtung von Scharfschützenpositionen in der Nähe des Events besprachen. Laut ESPN wurde Proper am 10. Juni, wenige Tage vor der Veranstaltung, ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem seine Mutter aus Sorge um ihn die Polizei gerufen hatte. Andere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe, darunter die Kalifornier Bryan Roa und Michael Thomas, wurden nach der Durchsuchung ihrer Wohnungen durch das Justizministerium am 13. Juni festgenommen. Fox News berichtete, ein weiteres mutmaßliches Mitglied, Abraham Alvarez, sei ein ausländischer Staatsbürger und Begünstigter des aus der Obama-Ära stammenden Programms Deferred Action for Childhood Arrivals.

Die größte offene Frage der Ermittlungen ist, was die Männer genau dazu bewogen hat, zu handeln – oder es zumindest zu versuchen. Einige der aufschlussreichsten Details des Falls stammen aus einem Interview, das Ermittler mit Propers Mutter führten, die ihren Sohn zunächst aus Sorge um ihn angezeigt hatte. Laut Gerichtsunterlagen sagte sie, ihr Sohn habe „ultra-religiöse und regierungsfeindliche Ansichten geäußert und dabei konkret Missstände wie Regierungskorruption, den Umgang mit den Epstein-Akten, Datenzentren, die den Gemeinden das Wasser wegnehmen, sowie andere staatliche Maßnahmen“ angeführt.

Antisemitismus als verbindendes Element

Andere Beweise deuten auf noch dunklere Motive hin. Laut „Washington Post“ wurden Ermittler von Familienangehörigen auch darüber informiert, dass Proper antisemitische Kommentare im Netz gepostet hatte. Seine Mitverschwörer hätten ähnliche Ansichten geteilt, gängige Verschwörungstheorien über jüdischen Einfluss auf die amerikanische Regierung verbreitet und in einigen Fällen Adolf Hitler gelobt.

Rechtsextremes, regierungsfeindliches Gedankengut existiert in vielen verschiedenen Strömungen und Spielarten. Fisher-Birch sagt, soweit er es beurteilen kann, weise das UFC-Komplott nicht alle typischen Merkmale eines „akzelerationistischen“ Plans auf – also eines, der von Kräften geplant wurde, die auf den totalen Zusammenbruch von Staat und Gesellschaft abzielen.

„Die Ideologie selbst ist an diesem Punkt noch etwas verschwommen“, sagt Fisher-Birch. „Ich sehe da eine Mischung verschiedener Narrative.“

Trumps Krieg und seine Folgen

Der Antisemitismus, so Fisher-Birch, scheine eines der verbindenden Elemente unter den Beteiligten des aktuellen Komplotts zu sein. Trumps Krieg gegen den Iran habe die anti-israelischen Stimmungen in den USA weiter angeheizt und extremistische Bewegungen sowie Verschwörungstheoretiker zusätzlich radikalisiert – Gruppen, die seit Langem versuchen, weit verbreitete antisemitische Weltbilder mit der politischen Beziehung der USA zu Israel zu verknüpfen.

„Vieles davon fußt auf jahrzehntelangen Verschwörungstheorien rund um das, was als Entzug der Souveränität des amerikanischen Volkes wahrgenommen wird“, sagt Fisher-Birch.

Diese Extremisten sind nicht direkt mit einer politischen Mainstream-Bewegung verbunden – doch für jene am rechten Rand des Spektrums ist Trumps Präsidentschaft eine zutiefst polarisierende Ära.

„Zion Don“ und das Gefühl des Verrats

„Es gibt diesen Aspekt des Verrats, weil Leute gesagt haben: ‚Wir dachten, Donald Trump würde für die weißen Männer in diesem Land eintreten, und er hat es nicht getan – er hat uns an die Juden verkauft’“, sagt Fisher-Birch. „Der Begriff, den sie dafür verwenden, lautet ‚Zion Don‘.“

Dennoch räumt Fisher-Birch ein: „Wenn die Demokraten an der Macht wären, würden sie einige dieser Narrative genauso bedienen – nur mit leicht anderer Terminologie.“

Das gescheiterte Komplott ist, mit anderen Worten, ein bedeutsamer Datenpunkt in dem, was sich zu einem verheerenden Trend in der amerikanischen Politik entwickeln könnte. Soziale Polarisierung und ein Zusammenspiel von Verschwörungstheorien rund um viele sich überschneidende Aspekte des amerikanischen Lebens – Antisemitismus, Außenpolitik, Datenzentren, Wirtschaft, Einwanderung – bieten Inlandsterroristen unzählige Möglichkeiten, Anhänger zu rekrutieren und zu mobilisieren. Auch die Wahl der Waffen ist bedeutsam: Die USA haben bislang keinen schwerwiegenden Inlandsterroranschlag mit handelsüblichen Kleindrohnen erlebt – doch das ist so gut wie sicher nur eine Frage der Zeit. „The Guardian“ berichtete im vergangenen Jahr, dass immer mehr extremistische Gruppen im Inland den Einsatz von Drohnen für geplante Anschläge in Betracht ziehen.

Drohnen als Waffe der Zukunft

„Extremistische Gruppen, die Gewalt verüben wollen, werden immer nach Mitteln suchen, mit denen sie ihre Tödlichkeit steigern können“, sagt Fisher-Birch. „Können Sie sich nur vorstellen, welche Schlagzeilen ein Anschlag mit Drohnen machen würde?“

Und auch wenn das UFC-Komplott möglicherweise nicht mit explizit akzelerationistischem Gedankengut verbunden ist, betont Fisher-Birch, dass akzelerationistische Philosophien nicht verschwinden werden – selbst nach dem Ende der Trump-Regierung nicht, da solche Strömungen in Zeiten liberaler Regierungen am besten rekrutieren.

Das Komplott gegen das UFC-Event im Weißen Haus mag vereitelt worden sein – die Bedingungen, die es hervorgebracht haben, bestehen fort.

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Jack Crosbie schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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