Allein Elton John zerstörte Cat Stevens‘ Live-Aid-Traum

Yusuf/Cat Stevens enthüllt in seiner Autobiografie skurrile Hobbys, Liebesgeschichten, Glaubenskrisen und Missverständnisse

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Als Musikmemoiren könnte Yusuf/Cat Stevens’ „Cat on the Road to Findout“ kaum passender betitelt sein. In fast 60 Jahren ist kaum jemand im Pop einen so verschlungenen Weg gegangen wie der bärtige Troubadour: vom Teenie-Idol Cat Stevens über den nachdenklichen Balladenstar zum gläubigen Yusuf Islam – mit gelegentlichen musikalischen Rückkehrmomenten.

Unterwegs kämpfte er mit Tuberkulose, wäre fast ertrunken, hatte eine Liaison mit Carly Simon – und war einer der ersten großen Popstars, die „gecancelt“ wurden, nachdem er sich 1989 zu Ayatollah Khomeinis Fatwa gegen Salman Rushdie äußerte (seiner Ansicht nach missverstanden, falsch dargestellt oder fehlinterpretiert).

Die Autobiografie erschien am Donnerstag in Großbritannien und erscheint am 7. Oktober in den USA. Hier die wichtigsten Enthüllungen.

Vom Kosenamen zur Karriere

Der Name Cat Stevens entstand 1965 – inspiriert von Filmtiteln wie Cat Ballou und What’s New Pussycat?, dem Song „Walkin’ My Cat Named Dog“ und einer Freundin, die fand, er sehe „wie eine Katze“ aus. Christine, seine erste große Liebe, inspirierte auch den Klassiker „The First Cut Is the Deepest“.

Als er 1966 mit „I Love My Dog“ seinen ersten Hit landete, besaß er gar keinen Hund. Zufällig fand er nachts in Soho eine herrenlose schwarze Dackeldame, die er „Willemina“ nannte – und die ihm half, Fragen der Presse glaubwürdig zu beantworten.

Carly Simon, Songs und Eitelkeit

1971 kam es zu einer Affäre mit Carly Simon, die seine Shows eröffnete. Ihr Song „Anticipation“ entstand, während sie auf ein Date mit ihm wartete. Über „You’re So Vain“ scherzt Yusuf: „Natürlich wusste ich, dass ich gemeint war, Bro!“

Seine friedliebende Aura täuscht: Als Kind bastelte er balsa-Holz-Guillotinen nach Dickens’ Eine Geschichte aus zwei Städten. Dabei hörte er die Plattensammlung seiner Schwester.

Fast verschenktes „Wild World“

„Wild World“ sollte ursprünglich Jimmy Cliff singen, produziert von Yusuf. Doch am Ende wurde seine eigene Version ein Top-20-Hit.

Für Hal Ashbys Kultfilm Harold and Maude (1971) schrieb er „If You Want to Sing Out, Sing Out“ und „Don’t Be Shy“. Roh-Demos genügten dem Regisseur, der sie unbearbeitet verwendete. Ein offizielles Soundtrack-Album mit allen Songs erschien erst 2022.

Magier, Tiger und ein Pop-up-Hocker

Mit dem Konzeptalbum Numbers ging er in den Siebzigern mit einer Show auf Tour, die Spinal Tap würdig war: bunte Boxen, aus denen er auf die Bühne sprang, Zauberer, die Blondinen zersägten, unzählige Tauben und Kaninchen – und ein Tiger im Käfig.

Nach einer Nahtoderfahrung im Meer 1975 begann seine Hinwendung zum Islam. Sein Album Back to Earth erschien mit goldener arabischer Kalligrafie – doch Malaysia verlangte die Entfernung des Wortes „Allah“. Die Plattenfirma klebte einen Sticker drüber, später wurde es ganz weggelassen.

Verpasste Chance bei Live Aid

1985 sollte er bei Live Aid auftreten – mit einem neuen Song a cappella. Doch weil Elton Johns Set überzog, wurde er gestrichen. Yusuf war am Boden zerstört; im Abspann tauchte sein Name dennoch auf.

Die Fatwa-Affäre um Salman Rushdie beschreibt er als „blisternden Asteroiden“ seines Lebens. Ein Journalist habe ihn in die Falle gelockt. Seine öffentliche Entschuldigung sei ignoriert worden, die Presse habe ihn als Unterstützer Khomeinis dargestellt. Rückblickend spricht er von einem „Ansturm aus Missverständnis und Hass wie nie zuvor“.

David Browne schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil