Depeche Mode in Berlin: Alle Alben von Depeche Mode im Ranking

Depeche Mode in Berlin: Alle Alben von Depeche Mode im Ranking

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14. Delta Machine (2013)

Euphorisiert sprach Dave Gahan von den Gefühlen, die es so zuletzt auf „Songs of Faith and Devotion“ (1993) gegeben habe: Soul, Gospel, der „erdige Klang.“ Doch im letzten von drei für Depeche Mode produzierten Werken hinterließ Produzent Ben Hillier dann doch wieder jene dünnen Electro-Gerüste, bei dem Schläge aufs E-Drum wie Kissenschlachten klingen.

Dazu gibt es die typisch gewordenen gurgelnden, flirrenden Störgeräusche, die die Band vor allem für jene Songs nutzt, deren Melodien alleine nicht tragen. „SOFAD“-Produzent Flood, der an der Schlussabmischung beteiligt war, hinterließ keinen bleibenden Eindruck.

Enttäuschender sind die Melodien. Die vier Singles beschreiben die traurigste Reihe an Auskopplungen, die Depeche Mode sich bislang geleistet haben. „Heaven“ mit seinem Blues-Standard-Akkordmuster machte den Auftakt, „Soothe My Soul“ ist Stadionstampfer ohne echten Refrain, „Should Be Higher“ wie ein langsamer, ausdauernder Wassertropfen, das Western-artige „Goodbye“ klang wie ein Abschied.

In der Konfiguration ihrer Album-Tracklisten stoßen drei Interessen aufeinander, vor allem die Martin Gores und Gahans. So lässt sich vielleicht erklären, dass es einige Lieder nur auf die Special Editions ihrer Platten geschafft haben. Warum jedoch Skizzen wie „Slow“ oder „Alone“ den Vorzug gegenüber „All That’s Mine“, „Happens All The Time“ oder „Always“ (vielleicht der aggressivste Song, bei dem Gore Solo-Vokalist ist) erhalten haben, kann einen nur verwundern. „Welcome To My World“? Ist als Einladungsstück nur halb so gut wie „World In My Eyes“.

13. Spirit (2017)

Depeche Mode: „Spirit“

Ihre mutigste Platte, weil Depeche Mode so politisch wurden wie zuletzt bei „Some Great Reward“ von 1984 („People Are People“). Donald Trump verärgerte die Wahl-Amerikaner Gahan und Gore. „Spirit“ ist für sie Einstellungssache: gegen Rassismus und Faschismus.

Es kann keine Messungen darüber geben, ob die zehntausenden Stadionbesucher ihrer Konzerte, einige davon lediglich Fanatiker beliebiger Groß-Events, die Botschaften von „Where’s The Revolution“ und „Poorman“ verstehen bzw. als Lebensvorschlag annehmen können. Das muss in der Bewertung einer Platte auch nicht ausschlaggebend sein. Aber wie beim Vorgänger „Delta Machine“ entsteht der Eindruck, dass die Musiker ihre beste Zeit als Komponisten hinter sich haben. „You Move“ oder „No More (This Is The Last Time)“ sind klassisches To-Skip-Material.

Martin Gore, der endlich wieder zwei statt nur ein Gesangsstück beiträgt, setzt die wenigen Akzente. „Eternal“ beschwört jenes Feeling der 1980er-Jahre, als der Atomkrieg drohte. Hätte auch zu „Construction Time Again“ von 1983 gepasst.

12. Sounds Of The Universe (2009)

„Delta“ war der Soul, „Spirit“ die Politik, dies ist der Weltraum: Für seine kosmischen Töne ersteigerte Martin Gore auf Ebay etliche alte, analoge Synthesizer. Jeder Ton wirkte nun so monolithisch, als wäre er auf haushohen Instrumenten der 1970er-Jahre eingespielt worden. Die „Klänge des Universums“ spiegelten auch Gores religiöse Seite wider. Den Songtexten ab 1981 an zu urteilen ändert sich seine Einstellung zu Spiritualität und Himmelsraum immer mal wieder, in „Little Soul“ beschwört er jedenfalls die Einigkeit von Individuum und All. Das Ganze ist in uns, und wir sind das Ganze:  „I’m channeling the universe / It’s focusing its love inside of me /A Singularity“.

„Little Soul“ ist Höhepunkt der Platte, weitere sind „Peace“ sowie „Corrupt“, das eine der wenigen Nicht-Singles von Depeche Mode sein dürfte, die ihre Livepremiere nicht bei der damals aktuellen Tournee feierten, sondern zwei Konzertreisen danach („Global Spirit“). Überhaupt entdeckte die Band dieses Album, das bald auch schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, wieder. Neben „Little Soul“ und „Corrupt“ spielten sie auch „Wrong“ zuletzt live.

Zum Rest des Albums haben Depeche Mode weniger Zutrauen gehabt. „Fragile Tension“ ist eine der wenigen Auskopplungen  ihrer Karriere, die schon auf der aktuellen Tour so gut wie nie gespielt wurden. „Jezebel“ erhält durch den Bontempi-Rhythmus eine unnötige Verharmlosung. Der Bonustrack „Oh Well“ erlangte Bekanntheit als rare Gemeinschaftskomposition der beiden DM-Chefs und war dennoch typisch für diese Ära – Gahan lieferte eine unausgereifte Melodie, Gore legte Techno drunter, der den Electro des „VCMG“-Albums „Ssss“ von 2011 vorwegnahm.

Die „Universe“-Opener „In Chains“ und „Hole To Feed“ zählen zu solchen Live-Songs, die, wie auf Platte, auch live die ersten zehn Minuten einnehmen, von denen aber jeder weiß, die Musiker doch auch, dass sie nach der Tour nie wieder aufgeführt werden. Wieso tun sie sich – und uns – das an?

11. Exciter (2001)

Depeche Mode waren immer dann am besten, wenn sie einen eigenen Sound entwarfen, statt sich auf dem Markt nach dem heißesten Scheiß umzuschauen. Mit dem Warp-Mann Mark Bell holten sie sich einen Produzenten, der ihren Songs einen leichten Club-Einschlag verpasste. „ I Feel Loved“ ist stumpfer Techno, „The Dead Of Night“ dank Zeilen wie „We’re In The Zombie Room!“ Geisterbahn-Musik für Neunjährige.

Der – fahrig gesungene – Dancepop-plus-Akustikgitarre von „Dream On“ teilt sich mit „Where’s The Revolution“ den ersten Platz ihrer schlechtesten Vorabsingle (kurioserweise die zweite von nur zwei Nummer-eins-Singles der Band in Deutschland). Alle drei Songs sind komplett aus dem Leben von Depeche Mode verschwunden. Es juckt einen in den Fingern, der Albumtitel lädt zu einem ironischen Wortspiel ein. „Exciter?“ Andererseits hat die Band in ihren Titeln immer mit Übertreibungen gearbeitet.

Die Höhepunkte finden sich vor allem auf der zweiten „Exciter“-Hälfte, und die sind umso beeindruckender. Martin Gores Stücke „Breathe“ und „Comatose“ sind so intim wie ergreifend, und gerade im Fall von „Breathe“ im richtige Moment monumental. „Good Night Lovers“, das Gore und Gahan live auch schon mal Rücken an Rücken sangen, ist als Einschlaf-Liebeslied von ihnen bislang nicht übertroffen worden.

Die Bonus-Disc des 2007er-Reissues beinhaltet Alternativ-Versionen zweier ebenso großer Stücke. Der Single-Mix von „Freelove“, produziert von Flood, hat keine Gitarre, aber den Drive. Das hätte nicht die dritte, sondern erste Auskopplung sein müssen. Und das Instrumental „Easy Tiger“, regulär nur etwas mehr als zwei Minuten lang, entfaltet hier volle magische Länge.

10. Playing The Angel (2005)

Wenn „Ultra“ von 1997 den bedrückenden Herbst ihrer Karriere einläutete, erschien dieses acht Jahre später veröffentlichte Werk nochmal wie ein letztes Aufbäumen in der Midlife Crisis. Anton Corbijn verpasste Depeche Mode eine Art Ufo-Bühne, und Martin Gore lief wie die Figur auf dem Albumcover herum: im Spacevogel-Kostüm.

Die vier Singles funktionierten. Mit „A Pain That I’m Used To“, vor allem aber „John The Revelator“ evozierten DeMo das alte „Black Celebration“-Gefühl der Bretthärte. An Gahans Stimme kam kein anderer vorbei. Durch seine Soloalben bestärkt, bestand er, mit 43 Jahren, erstmals auch auf die Berücksichtigung selbstverfasster Songs. „Suffer Well“ muss sich hinter Gores Liedern nicht verstecken.

Natürlich enthält auch „Playing The Angel“, wie alle späteren Alben, Käse. „The Sinner In Me“, „Nothing’s Impossible“ und „Lilian“. „Precious“ erinnert an „Enjoy The Silence“, was sehr schön sein kann – oder sehr schlecht, da der bessere Song mitschwingt. Als Lied war „Precious“ Gore wichtig, da es die persönliche Krise seiner damaligen Zeit, Trennung von Ehefrau, Vernachlässigung des Kindes, beschreibt.

Mit „Macro“ widmet Gore sich, wie später in den „Sounds Of The Universe“, der Singularität: „See the microcosm / In macro vision / One universal celebration /One evolution / One creation.“ In „The Darkest Star“ geht er noch ein Stück weiter, und es ist unter allen bis heute nicht live aufgeführten der vielleicht beste: ein Ende wie der Sog in ein schwarzes Loch.

09. Ultra (1997)

Das neunte Studioalbum von Depeche Mode würde den Auftakt für zwei bis heute geltende Regelmäßigkeiten bilden. Erstens, eine neue DM-Platte erscheint exakt alle vier Jahre, und zwar ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft. Aufnehmen, touren, runterkommen. Zweitens, aus Klangschöpfern und Vorreitern wurden Mitbewerber: Depeche Mode spielten in der elektronischen Musik weiter eine Rolle, schritten aber nicht mehr voran, sondern suchten sich Produzenten, die für aktuelle Strömungen stehen. Alan Wilder fehlte hier.

Mit Tim Simenon, in den 80er-Jahren Kurzzeit-Wunderkind von Bomb The Bass, suchte Martin Gore sich zumindest einen Produzenten aus, auf den keiner gekommen wäre. Simenon aber probierte sich an einem Sound, der zwischen Dirty Electro und Bristol changierte. „Home“, der vielleicht beliebteste Song von „Ultra“, erinnert mit seinen Streichern an den leicht künstlich wirkenden Orchesterklang von Massive Attack, Gores Stimme hüpft dazu wie die von Erasure-Sänger Andy Bell. Es war einfach alles viel zu dünn auf dieser Platte.

Keinen Zweifel ließ Dave Gahan daran, dass er sich fortan als Überlebender sieht. Aber als Überlebender, der die ihm von den Medien zugeschriebene Opferrolle nicht annimmt. Kollege Gore schrieb ihm dazu den entsprechenden Text auf die Brust: „Whatever I’ve done/ I’ve been staring down the barrel of a gun / Is there something you need from me / Are you having your fun /I never agreed to be /Your holy one.“ Im Video von „Barrel of a Gun“ malten die Musiker sich Augen auf ihre Augenlider: Menschen, die die Augen vor der Welt verschließen, ohne dass die Welt das bemerken soll.

Es sind die kleineren Songs, die nichts von ihrer Lebendigkeit verloren haben, auf jenem Werk, in dem es vor allem ums Überleben geht. Gores „The Bottom Line“ etwa, auf dem Can-Drummer Jaki Liebezeit eher unbemerkt zu hören ist, die auffallende Unauffälligkeit aber sicher in dessen Sinne ausfiel. Dazu „Freestate“ und „Insight“, das von dem Geräusch eines klopfenden Herzens geprägt ist; Gahans Versicherung „The Fire Still Burns“ nimmt jedoch die späteren eigenen, eher simplen Songtexte vorweg.

08. A Broken Frame (1982)

Das zweite Album gilt als schlechtestes der frühen Depeche Mode, als Versuch altersweise zu klingen, aber doch nur Teenager-Begehren zu sein. Das wird dem Versuch, nach dem Abgang des Pop-Idealisten Vince Clarke das Quartett neu aufzustellen, nicht gerecht. Am Ende von „A Broken Frame“ würden Depeche Mode ihren bis heute prägendsten Instrumentalisten gefunden haben: Alan Wilder. Und Martin Gore rückte auf, er war nun Songschreiber. Schönere Stücke als er könnte Clarke nie schreiben.

Bis auf „Leave in Silence“ schafft es keiner der Songs mehr in die heutigen Konzerte, aber dieses frühe Meisterwerk trug alles in sich, was Depeche Mode ausmacht, Trauer, Desillusionierung, Einzelgängertum: „I would stop this thing from spreading like a cancer / What can I say? (I don’t want to play) anymore“. „Leave in Silence“, „See You“, selbst das zwangsoptimistische, fast wie Beach Boys der 1980er klingende „The Meaning Of Love“ waren die herausragenden Songs der Platte.

Das – auf historisches Foto getrimmte – Cover deutete bereits auf die später weiter entwickelte Vorliebe für osteuropäische/russische Bildsprache hin.

07. Speak & Spell (1981)

Der Pop von 1981 war pessimistisch und hart. Es gab Kraftwerk mit „Computerwelt“, Sioxusie and the Banshees („Talk Talk Talk“), Devo mit „New Traditionalists“, Gary Numans „Dance“, Ultravox („Rage in Eden“), Heaven 17 mit „Penthouse and Pavement“ und „Movement“ von New Order. Sogar Abba hatten mit „The Visitors“ ein trauriges Album vorgelegt.

Dazwischen Depeche Mode, die aus heutiger Sicht die knallharten Ledermänner unter all diesen Bands wären, mit ihrem Debüt aber noch das Konzept von Vince Clarke verfolgten, der sie bald verlassen würde. „New Life“ und „Just Can’t Get Enough“ sind die fröhlichen Songs, mit denen das Quartett aus Basildon auf sich aufmerksam machte. Etliche Videos aus dem Jahr dokumentieren, welchen Spaß die Grünschnäbel auf der Bühne hatten, ob live oder Playback, sie brachten die Synthesizer zum Tanzen.

Geschmackskontrolle war schon in den Anfängen vorhanden, ihre allererste Single, „Dreaming Of Me“, wollten Depeche Mode gar nicht auf ihrem Erstling haben (dabei ist das Lied gar nicht so übel). Martin Gore, der danach zum DM-Chefsongschreiber aufsteigen würde, komponierte bereits mit. Das erste von ihm selbst gesungene Stück, „Any Second Now (Voices)“, wird jedoch Vince Clarke zugerechnet.

Hätten DeMo sich hiernach aufgelöst, wären sie in ganz anderer Erinnerung geblieben – jedoch auch nicht in schlechter.

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