Bilderbuch: Neues Album „∞+1“ und der Kampf gegen den Algorithmus

Bilderbuch kündigen ihr neues Album „∞+1“ für September an. Mit „Push Reality“ und „irgendwo“ zeigt die Indie-Band, warum sie dem Streaming-Algorithmus trotzt.

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Es gibt Bands, die bewusst mit dem Strom der Zeit schwimmen, um an vorangegangene Erfolge anzuknüpfen. Bands, die sich dem neuen Zeitalter der Künstlichen Intelligenz anpassen und das Beste daraus machen. Und dann gibt es Bands, die fahren zum De-facto-Nordpol, um Szenen für ein Musikvideo im Stile Werner Herzogs drehen zu können. Darf ich vorstellen: Bilderbuch.

Die Zeit, in der wir leben, ist grotesk. Während Künstler versuchen, ihr jahrelang produziertes Studioalbum mit präzisen Album-Release-Strategien auf hunderttausend Streams hochzujuckeln, schafft es Kevin mit einer KI, die Millionen-Streams zu knacken. Wir hören lieber die Musik, die uns Spotify in die Timeline spült, und fleißig kuratierte Kassetten-Mixtapes gehören einer längst vergessenen Zeit an. Das große Stichwort lautet: Algorithmus. Denn dieser bestimmt, was wir zu hören und zu sehen bekommen. Der österreichischen Band gefällt das gar nicht.

David gegen Goliath

Während A&R-Manager auf Berliner Klub-Toiletten den Mund über die „Importance von deinem Song Rollout Plan“ fusselig reden, dreht Bilderbuch den Spieß um. Am 5. Juni veröffentlichten sie den Song „Push Reality“ – doch tausende hatten ihn bereits zuvor in einem aussterbenden Medium gehört: dem Radio. Das dazugehörige Musikvideo erscheint am 7. Juni. Ende Februar hatten die Österreicher bereits den Song „irgendwo“ hochgeladen. Der Song „fängt das Gefühl einer Generation ein, die zwischen Bedrohung und der Sehnsucht nach Menschlichkeit lebt“, heißt es im Pressetext. Passend dazu singt Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst: „Drohnen am Himmel über uns / Leuchten wie Sterne“. Eine Generation, die einen Zeitenwandel durch geopolitische und technische Bedrohung durchlebt, bekommt die Absurdität dessen in einem avantgardistischen Musikvideo zu „irgendwo“ zu sehen – ein 14-minütiger Fiebertraum, der die musikalische Ausrichtung der Indie-Band widerspiegelt.

Doch nicht nur die Zeit selbst wandelt sich, sondern auch das Bandgefüge von Bilderbuch. Gitarrist Michael Krammer zog sich nach über 17 Jahren aus der Band zurück. Als Begründung gilt eine gewandelte Lebensweise, die auch mit dem Vatersein zu tun haben könnte.

Das neue Album: „∞+1“

Das neue Studioalbum trägt den Titel „∞+1“ und ist für den 18. September angekündigt. Neben den zwei bereits veröffentlichten Songs wird es mit großer Erwartung auch die DNA von Bilderbuch bewahren. Denn wie in „Push Reality“ zu hören, wird weder auf Onomatopoesie noch auf den wilden Deutsch-Englisch-Mix verzichtet.