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Balthazar: die neue belgische Elite


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Was durch Bands wie Intergalactic Lovers, Soldier’s Heart und vor allem Balthazar musikalisch in Belgien gerade erblüht, präsentiert sich authentisch und stilsicher. Anders, aber dennoch als Einheit. Belpop also.

Balthazar werden in ihrem Heimatland gefeiert wie Helden. In Deutschland tourten sie mehrere Male, zuletzt als Support der Editors. Als Haupt-Act schafften sie es zumeist nur in die ganz kleinen Lokalitäten, aber das war einmal. Der Berliner Postbahnhof ist ausverkauft – und damit der ursprüngliche Plan, die fünf Genter wieder auf die kleine Bühne zu drängen, zunichte gemacht. Balthazar freuen sich, sind mächtig gerührt. Die zweite Tour zum zweiten Album findet nicht nur auf diese Weise seine Berechtigung. Immerhin ist „Rats“ (2012) eine Platte, die man fast schon als Rarität, ja als Wunder bezeichnen möchte. Das schwierige, tückische Zweite? „Rats“ ist ein Werk, das von vorn bis hinten bezirzt. In Frankreich von vielen Medien sogar als das beste Album des Jahres 2012 betitelt, von den Music Industry Awards schließlich als solches ausgezeichnet. Man muss es so festhalten: Diese Band darf man wirklich nicht an sich vorbeiziehen lassen.

Sakrale Orgelklänge bauen sich zu einer Mauer auf, dann der vierstimmige Chor wie ein Orkan. „Lion’s Mouth“ beginnt episch. Das tut es immer. Maarten Devoldere beginnt seine tiefe Stimme zu schwenken wie den kostbarsten aller Whiskeys, ruhig und bewusst. Es passiert, was immer passiert, sobald Balthazar mit dem Spielen beginnen: Ein jeder Zuhörer steht gebannt, mit großen Augen still und ist bereit sich dieser Band auf immer und ewig herzugeben.

Das Violinspiel von Patricia Vanneste beschwört das Publikum, wie eine Pungi-Flöte indische Schlangen. Psychedelisch. Der vorsichtige, zarte Beat von Christophe Claeys verknüpft sich mit den Beinen, als befände man sich in einem Marionettentheater. Pulsierend. Und dann gibt es da noch diese Stimme von Jinte Deprez und dessen Masterpiece „The Oldest Of Sisters“. Hier vereint sich die Maskulinität eines Sameer Gadhias (Young The Giant) mit der Sensibilität eines Alex Turner. Klingt einzigartig, klingt nach Balthazar.

Das Front-Duo um diese beiden Sänger erinnert ein wenig an die Großen der Geschichte. An Lennon/McCartney, an Jagger/Richards, an Page/Plant oder eben auch Doherty/Barat. Ihre Stimmen sind verschieden. Nicht sehr viel, aber verschieden. Sie ergeben zusammen den perfekten Einklang, ganz genau wie ihre Kompositionen. Das ist auch den neuen Songs anzumerken. Drei davon präsentieren sie an diesem Abend, darunter ihre neue Single „Leipzig“. Dieser Song fand trotz seiner jungen Existenz bereits bei einigen Radiostationen große Beachtung, unter anderem bei Steve Lamacq von BBC Radio 6 und kommt nun auch im Postbahnhof an, wie es sonst nur ein Smash-Hit tut. „Leipzig“ hat sie wieder, die stimmungsvollen vokalen Klangteppiche dieser Band und trotz düster angehauchtem Sound fühlt man eine Lebendigkeit und Lust, wie sie nur bei Mumford & Sons zu finden ist.

Vergleicht man diesen Abend mit früheren, lassen sich hin und wieder leichte Anzeichen von Müdigkeit erkennen, so etwa wenn Maarten Devoldere am Mikro vorbei greift oder sich im Scheinwerferlicht die schwarzen Schatten unter den Augen von Bassist Simon Casier auftun. Auch das Finale, das passenderweise mit der Zeile „How long since I got some sleep“ beginnt, kann die Tour-Abgeschlagenheit nicht verbergen: „Blood Like Wine“ ist das Schlussritual Balthazars. Die letzten Zeilen „Raise your glass to the nighttime and the ways/To choose a mood and have it replaced“ werden a capella heroisch wiederholt und wiederholt. Alle heben ihre Becher, ihre Arme, alle singen mit. Und wohingegen sie bei ihrem letzten Konzert selbst die Getränke hervorholten, um eine weitere Viertelstunde ohne Mikros mit dem Publikum zu singen, präsentieren sie heute die offiziellen sechs Verse, bedanken sich und verschwinden.

Irgendetwas scheint in Belgien musikalisch gerade vor sich zu gehen. Balthazar sind ein wesentlicher Bestandteil dieser neuen Indie-Blüte, welche man mit Spannung im Auge behalten muss. 

Set-List:

Lions‘ Mouth | Later | The Boatman | I’ll Stay Here | The Man Who Owns The Place | No More | The Oldest Of Sisters | Leipzig | Will My Lover | Joker’s Son | Listen Up | Fifteen Floors | Morning  | Sinking Ship | Do Not Claim Them Anymore

Zugabe: Sides | Any Suggestion | Intro | Blood Like Wine


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