Madonna: Confessions II
Madonna kehrt mit „Confessions II“ und Stuart Price zu euphorischem Future-Pop zurück. Unsere Kritik zum Dance-Album
Ein Hauch der Verklärung liegt über „Confessions on a Dancefloor“, Madonnas Album von 2005: zwar ihr bestes seit „Like a Prayer“, vielleicht sogar ihr bis heute letztes komplett gelungenes, seinerzeit allerdings verhalten aufgenommenes Werk über Friedensschlüsse per Vereinigungsrave auf der Tanzfläche – ein Love-and-Peace-Manifest der retro-digitalen Disco-Ära.
Doch die Zeiten – Trump, Ukraine, Gaza – verlangen nach einer weiteren kongenialen Zusammenarbeit mit Stuart Price, der schon damals butterweichen Future-Pop für Madonna und die Vision einer besseren Welt entwarf. Die beiden Vorabsingles ließen davon wenig erkennen, „I Feel Free“ ist ein stark von Donna Summers „I Feel Love“ inspiriertes Lied; die zielgruppentaktisch motivierte Wahl Sabrina Carpenters als Duettpartnerin für „Bring Your Love“ führt zur Erkenntnis, dass die Stimmen der beiden schwer auseinanderzuhalten sind.
Aber die 14 weiteren Songs von „Confessions II“ erfüllen dieses Versprechen einer 63 Minuten und 51 Sekunden langen, ohne Unterbrechung durchsequenzierten Utopie. Chicago House bildet das rhythmische Gerüst von Songs wie „Danceteria“ oder „One Step Away“, in dem Madonna ihre Weisheiten haucht: „The dancefloor is a place where movement replaces language“ oder „Everyone here is a work of art“.
Das eigentliche Versprechen von „Confessions II“
Die Geschlossenheit dieser zweiten „Beichte“ wird nur gelegentlich von Gitarrenfolklore aufgebrochen, etwa in der Koop mit dem kolumbianischen Songwriter Feid auf „Read My Lips“, die ein so wirkt, als solle Madonnas Dancefloor auf Weltreise gehen und nebenbei auch den Latin-Markt erobern.
Doch das sind Petitessen. Nach ihren ziellos wirkenden Alben der 2010er-Jahre und der ersten Hälfte der 2020er gelingt Madonna mit „Confessions II“ eine Hommage an die Goldene Ära elektronischer Tanzmusik – eine Ära, in der die meisten ihrer unzähligen Epigoninnen noch gar nicht geboren waren.