Missy Elliott – Hamburg, Docks

Wenn selbst der Europa-Chef des einladenden Plattenkonzerns auf der Suche nach dem richtigen Eingang leicht verzweifelt umherirrt, kann irgendwas nicht stimmen. Es stimmte so einiges nicht an diesem Freitagabend auf dem Hamburger Kiez. Dass ein Konzert wegen allerlei Pannen satte zwei Stunden später als annonciert beginnt, mag ja bei einem von insgesamt 20 noch angehen. Dass aber ausge sehnet die einzige 99er-Show eines für viel Geld herbeigekarrten HipHop-Superstars in die (des)organisatorischen Hände einer völlig überforderten Lokal-Crew gelegt wurde, mutete wie ein Treppenwitz aus einem Veranstalter-Seminaran.

Lachen konnte indes keiner darüber. Vor allem nicht jene von weit angereisten Menschen, die glaubten, sich eines der raren frei verkauften Tickets per Hotline & Kreditkarte gesichert zu haben, nach endloser Warterei aber nur lapidar per Megaphon mitgeteilt bekamen, das mit den vorbestellten Karten werde nun nix mehr; nur wer schon eine habe, komme auch rein. Irgendwann, irgendwo.

Endlich drinnen angelangt, wendeten sich die Dinge nur zäh zum Besseren. Die Vorgruppe Caramelle demonstrierte zum Auftakt mit Zeilen wie „Die Leute nehm‘ sich keine Zeit und enden in der Einsamkeit“den Sturzflug deutschen Pop-Hops. Das betrübliche Vorspiel konnten dann auch die von Elliott protegierten Nicole Ray und Gina Thompson mit ihrem Kurzauftritt kaum vergessen machen.

Da musste dann schon Missy selbst ran, zur Geisterstunde, umgeben von einer bühnensprengenden Entourage aus ca. 20 Tänzerinnen, Sängerinnen, Rappern und blendend präparierten Musikern, die noch die vertracktesten Groove-Vorlagen druckvoll handhabten. Und für die Rap-Einlage in „All’n My Grill“ hatte man eigens MC Solaar eingeflogen. Im Glitzeranzug tobte Elliott wie ein schwarzer Kugelblitz auf und vor der Bühne umher, teilte die Menge wie einst Jesus das Meen damit jeder hautnah mitbekam, wieviel Spaß es bringen kann, seinen Bodyguards den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Irgendwann soll sie dann an die Grenzen ihres Repertoires gestoßen sein, Knaller Marke „She’s A Bitch“einfach wiederholt und einen gut dotierten Rap-Contest mit Publikumsbeteiligung abgehalten haben. Aber da saß der Reporter Ihres Vertrauens schon in der letzten Metro Richtung Heimat.

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