Brian Wilson

Wochen ein Album namens „Smiley Smile“ auf, das so klingt, als ob jeder Musiker im Studio machen durfte, was er wollte. Brian ließ seinen Namen als Produzent streichen. Brian gab auf.

„Die Melodien waren einfach nicht für Stimmen gemacht“, schreibt der, dessen Band die besten Stimmen der Welt besaß, als Rechtfertigung in seiner Biographie „Wouldn’t It Be Nice“ (die, nebenbei bemerkt, in weiten Teilen von seinem Psychiater Eugene Landy verfaßt wurde). „By killing „Smile“, he saved himself, behauptet David Leaf in den Liner-Notes zu „Good Vitmtions – 30 Years Of The Beach Boys“. Mag sein. Fest steht, daß die Aufgabe des „Smile“-Projekts der Anfang vom Ende war – für Brian Wilson und für die Beach Boys. Das Genie verfiel: zuerst dem Koks, dann dem Wahnsinn, anschließend den Gehirnwäsche-Therapien seines Psychiaters Landy. Und ohne ihr Mastermind mutierten die Beach Boys ziemlich schnell zu einer Marionetten-Truppe, die sich zwischen Drogen, Groupies und permanten Streitereien aufrieb und künstlerisch nie mehr auch nur annähernd an die Qualität der ersten Jahre herankam. Eine Zeitlang gab es sogar zwei Beach Boys-Fraktionen – die Meditations-Anhänger und die Drogen-Freaks -, die auf Tourneen getrennt reisten.

„1966 hatte es Brian irgendwie geschafft, sein eines funktionstüchtiges Ohr an die Sphären da draußen anzuschließen“, schreibt Timothy White. Doch während der Arbeit an „Smile“ hat er dann das, was er da gehört hat, nicht mehr ertragen können. Brian Wilson wurde wahnsinnig. Und „Smile“ das Album, das zu nahe an die Sonne flog.

Irgendwer hat Brian Wilson überredet, im Fernsehen aufzutreten. Bei der Verleihung der „American Music Awards“ Anfang des Jahres steht er auf der Bühne, ein gewaltiger, linkischer Riese mit aufgequollenem Gesicht, hilflos, tapsig, desorientiert. Als er den Umschlag mit dem Gewinner-Namen öffnet, zittern seine Hände so sehr, daß er sich aufs Pult stützen muß. Er will den Namen lesen, als irgendein Nervenstrang in den Mundwinkeln zu zucken beginnt. Brian Wilson hebt den Kopf. Seine Augen blicken abwesend in die Kamera, blau wie der Pazifik vor Kalifornien.

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