Afroman triumphiert im wilden „Lemon Pound Cake“-Prozess gegen Polizisten

Polizisten hatten den „Because I Got High“-Rapper verklagt, nachdem er Aufnahmen ihrer verpatzten Razzia in Musikvideos verwandelt hatte.

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Im Sommer 2022 durchsuchten Beamte des Sheriff’s Department im Adams County, Ohio, Afromans Haus mit einem Durchsuchungsbefehl – der Verdacht lautete auf Drogenhandel und Entführung. Die bewaffneten Polizisten brachen die Tür auf, durchwühlten das Haus und fanden dabei weder Drogen noch irgendwelche Hinweise auf eine Entführung. Anklage wurde keine erhoben.

Nach diesem Debakel machte Afroman aus der Not eine Tugend und verwandelte die Aufnahmen der verpatzten Razzia in eine Reihe von Musikvideos, die seitdem im Netz viral gingen – allen voran eines mit dem Titel „Lemon Pound Cake“, das einen der Beamten zeigt, wie er mit gezogener Waffe in der Küche des Rappers innehält und einen verlockenden Kuchen auf der Anrichte ins Auge fasst.

Diese Videos sowie Social-Media-Posts, die der Künstler mit dem Razzia-Material bestückt hatte, wurden zum Gegenstand einer Klage, die im darauffolgenden Jahr sieben Polizisten einreichten. Sie behaupteten, Afroman (bürgerlicher Name Joseph Foreman) habe Aufnahmen ihrer Gesichter ohne deren Einwilligung verwendet – ein Vergehen nach Ohio-Recht – und klagten ihn zivilrechtlich wegen Verletzung der Privatsphäre.

Jury weist alle Forderungen ab

Am Mittwoch, nach einem dreitägigen Prozess, in dem Afroman seine Kunst vor Gericht verteidigte, gab die Jury dem Rapper in allen Punkten recht und folgte der Argumentation der Beamten nicht, er schulde ihnen zusammengerechnet 3,9 Millionen Dollar Schadensersatz. Kurz nach dem Urteil postete der Rapper ein Video in seinen sozialen Medien, auf dem der Richter das Urteil im Gerichtssaal verliest.

Der Prozess im Adams County warf diese Woche grundlegende Fragen über die Reichweite des Ersten Zusatzartikels der US-Verfassung und die Freiheit künstlerischer Kritik auf. 2023 hatte die ACLU of Ohio eine Amicus-Eingabe zugunsten des Rappers eingereicht. „Dieser Fall ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte SLAPP-Klage: ein haltloser Versuch, durch eine Klage Kritik zum Schweigen zu bringen“, schrieb die ACLU in der Eingabe. „Die Kläger sind eine Gruppe von Polizeibeamten, die das Haus eines bekannten Musikers auf eine offenbar äußerst zerstörerische und letztlich ergebnislose Weise durchsucht haben. Nun sehen sie sich dem Spott und der Empörung ausgesetzt, die dieser in einer Reihe von Musikvideos über die Razzia sowie in Merchandise und Social-Media-Kommentaren zum Ausdruck bringt.“

In ihrer Klage behaupteten die sieben Beamten, sie seien „Drohungen ausgesetzt gewesen, darunter Todesdrohungen“, und hätten „emotionalen Schaden, Scham, Spott, Rufschädigung und Demütigung erlitten“. Während des Prozesses berichtete der Beamte, den Afroman in den sozialen Medien als „Police Officer Poundcake“ bezeichnet hatte, er habe am Arbeitsplatz massenhaft Pfundkuchen zugeschickt bekommen. Eine andere Beamtin brach mehrfach in Tränen aus, während ein Video des Künstlers, das sie verspottete, über zehn Minuten lang abgespielt wurde.

Streit um Lügen und freie Kunst

„Mr. Foreman hat über diese sieben tapferen Hilfssheriffs, die seit Jahren in diesem County leben, seit Jahren ihr Leben für dieses County riskieren und ihren Job getan haben, im Internet absichtlich und immer wieder über dreieinhalb Jahre lang Lügen verbreitet“, sagte Robert Klingler, der Anwalt der Beamten, in seinem Schlussplädoyer laut der Washington Post. „Mr. Foreman hat das absichtlich getan. Und Mr. Foreman wusste, dass das, was er im Internet gepostet hat, Lügen waren.“

Afromans Anwalt David Osborne betonte, dass es in dem Fall um freie Meinungsäußerung und musikalischen Ausdruck gehe. Mit einer Geste in Richtung seines Mandanten, der einen mit dem amerikanischen Sternenbanner bedruckten Anzug trug, sagte der Anwalt: „Sieht das wie ein Mann aus, der glaubt, dass alle davon ausgehen werden, dass alles, was er sagt, der Wahrheit entspricht?“

In seiner eigenen Aussage erklärte Afroman: „Die ganze Razzia war ein Fehler.“ Und weiter: „Das alles ist ihre Schuld. Hätten sie mein Haus nicht zu Unrecht durchsucht, gäbe es keine Klage. Ich würde ihre Namen nicht kennen. Sie wären nicht auf meiner Heimüberwachungsanlage, und es gäbe keine Songs. Gar nichts.“

Charisma Madarang schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil