David Byrne nahm uns mit nach Hause: „Life During Wartime“ war düster, doch sein Coachella-Set strahlte Hoffnung aus

Der Avant-Pop-Musiker reflektierte beim Wüstenfestival den Zustand der Welt – durch die Themen Liebe und gemeinsame Menschlichkeit.

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Das Großartige an Musik ist ihre Fähigkeit, aufzurichten – gerade dann, besonders dann, wenn die Dinge zum Kotzen sind. Tausendsassa David Byrne drückt sich nicht um das Schlechte in der Welt; seine Songs meditieren oft über die Komplexität des Lebens und die widersprüchlichen Gefühle, die sie mit sich bringen. Beim Coachella markierten er und seine freien Musikerinnen und Tänzer diese Höhen und Tiefen – nicht um ihnen zu entkommen, sondern um im Schwelgen in unserer gemeinsamen Menschlichkeit, mit all ihren Fehlern, ein bisschen Hoffnung zu finden.

Nach einem leichten Verspätungsstart entführten Byrne und seine Crew das Publikum im Outdoor Theatre aus der Wüste in eine immersive, theatralische Welt voller Tanz, Hoffnung und gemeinsamer Nenner inmitten aller Ungewissheiten des Lebens. Seine jüngsten Konzerttouren sind ein aufwendig und perfekt choreografiertes Erlebnis – das wissen all jene, die ihn beim ersten Coachella-Auftritt 2018 oder auf seiner damaligen Tour zu „American Utopia“ erleben durften.

Diesmal war es genauso spektakulär. Der Musiker erschien zunächst allein in einem orangefarbenen Overall, bevor er mit „Everybody Laughs“ aus seinem neuesten Album „Who Is the Sky?“ loslegt und seine Bandmitglieder nach und nach die Bühne betraten. Gespielt wurden außerdem „When We Are Singing“ und „What Is the Reason for It?“ von seiner jüngsten LP sowie seine Kollaboration mit Brian Eno, „Strange Overtones“ – doch das Set stützte sich stark auf Talking-Heads-Klassiker, darunter „And She Was“, „This Must Be the Place“ und „Psycho Killer“, zur großen Freude des Publikums, das jeden Text mitsang.

Liebe als Widerstand

Bevor er „What Is the Reason for It?“ anstimmte – ein Song über den Sinn der Liebe –, teilte er eine Geschichte des Schauspielers und Regisseurs John Cameron Mitchell, der ihm gesagt habe: „Liebe und Freundlichkeit sind das Punkste, was wir gerade tun können.“ Er gestand, dass er es damals nicht sofort verstanden habe, mittlerweile aber schon. „Liebe und Freundlichkeit sind eine Form des Widerstands.“

Später, während „Life During Wartime“, wurden auf den Leinwänden rund um die Bühne Videobilder vom Widerstand gegen die Einwanderungsbehörde ICE projiziert – was dem Publikum lautstarke Jubelrufe entlockte.

Den Abschluss bildete das Doppel aus „Once in a Lifetime“ und „Burning Down the House“ – ein unvergesslicher, feuriger Ausklang für eines der stärksten Sets des gesamten Wochenendes.