David Bowies letzte Live-Auftritte: Vom Herzinfarkt auf der Bühne bis zur Radio City Music Hall

David Bowies letzte Live-Auftritte nach seinem Herzinfarkt 2004 – eine vollständige Chronik seines stillen Abschieds von der Bühne.

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Zehn Jahre ist es in diesem Monat her, dass David Bowie nur drei Tage nach der Veröffentlichung eines der bemerkenswertesten Alben seiner Karriere starb: „Blackstar“. Seit fast einem Jahrzehnt kursierten Gerüchte über seinen fragilen Gesundheitszustand.

Dennoch hatte er kurz zuvor noch die Premiere seines Off-Broadway-Musicals „Lazarus“ besucht und in zwei Musikvideos zu „Blackstar“ mitgewirkt. Bowies Tod am 10. Januar im Alter von 69 Jahren war kaum zu begreifen. Es markierte den Auftakt eines düsteren Jahres, in dem auch Prince, Leonard Cohen, Glenn Frey, George Michael, Sharon Jones und Leon Russell starben.

Zum Zeitpunkt seines Todes hatte Bowie seit zwölf Jahren kein vollständiges Konzert mehr gespielt und kein Interview gegeben. Nach Jahrzehnten eines sehr öffentlichen Lebens – Gastauftritte in der „Rosie O’Donnell Show“, Fotostrecken mit Ehefrau Iman und der neugeborenen Tochter Alexandria in Hello! – nahm er plötzlich eine neue Rolle an. Den Mann, der von der Erde verschwand. Man sah ihn nur noch flüchtig auf roten Teppichen oder bei Filmpremieren, stets schweigend.

Das plötzliche Verschwinden von der Bühne

Doch nach dem abrupten Ende der „Reality-Tour“ 2003/2004 gab es eine kurze, seltsame Phase, in der Bowie unerwartet bei Sonderveranstaltungen und Konzerten von Freunden auftauchte. Damals ahnte niemand, dass dies das tatsächliche Finale seiner Bühnenkarriere war. Glücklicherweise wurden all diese Auftritte gefilmt. Auch wenn manches Fanmaterial aus der Zeit vor dem iPhone qualitativ zu wünschen übrig lässt. Hier folgt eine Reise durch David Bowies sieben letzte Live-Auftritte.

Prag, T-Mobile Arena, 23. Juni 2004

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So schwer es heute vorstellbar ist: Eine David-Bowie-Tour war Anfang der 2000er kein Großereignis. Seit 20 Jahren hatte er kein echtes Hit-Album mehr. Ein Großteil seines Mythos aus den Siebzigern war verblasst, und er kam ähnlich regelmäßig in die Stadt wie Rod Stewart oder James Taylor. Die Welttournee zu seinem unterschätzten Album „Reality“ führte ihn in den USA durch Arenen, Theater und sogar Casinos.

Geplant war eine Tour bis Ende Juli 2004. Doch während eines extrem heißen Konzerts in Prag änderte sich alles. Während Bowie den Titelsong „Reality“ sang, überkamen ihn massive Schmerzen. Bassistin Gail Ann Dorsey (übersetzt) erinnerte sich 2016 gegenüber ROLLING STONE: „Er sah mich über die Schulter an. Er war blass, fast durchsichtig. Sein Hemd war klatschnass. Und er stand einfach da, ohne zu singen.“ Die Band spielte einige Songs ohne ihn weiter. Bowie kehrte zurück, schaffte noch vier weitere Stücke, musste das Konzert dann aber mitten in Changes abbrechen. Er wusste nicht, dass er auf der Bühne einen Herzinfarkt erlitten hatte und dem Tod nur knapp entgangen war.

Scheeßel, Deutschland, Hurricane Festival, 25. Juni 2004

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Wäre der Herzinfarkt korrekt diagnostiziert worden, hätte die Tour niemals fortgesetzt werden dürfen. Doch da man von einem eingeklemmten Nerv ausging, reisten Bowie und seine Band zwei Tage später weiter zum Hurricane Festival in Scheeßel. Mit unglaublicher Willenskraft spielte Bowie das komplette Set, diesmal in einem Sweatshirt statt seines üblichen Bühnenoutfits.

„Ich erinnere mich, wie ich nach dem Konzert hinter ihm die Treppe hinunterging“, sagte Gail Ann Dorsey (übersetzt). „Unten angekommen, brach er zusammen. Er war völlig erschöpft und schwer krank. Sie brachten ihn sofort ins Krankenhaus.“ Erst dort erfuhr Bowie, dass eine Notoperation am Herzen notwendig war. Dieser Abend markierte das Ende der Tour, das Ende seiner Karriere als Tourmusiker – und einen entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben.

New York, Radio City Music Hall, 8. September 2005

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Nach dem Hurricane Festival verschwand Bowie vollständig aus der Öffentlichkeit. Umso überraschender war es, als Fashion Rocks ankündigte, er werde im September 2005 in der Radio City Music Hall auftreten – gemeinsam mit Gwen Stefani, Alicia Keys, Destiny’s Child und Arcade Fire. Zunächst betrat er mit seinem langjährigen Pianisten Mike Garson (übersetzt) die Bühne und sang eine reduzierte Version von „Life on Mars?“. Er trug einen Gips am rechten Arm und hatte Schminke um ein Auge, die wie ein Veilchen aussah – der Grund dafür ist bis heute unklar.

Später am Abend schloss er sich Arcade Fire für mitreißende Versionen von „Wake Up“ und „Five Years“ an. Für einen kurzen Moment schien es, als sei Bowie wirklich zurück und der gesundheitliche Rückschlag nur eine Episode gewesen.

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Andy Greene schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil