Die Ärzte live 2027: Brauchen Fans wirklich 8 Tickets pro Bestellung?

Viele hatten kaum eine Chance, Tickets für die 32 Konzerte der Ärzte im kommenden Jahr zu bekommen. Lag es auch am Verkaufsverfahren?

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Der Vorverkauf  für die Tour der Ärzte 2027 war eigentlich kaum einer. Denn am Mittwoch (15. April) gingen innerhalb von wenigen Stunden alle regulären Tickets für ganze 32 Konzerte in glückliche Hände. Immerhin gibt es noch einige Sozialtickets. Doch zahlreiche Fans hatten dennoch keine Chance, auch nur eine Karte zu ergattern. Die vier Berlin-Auftritte waren sogar schon nach 10 Minuten ausverkauft.

Wie immer in Fällen, wo eine große, kaum zu schätzende Nachfrage auf ein prinzipiell limitiertes Angebot trifft, bleiben Zweifel, ob es nicht bessere Lösungen für den Verkauf von Konzertkarten gibt. Die Ärzte haben sich für einen Verkauf von personalisierten Tickets auf ihrer Website entschieden. Ein gängiges Verfahren, das die Band schon länger nutzt. In den FAQs heißt es dazu: „Der Vor- und Nachname muss unmittelbar nach Erhalt der Tickets in die Leerzeile auf dem Ticket eingetragen werden.“

Natürlich gab es schon Stunden nach der Verkaufsphase Angebote auf eBay und bei anderen Portalen, wo Eintrittskarten für Wucherpreise angeboten werden. Zwar warnen die Musiker vor dem Kauf bei Viagogo und Co., aber letztlich lässt sich das Signaturprinzip leicht umgehen, wenn man eben einfach nicht seinen Namen auf das Ticket schreibt und dennoch weiterverkauft.

Sozialer und technischer Nutzen – oder Hilfe für gierige ebay-Piraten?

Interessant ist, dass es erlaubt war, bis zu acht Tickets pro Bestellung zu bekommen (für die zum Teil noch verfügbaren Sozialtickets sind es vier Karten pro Kauf). Das ist nicht unüblich, auch andere Verkäufer gewähren diese Möglichkeit, manche begrenzen es auf höchstens vier Eintrittskarten pro Bestellung.

Das Verfahren hat seinen sozialen Wert, es ermöglicht Familien und Freundeskreisen, ohne größeren Aufwand gemeinsam Tickets zu erhalten. Wenn eine Person acht Karten kauft, heißt das unter anderem auch, dass sieben weitere Personen nicht das Buchungssystem überlasten.

Dennoch stellt sich die Frage, wie hoch die Grenze im Verhältnis zur Nachfrage ist und ob es Reseller/Scalper, die sich mit mehreren Accounts eindecken, nicht noch leichter macht, die begehrten Karten abzusaugen, um sie dann mit großem Gewinn weiterzuverkaufen.

Die Personalisierung wirkt in diesem Zusammenhang auch eher abschreckend, als dass sie Missbrauch konkret verhindert (das wäre nur mit dem Einsatz von Apps, bei denen man sich anmelden muss, möglich). Namen lassen sich oft ändern oder umgehen. Einlasskontrollen sind selten streng genug, um wirklich jeden Besucher zu prüfen und Sekundärmärkte bleiben generell bestehen.

So bleibt vielen Ärzte-Fans, die leer ausgegangen sind, nur zu hoffen, dass entweder noch Zusatzkonzerte angeboten werden oder Tickets noch einmal in den Umlauf geraten. Das könnte durchaus sein, wenn nach der abgelaufenen Vorkasse-Phase einige Käufer ihre Karten „zurückgeben“, weil sie provisorisch bei mehreren Konzerten Tickets buchten oder Freunde, für die eingekauft wurde, doch noch abspringen.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.