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Playlist: Lieder und Alben für Beerdigungen und Begräbnisse

Musik kann ein Schlüssel dafür sein, die Trauer bei einem Abschied zu bewältigen. Zum Beispiel nach einem Todesfall, bei einer Beerdigung oder einer Trennung. Die Musik ist ein Zeichen des Lebens. Und großartige Songs zu diesem Thema zeigen, dass man vor allem eines ist: nicht allein.

Beerdigung der Kindheit: Arcade Fire – „Funeral“

„My family tree’s losing all it’s leaves“: Weil plötzlich einige geliebte Menschen aus ihrem Leben verschwanden, nannte die noch junge Band aus Kanada ihr Debüt „Funeral“. Régine Chassagnes Großutter Alice war im Juni 2003 verstorben. Win and William Butlers Großvater, der Musiker Alvino Rey, starb im Februar 2004. Kurz darauf folgte Richard Reed Parrys Tante im April desselben Jahres.

Die amerikanische Ärztin Elisabeth Kübler-Ross hatte bereits in den 60er-Jahren fünf Stadien beschrieben, die Menschen im Angesicht des Todes durchlaufen. Auf „Funeral“ wurden sie alle in emotionales Songwriting übersetzt: Isolation, Wut, Verleugnung, Depression und am Ende: Akzeptanz.

Am Anfang steht der Schock über den Verlust, verpackt in fantastische Geschichten über Kinder in einer Welt ohne Erwachsene („Neighbourhood #1“). Am Ende dämmert aber zumindest die Einsicht, dass die Rebellion gegen die Eltern vielleicht doch nur eine Rebellion gegen die ungeliebten Wahrheiten des Erwachsenwerdens war: „People say that you’ll die faster than without water/ but we know it’s just a lie, scare your son, scare your daughter/now here’s the sun, it’s alright! now here’s the moon, it’s alright!“

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Abschied von der Ehefrau: Herbert Grönemeyer – „Der Weg“

Herbert Grönemeyers Bruder Wilhelm sowie seine Ehefrau Anna Henkel verstarben im November 1998 im Abstand von wenigen Tagen an Krebs. Grönemeyer sagte dazu:

„Wenn man so eine Katastrophe erlebt, ist man völlig hysterisch, zerrüttet und ängstlich. Musik ist für mich eine Form von Begeisterung und ein Ventil, das mein Leben in Balance hält. Sie ist mein privater Hochsicherheitstrakt. Mein Geheimnis, das mich überallhin begleitet und das mir keiner nehmen kann. Ich dachte: Wenn du dieses Zentrum deines Lebens auch noch verlierst, ist Schluss.

In London verarbeitete er seine Trauer und unternahm wieder erste behutsame Schritte in der Musik. Ein Produkt dieses Prozesses war „Der Weg“. Das Album „Mensch“ aus dem Jahr 2002, auf dem das Lied zu finden ist, drückt die Spannung zwischen Herbert Grönemeyers Verzweiflung, Melancholie und seiner Zuversicht während jener Zeit aus.

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Zur Erinnerung an die Mutter: Biffy Clyro – „Puzzle“

Simon Neil schrieb die Texte für das vierte Biffy-Clyro-Album „Puzzle“ nach dem Tod seiner Mutter Elanor im März 2004. Insbesondere der Song „Folding Stars“ ist dabei hervorzuheben, in dessen Refrain der Name Elanor mehrfach fällt. Laut Neil war es das emotional herausforderndste Lied, das er jemals aufgenommen hat. Die Möglichkeit über den Tod seiner Mutter zu schreiben und zu singen, sei jedoch therapeutisch gewesen.

„Puzzle“ beginnt furios. Das Lied „Living Is a Problem Because Everything Dies“ gibt unmissverständlich zu verstehen, um welches Thema die weiteren Songs kreisen. Vollkommen gegensätzlich ist der letzte Song „Machines“. Mit der akustischen Gitarre blickt Simon Neil zerbrechlich und doch optimistisch voraus und singt: „Take the pieces and build them skywards“.

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Abschied ohne Beerdigung: Manic Street Preachers – „Cardiff Afterlife“

Am 1. Februar 1995 verschwand der Texter und Rhythmus-Gitarrist der Manic Street Preachers, Richey Edwards, spurlos in London. Später wurde sein Auto an der Severn-Brücke in Wales gefunden. Sie verbindet das Land mit England und ist ein berüchtigter Ort für Selbstmörder.

Edwards wurde im Vorfeld regelmäßig durch sein selbstverletzendes Verhalten auffällig, das mit schweren Depressionen einherging. In einem Interview mit dem „NME“ etwa ritzte er sich mit einer Rasierklinge die Wörter „4 Real“ in den Unterarm, nachdem er auf seine Ernsthaftigkeit im Bezug zu seiner Kunst angesprochen wurde. Richey Edwards Eltern ließen ihn 2008 für „vermutlich tot“ (presumed dead) erklären. Ein Todesfall ohne Beerdigung.

Der Song „Cardiff Afterlife“ erschien auf dem Album „Lifeblood“ aus dem Jahr 2004. Der Tod, Einsamkeit und Geister sind nach eigenen Angaben die Leitmotive der Lyrics. Sie setzen sich mit der Vergangenheit der Band und mit dem Verschwinden Edwards auseinander. Gemeinsam mit dem 2009 veröffentlichten Album „Journal for Plague Lovers“ stehen „Cardiff Afterlife“ und „Lifeblood“ für die Erinnerung der verbliebenden Bandmitglieder an Richey Edwards. Für „Journal for Plague Lovers“ wurden ausschließlich Texte von Edwards verwendet.

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Über ehrliche und unehrliche Anteilnahme: Imogen Heap –„Hide and Seek“

Vielleicht der Abschiedssong für diejenigen, die in den 2000ern Teenager waren. Der Grund: Die US-Fernsehserie O.C. California. Die Figur Caleb Nichol stirbt zum Ende der zweiten Staffel und Imogen Heap lieferte mit „Hide and Seek“ den Soundtrack zu den Szenen der Beerdigung.

Der Song handelt zunächst von dem Verlust einer geliebten Person. Vor allem aber thematisiert er die Scheinheiligkeit von Seiten Unbeteiligter, der sich Trauernde häufig ausgesetzt sehen. „Ransom notes keep falling out your mouth / mid-sweet talk / newspaper word cut-outs / speak no feeling, no, I don’t believe you / sou don’t care a bit, you don’t care a bit.“

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Leere und Einsicht: Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“

2012 verstarb Sufjan Stevens Mutter Carrie. Das ihr und seinem Stiefvater gewidmete Album „Carrie & Lowell“ dreht sich um ihren körperlichen Verfall, die Erinnerung an eine schwierige Kindheit sowie die Leere, die ihn nach der Beerdigung eingeholt hat. Songtitel wie „Death With Dignity“ oder „Drawn To The Blood“ sprechen Bände.

Das traurigstes Lied und Herzstück des Albums ist „4th of July“, ein Dialog am Krankenbett mit Carries sich verflüchtigender Seele. „It was night when you died, my firefly/ what could I have said to raise you from the dead?“ fragt Stevens. Seine Mutter antwortet, ein kalter Geist aus dem Jenseits: „Did you get enough love, my little dove/ why do you cry?/ and I’m sorry I left, but it was for the best/ though it never felt right“.

Ohne Hemmungen zeigt sich Stevens in seinem zerbrechlichsten Zustand, zurückgeworfen auf kindliche Urängste des Verlassenwerdens. Umso trauriger ist es, dass „We’re all gonna die“ offenbar die einzigen tröstlichen Worte sind, die ein Erwachsener (seine Mutter) einem anderen Erwachsenen (ihm) am Ende zu geben weiß.

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Beerdigung und Wiedersehen: Eric Clapton – „Tears in Heaven“

Der vielleicht bekannteste Song Eric Claptons ist zugleich sein vermutlich traurigster. „Tears in Heaven“ ist seinem verstorbenen Sohn Conor gewidmet, der am 20. März 1991 im Alter von vier Jahren in New York aus dem Fenster eines Hochhauses stürzte. Gemeinsam mit Will Jennings schrieb Clapton darauf das Lied „Tears in Heaven“ als Soundtrack für den Film „Rush“.

Unverblümt spiegeln sich seine Gedanken über ein Wiedersehen mit seinem Sohn im Himmel. Ungeachtet seines Status als Welt-Star stellt er sich dieselben Fragen wie viele anderen Eltern, die ein Kind verloren haben. „Would you know my name / if I saw you in heaven?“.

Besonders wichtig scheint ihm diese Frage zu sein, da er vor dem Tod seines Sohnes seine Pflichten als Vater vernachlässigte. Alkoholprobleme und verschiedene Beziehungsdramen überschatteten seine Bindung zu Conor. Im Jahr 2004 hörte Eric Clapton auf, „Tears in Heaven“ live zu spielen, da er nach eigenen Angaben die Trauer überwunden habe.

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Beerdigung der Trauer: Nick Cave & The Bad Seeds – „Skeleton Tree“

Auch Nick Caves Album „Skeleton Tree“ aus dem Jahr 2016 behandelt das Thema des verstorbenen Kindes. Im Gegensatz zu „Tears in Heaven“ ist der Großteil der Musik und ein Teil der Texte jedoch bereits vor dem Unfalltod seines 15-jährigen Sohnes Arthur enstanden. Man könnte also sagen, dass „Skeleton Tree“ nicht erschienen ist, weil Nick Caves Sohn gestorben ist, sondern obwohl er gestorben ist. Dieser Umstand kann als Triumph der Schaffenskraft verstanden werden.

Eine ausführliche Kritik zu „Skeleton Tree“ lesen Sie hier.

Seit jeher begleitet Nick Caves Musik eine Morbidität. Sie ist elegisch und tiefgründig. So ist es kaum verwunderlich, dass dies auch auf dieses Beispiel zutrifft. Die offene Handhabung der Trauer wie bei „Tears in Heaven“ sucht man auf dem Album allerdings vergeblich. Cave verzichtete auf Interviews zu diesem Thema und überließ das Sprechen einem Dokumentarfilm von Andrew Dominik.

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„Orange Is The New Black“: Nach der siebten Staffel ist Schluss

Seit 2013 läuft auf Netflix die erfolgreiche Frauenknast-Serie „Orange Is The New Black“. Jetzt gibt es traurige Nachrichten für alle Fans: Die siebte Staffel, die 2019 erscheint, wird gleichzeitig die letzte sein. Diese Botschaft überbringen die Schauspielerinnen selbst. Über dem Video prangt die Warnung: „Das könnte dich zum Weinen bringen.“ In dem einminütigen Video fließen keine Tränen, doch die Frauen sind sichtlich ergriffen, nachdem die Serie, für die sie sieben Jahre immer wieder gedreht haben, nun endgültig zu Ende geht. https://twitter.com/OITNB/status/1052665637409980416 Manche der Frauen sind noch in ihren Kostümen, andere scheinen ihre Rollen – oder zumindest die Gefängniskluft – hinter…
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