ROLLING STONE Beach: Warum man die Wallflowers nicht verpassen darf!
Jakob Dylan & Co. spielen „Bringing Down The Horse“ komplett – und noch ein Roots-Rock-Meisterwerk
Kaum zu glauben, dass dieses Album schon 30 Jahre alt sein soll. Hört man „Bringing Down The Horse“ von den Wallflowers heute, klingt es immer noch frisch, keine Spur von Patina. Und bald kann man all diese Songs live erleben – und nicht nur die! Im November werden die Wallflowers ihr Meisterwerk in voller Länge beim ROLLING STONE Beach aufführen – und dazu noch Tom Pettys „Long After Dark“.
„Ich war hungrig, ich wollte mehr.“ So hat Jakob Dylan einmal beschrieben, wie er sich 1996 fühlte. Es waren fast vier Jahre vergangen, seit The Wallflowers ihr Debüt veröffentlicht hatten. Ein großer Erfolg wurde es nicht. Virgin Records ließ die Band fallen, 1994 unterschrieben sie bei Interscope und gingen in Los Angeles ins Studio. Die Aufnahmen zogen sich hin, dann war das Nachfolgealbum, „Bringing Down The Horse“, endlich fertig. Jakob Dylan war klar: Diese zweite Chance könnte vielleicht schon die letzte sein. Zwei Grammys und über eine Million verkaufte Einheiten später wissen wir, dass er sie genutzt hat. Das Album kam bis auf Platz 4 in den US-Charts.
Melancholische Stimme, herrlicher Roots-Rock
Damals, im Mai 1996, war Dylan erst 26. Das Album beginnt mit diesen Worten: „So long ago, I don’t remember when/ That’s when they say I lost my only friend.“ Sie ist an einem gebrochenen Herzen gestorben, erzählt er weiter – aber ganz mag er die Hoffnung nicht aufgeben: „Me and Cinderella/ We’ll put it all together/ We can drive it home/ With one headlight.“ So fasst „One Headlight“ eigentlich schon alles zusammen, was den Reiz der Wallflowers ausmacht: Dylans melancholische Stimme unterstreicht die Geschichten von Vergänglichkeit und Isolation, ständig brechen Herzen und werden behelfsmäßig zusammengeflickt. Die Musik, die seine Band dazu spielte, war genau das richtige Verbindungsglied zwischen dem Roots-Rock, den Produzent T Bone Burnett wahrscheinlich im Sinn hatte, und dem College-Rock, der gerade die US-Charts stürmte.
Ein paar Jahre nachdem R.E.M. mit ihren Hit-Alben „Out Of Time“ und „Automatic For The People“ die Radio-Türen für den Alternative-Rock geöffnet hatten, waren die vier aus Athens/Georgia zwar schon wieder woanders, doch ihre (oft etwas gefälligeren) Nachfolger beherrschten das Geschäft: Hootie & The Blowfish und Semisonic, auf der noch mainstreamigeren Seite Matchbox Twenty, Fastball und die Dave Matthews Band. Nur zwei Bands schafften zwei ähnlich gute erste Alben wie die Wallflowers: Counting Crows und Better Than Ezra.
Jakob Dylans Songs atmen Rockgeschichte
Es gibt in „One Headlight“ eine Anspielung auf den Springsteen-Song „Independence Day“ – und die Zeile „Man, I ain’t changed, but I know I ain’t the same“ hätte von Bruce selbst stammen können. All die Songs auf „Bringing Down The Horse“ atmen Rockgeschichte und stehen doch für sich, ob „Three Marlenas“, „Josephine“ (Frauennamen als Songtitel, natürlich!) oder „God Don’t Make Lonely Girls“. Das Album endet so traurig, wie es beginnt – mit der Erkenntnis, dass Nichts-Fühlen manchmal angenehmer wäre als zu viel: „But I hear voices/ And I see colors/ But I wish I felt nothing/ Then it might be easy for me/ Like it is for you.“ Fröhlich war das alles nicht. Genau deshalb berührte es so viele Menschen, Orientierungslosigkeit und Einsamkeit sind immer gute Anknüpfungspunkte.
Später hat Dylan das Erfolgsrezept mal so beschrieben: „Es war eine Mischung aus gutem Timing, viel Unterstützung von der Plattenfirma und qualitativ hochwertigen Songs.“ Es hätte jede andere Band treffen können, fügte er bescheiden hinzu, der Moment war einfach perfekt. Dem ROLLING STONE erzählte er zum 20-jährigen Jubiläum des Albums: „Es war eine gute Zeit, um Alben zu machen. Der Fokus war anders. Man hatte keine zeitlichen Einschränkungen, man hat einfach so lange an etwas gearbeitet, bis es fertig war.“
Dylans Liebe zu Tom Petty wird sich am „Long After Dark“-Abend zeigen
Damit es nicht langweilig wird, hat sich Jakob Dylan zum 30-jährigen Jubiläum von „Bringing Down The Horse“ etwas ganz Besonderes überlegt: Die Wallflowers werden nicht nur ihr eigenes Album in voller Länge aufführen, sondern zusätzlich noch „Long After Dark“ von Tom Petty And The Heartbreakers. Nicht nur ein Konzert also, sondern zwei! Eine überraschende Wahl, das Album von 1982 ist ja nicht Pettys berühmtestes. Aber es ist Dylans liebstes, und auch hier zeigt sich: Er macht, was er will. Die beiden Auftritte beim ROLLING STONE Beach werden die einzigen in Deutschland sein. Wer das nicht verpassen will, sollte sich schnell Tickets sichern. Wird sicher spektakulär, Jakob Dylan dann unter anderem diese Zeilen singen zu hören: „Good love is hard to find/ You got lucky, babe/ When I found you! “

KOMMT MIT AN DIE OSTSEE!
Am 13. und 14. November ist es so weit: Zum 17. Mal findet am Weissenhäuser Strand der ROLLING STONE Beach statt. Es ist längst mehr als ein gewöhnliches Festival. Und das liegt nicht nur daran, dass man zwischen den Konzerten eben mal schnell an die Ostsee gehen kann und zu verschiedenen Lesungen oder dem beliebten Pop-Quiz. Der ROLLING STONE Beach hat eine ganz besondere Atmosphäre, weil die üblichen Festival-Strapazen wegfallen – kein Zeltaufbau nötig, kein Anstehen an Dixi-Klos –, sodass man sich ganz aufs Feiern der Musik konzentrieren kann.
Das Schönste sind immer all die Begegnungen. Das RS-Beach-Publikum ist eine wunderbare Gemeinschaft, es wird an allen Ecken leidenschaftlich über Musik diskutiert– und natürlich jedes Jahr darüber, wen man sich anschaut und wen man vielleicht verpassen muss. Die Qual der Wahl wird auch 2026 schlimm!
Das Line-up ist noch nicht komplett. Aber so viel steht schon mal fest: Neben THE WALLFLOWERS sind THE NOTWIST und ASH am Start. Die Nordiren um Tim Wheeler haben mit ihrem Album „Ad Astra“ erst kürzlich bewiesen, dass sie weiterhin eine Bank in Sachen Power-Pop sind. Außerdem wird MONEYBROTHER da sein. Wenn schon Bruce Springsteen nicht kommt, dann ist der Schwede Anders Wendin der bestmögliche Ersatz! Wobei der Vergleich zwar ein Kompliment ist, doch zu kurz greift: Die mitreißenden, wilden Rocksongs von Moneybrother stehen für sich, sie bedienen sich lässig bei Soul und Folk, und dass er sein jüngstes Werk „Classic Vintage“ genannt hat, ist natürlich augenzwinkernd gemeint: Moneybrother steht in einer schönen Traditionslinie, blickt aber stets nach vorn.
Die erste Band-Welle verspricht eine richtig gute Zeit
Spannend wird auch sein, wie sich die britische Indie-Rock-Band RAZORLIGHT live präsentiert – sie treten jetzt wieder mit dem Line-up auf, mit dem sie Anfang des Jahrtausends berühmt wurden. Und welchen Sog werden die legendären TORTOISE entwickeln? Die Post-Rock-Pioniere aus Chicago fordern auf jeden Fall volle Aufmerksamkeit.
Nicht so weit wird die Anreise für zwei andere tolle Bands: INTERNATIONAL MUSIC haben uns mit „Endless Rüttenscheid“ überzeugt, und nachdem wir zuletzt Stella Sommer und ihre Band DIE HEITERKEIT gar nicht genug preisen konnten, ist es nur logisch, dass sie uns beim diesjährigen RS Beach mit „Schwarze Magie“ verzaubern werden.
Außerdem dabei: Herrenmagazin, Oh My God! It’s The Church, Personal Trainer, The Haunted Youth, Marathon und Really Good Time. Letzteres ist garantiert! Infos/Tickets unter www.rollingstone-beach.de