Bob Dylan verliert schon wieder einen Gitarristen – Bob Britt steigt abrupt aus
Zwei Wochen nachdem Dylan-Gitarrist Doug Lancio plötzlich durch Jazz-Virtuosen Julian Lage ersetzt wurde, verabschiedet sich Britt mit „Sayonara Bobby“ auf Facebook.
Nur zwei Wochen nachdem Bob-Dylan-Gitarrist Doug Lancio von der Tour verschwand und durch den Jazz-Virtuosen Julian Lage ersetzt wurde, hat Bob Britt – seit 2019 Gitarrist in Dylans Band – die Gruppe offenbar ebenfalls verlassen. Am Wochenende schrieb Britt „Sayonara Bobby“ auf seiner Facebook-Seite, dazu ein Bild eines Fluges von Austin, Texas – wo Dylans nächstes Konzert im Moody Amphitheater stattfinden soll – nach Nashville, Tennessee. In den Kommentaren teilte er einem Fan mit: „Ich hab gekündigt.“ (Dank an Dylan-Superfan Harold Lepidus, der die Posts entdeckt hat.)
Die überraschende Ankündigung sorgte in der Dylan-Fan-Community für erheblichen Aufruhr, denn Lage hat am 29. Juni eine eigene Veranstaltung im National Sawdust in Brooklyn, New York – er steht also ebenfalls nicht für den Austin-Auftritt zur Verfügung. Damit sind die einzigen öffentlich bekannten verbliebenen Bandmitglieder Bassist Tony Garnier und Schlagzeuger Anton Fig.
Das unwahrscheinlichste Szenario für die Austin-Show wäre, dass Dylan ohne jeden Gitarristen auf die Bühne geht und nur von Garnier und Fig begleitet wird. Das National-Sawdust-Konzert stand schon lange im Kalender, und Dylan wusste mit Sicherheit, dass Lage kein dauerhaftes Bandmitglied sein würde – dafür hat er schlicht zu viele andere Verpflichtungen. Wahrscheinlicher ist, dass entweder Lancio zurückkehrt oder Dylan einen neuen Vollzeit-Gitarristen engagiert hat.
Wer spielt in Austin?
Doch wenn Britt so abrupt ausgestiegen ist, wie sein Facebook-Post vermuten lässt, hatte Dylan kaum Zeit, einen zweiten neuen Gitarristen zu verpflichten. Mit einem derart schlanken Line-up aus Schlagzeug, Bass und nur einem Gitarristen hat er seit den Anfangstagen der Never Ending Tour nicht mehr gespielt. Seit Pedal-Steel-Spieler Bucky Baxter 1992 zur Band stieß, standen stets mindestens zwei Gitarristen auf der Bühne.
Wie so oft bei der Never Ending Tour wird man erst wissen, wer in der Band ist, wenn das Licht erlischt und die Musiker die Bühne betreten. Was sich sagen lässt: Die Setlist dürfte sich kaum grundlegend verändern. Trotz des spektakulären Auftauchens von „Baby, Won’t You Be Me Baby“ – einem obskuren Basement-Tapes-Tiefenschnitt, der bei einigen Shows Anfang des Monats den Rekord für die längste Zeitspanne zwischen Aufnahme und Live-Premiere brach – waren die Sets bislang weitgehend unveränderlich.
Man darf damit rechnen, dass er entweder mit „To Be Alone With You“ oder „Watching the River Flow“ eröffnet, gefolgt von „All Along the Watchtower“, „Tryin‘ to Get to Heaven“, „When I Paint My Masterpiece“, „Under the Red Sky“ und eigenwilligen Coversongs wie Bo Diddleys „I Can Tell“ und Bobby „Blue“ Blands „Share Your Love With Me“.
Crash-Kurs in Dylan-Songs
Irgendwo in Austin büffeln gerade womöglich ein paar Gitarristen im Eilverfahren diese Songs. Wir wünschen ihnen viel Erfolg. Und hoffen, dass keiner von ihnen seine Dylan-Geschichte mit einem „Sayonara Bobby“-Post auf Facebook beendet.