Arne Willander schaut fern: „Rockpalast“ – Wonnen der Mediathek


von
Arne Willander
Arne Willander

Es waren unschuldige Anfänge. Bevor es die „Rockpalast“-Nächte gab, gab es die „Rockpalast“-Konzerte. Im November 1976 trat Linda Ronstadt in der Offenbacher Stadthalle auf, in engen Bluejeans und mit einer Rose im Haar, an den Gitarren Waddy Wachtel und Andrew Gold, und sie sang „That’ll Be The Day“, „Heart Like A Wheel“ und „Crazy“. Ronstadt hatte die Eagles erfunden, weil ihre Begleitmusiker Don Henley und Glenn Frey doch keine Band mit ihr gründen wollten, denn sie wussten, dass sie immer die Linda Ronstadt Band sein würden. Linda Ronstadt sang wie die Königin der Autobahn, die sie war, und brachte „Hasten Down The Wind“ von Warren Zevon und „The Tattler“ von Ry Cooder.

Heute faltet man die Hände zum Gebet, aber was haben wohl die Menschen 1976 gedacht, als sie Linda Ronstadt im Fernsehen sahen? Was dachten sie 1979, als ein spilleriger Gitarrist mit drei Musikern in einer Art Spielbude vor einem bunten „Rockpalast“-Signet in Köln auftrat und einen Song spielte, der „Sultans Of Swing“ hieß? Mark Knopfler freute sich darüber, dass hundert Menschen einen solchen – übrigens schütteren – Beifall zustande brachten. Und was dachten sie, als The Police 1980 in der Hamburger Markthalle den letzten Halt vorm Stadion machten, Sting schon ausgelassen dampfend?

Den „Rockpalast“ gibt es schon viel länger nicht mehr, als es ihn überhaupt gegeben hat. 1986 fand die letzte Nacht statt, bei der Big Country, Jackson Browne und BAP auftraten. Am Ende sangen Wolfgang Niedecken, der „Rockpalast“- Gründer Peter Rüchel und die Moderatoren Evelyn Seibert und Alan Bangs „Verdamp lang her“. Niedecken sagte in einer flammenden Ansprache, er wolle nicht kitschig werden – aber die Verantwortlichen würden diese Entscheidung noch bereuen. Sie bereuten es wahrscheinlich nicht, aber wir bedauern es noch heute. Die ARD hat einige der Auftritte unter „Live-Konzerte für zu Hause“ in die Mediathek gestellt. Paul Weller 2004 beim Festival in Haldern, „My Ever Changing Moods“ und „Foot Of The Mountain“. Achim Reichel 1978. Herman Brood 1978.

Vielleicht wachen wir eines Morgens auf, und das eingefrorene Posthorn ist aufgetaut und spielt in der ARD-Mediathek die Konzerte von Mink DeVille, Elvis Costello, Joe Jackson, John Cale und Van Morrison. Und bitte Kid Creole & The Coconuts!